Unternehmen beantragt Schutzschirmverfahren – So viele Arbeitsplätze wie möglich sollen erhalten bleiben

Wie gehts weiter bei K&L?

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Seine Zentrale hat K&L in Weilheim.

Weilheim/Region – „Wir können derzeit noch zu keiner möglichen Schließung irgendeiner Filiale etwas sagen. Dieses wird über die nächsten Wochen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens im Detail untersucht. Standortschließungen können wir nicht ausschließen, werden dieses aber mit Bedacht in den nächsten Wochen analysieren. Aufgrund der dann noch vorhandenen Unternehmensgröße müssen wir auch die Strukturen in der Zentrale in Weilheim überdenken. Wir können insofern einen Stellenabbau nicht ausschließen, wollen aber ganz klar im Schutzschirmverfahren so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten. Das ist unser klares Ziel.“

So äußerte sich Jens Bächle, Gesellschafter der K&L GmbH & Co. Handels-KG (K&L), auf Anfrage des Kreisbotens bezüglich einer Pressemeldung, die die Redaktion am Mittwoch erreichte. In ihr heißt es, dass K&L beim Amtsgericht Weilheim einen Antrag auf Eröffnung eines Schutzschirmverfahrens nach § 270b Insolvenzordnung gestellt hat. Zur Erklärung: Ein Schutzschirmverfahren ist auf die Fortführung des Unternehmens ausgerichtet, daher liegt auch keine Zahlungsunfähigkeit vor. Ziel ist es, die Restrukturierung und Neuausrichtung zu beschleunigen. Der wesentliche Unterschied zum Insolvenzverfahren ist, dass beim Schutzschirmverfahren die Kontrolle über das Unternehmen nicht auf einen Insolvenzverwalter übertragen wird, sondern das Unternehmen selbst voll handlungsfähig bleibt. Insofern erarbeitet K&L selbst den Sanierungsplan (nicht ein Insolvenzverwalter, wie im Insolvenzverfahren). Zudem muss es eine reelle Chance auf Sanierung des Unternehmens geben, wie es nach eigenen Angaben bei K&L der Fall ist. Ein Schutzschirmverfahren dauert in der Regel drei Monate, innerhalb derer das Unternehmen in Abstimmung mit den beteiligen Gläubigern einen Sanierungsplan erarbeitet. Dieser wird anschließend in Zusammenarbeit von Unternehmen, Sachwalter und Gericht innerhalb eines kurzen Zeitraumes umgesetzt. Meistens wird dann das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet.

Gegründet wurde das Unternehmen 1962 von Karl Ruppert. Zum 1. September 2017 übernahm der bis dahin verantwortliche Finanzvorstand Jens Bächle K&L (wir berichteten) und leitete als Geschäftsführender Gesellschafter umgehend eine Neuausrichtung des Unternehmens ein. K&L hat aktuell 57 Filialen im süddeutschen Raum und beschäftigt rund 1 200 Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2017 erwirtschaftete das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatz von rund 116 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr 2018 geht Bächle nach vorläufigen Berechnungen von einem Umsatz von rund 120 Millionen aus.

Als Ursachen gibt das Unternehmen neben Fehlern in der Vergangenheit die „gravierenden Veränderungen innerhalb der Modebranche, die den hohen Wettbewerbsdruck verstärkt und zu Frequenz- sowie Umsatzrückgängen geführt haben“, an.

Unter anderem würden sich zahlreiche internationale Modekonzerne auf den deutschen Markt drängen. Zudem sei gleichzeitig der Preisdruck durch Fashion-Discounter sowie die Konkurrenz durch das Internet gestiegen. Vor diesem Hintergrund hatte Geschäftsführer Jens Bächle bereits im September 2017 begonnen, einen Re-

strukturierungsplan basierend auf den vorhandenen Gegebenheiten umzusetzen. So wurden verschiedene Ansätze vorangetrieben, „um das Unternehmen in einem schwierigen Branchenumfeld neu auszurichten“, wie es in der Pressemitteilung von K&L heißt. Neben weiteren Kosteneinsparungen wurde etwa die Steigerung der Attraktivität und Flächenproduktivität durch die Aufnahme weiterer Partnermarken bei K&L forciert. Zudem wurde die eigene Einkaufsgesellschaft in Asien geschlossen und die Neuausrichtung der eigenen Kollektionen ab Herbst-/Winter 2018 begonnen.

Die eingeleiteten Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um gravierende Umsatzentwicklungen wie im September aufzufangen. „Der September war aber im Gesamtmarkt eine Katastrophe, die dazu geführt hat, dass die bisherige positive Entwicklung und bisherige Planerreichung auf den Kopf gestellt wurden“, sagte Bächle. Bis zuletzt führte die Geschäftsführung auch Gespräche mit potenziellen Investoren. Allerdings konnte aufgrund der aktuellen Voraussetzungen keine zusätzliche Liquiditätsstärkung erzielt werden. Bächle führt die Sanierung in Eigenverwaltung fort. Durch das Verfahren ist das Unternehmen vor Zwangsmaßnahmen der Gläubiger geschützt und weiterhin voll handlungsfähig. Die operativen Geschäfte an den 57 Standorten sollen während des Verfahrens ohne Einschränkungen weiterlaufen.

Eckpunkte der Restrukturierung

- Senkung der Kosten und Verschlankung der Strukturen: Das Portfolio der 57 Filialen wird derzeit auf das langfristige Wachstums- und Ertragspotenzial jedes einzelnen Standorts hin überprüft. Filialen ohne solches Potenzial sollen zeitnah geschlossen werden. Zudem müssen, basierend auf den sich ergebenden Umsatzgrößen nach der Schließung von Filialen, die Strukturen in der Hauptverwaltung und Logistik angepasst werden

- Sortimentsstraffung: Das Produktportfolio reicht von Mode über Businessbekleidung bis hin zu Sport- und Trachtenmode, ergänzt durch Accessoires. K&L führt elf verschiedenen Eigenmarken. Um die Attraktivität zu steigern, bietet das Unternehmen seit Kurzem Mode bekannter Partnermarken an. Die Maßnahmen zur weiteren Optimierung des Sortiments umfassen die Konzentration auf Kernlieferanten und Kernsortimente, die Erweiterung des Angebots trendorientierter Ware und Aktionsware zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis sowie der weitere Ausbau der Zusammenarbeit mit Partnermarken

- Verbesserung der Kundenansprache und -bindung: K&L verfügt, wie es in der Pressemitteilung des heißt, durch das langjährige Kundenbindungsprogramm „BestCard“ und der großen Kundennähe über eine starke Stammkundschaft in Süddeutschland. Diese Stärke muss weiter ausgebaut und kundenspezifisch mit Angeboten gefördert und genutzt werden. Zudem soll das Onlinegeschäft, das derzeit rund vier Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht, weiter optimiert werden.

- Stärkung der Kapitalbasis: Zur erforderlichen Stärkung der Kapitalbasis und damit bestmöglichen Gläubigerbefriedigung hat die Gesellschaft eine strukturierte Investorensuche auf den Weg gebracht.

Statement der Familie Ruppert 

Die Familie Ruppert erklärte auf Anfrage des Kreisbotens folgendes: „Von dem Schutzschirmverfahren bei K&L sind wir vollkommen überrascht. Bei der Trennung von unseren Handelsaktivitäten im Sommer 2017 hatte es für uns stets oberste Priorität, eine zukunftsfähige Nachfolgeregelung zu finden und das Unternehmen in kompetente, vertrauensvolle Hände zu übergeben. Die Strategie des neuen Eigentümers sah von Beginn an umfassende Veränderungen für einen nachhaltigen Erfolg des Unternehmens vor. Die Familie Ruppert hat dies im Rahmen des Verkaufs bis an die Grenze des Vertretbaren finanziell unterstützt. Unsere Hoffnung ist nun, dass es dem Eigentümer Herrn Bächle gelingt, den Mitarbeitern eine zukunftsfähige Perspektive zu bieten.“

Von Sofia Wiethaler

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