Experten und Stadt stellen sich Fragen zum Hochwasserschutz

Säuft Weilheim ab?

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Bürgermeister Markus Loth (3.v.re.) erklärte auf dem Podium die seitens der Stadt getroffenen und noch geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen.

Weilheim – Unter dem provokanten Titel: „Säuft Weilheim ab?“ hatte der örtliche Gewerbeverband Vertreter des Wasserwirtschaftsamts Weilheim (WWA), der Stadt, des Versicherungsgewerbes und einen Architekten zu einer Podiumsdiskussion in die Stadthalle geladen. 

Ziel war es, den Privat- und Geschäftsleuten reinen Wein zum aktuellen Stand der Dinge einzuschenken und über Planungen zu informieren.

Rund 100 Bürger waren am Montagabend dieser Einladung gefolgt und mussten erkennen: Einen 100-prozentigen Schutz vor Hochwasser gibt es nicht, es kann nur bis zu einem bestimmten Grad Vorsorge getroffen werden. 

Initiator Hans-Georg Geist, der Vorsitzende des Weilheimer Gewerbeverbandes, hatte zu dem Thema einen Fragenkatalog zusammengestellt. Als Eckpunkte der Ausgangslage führte er Fragen an, wie: Welche Schutzmaßnahmen haben die jeweiligen Verantwortlichen in der Stadt bereits getroffen? Welche landschaftlichen Veränderungen sind dadurch zu erwarten? Welche Bereiche der Stadt Weilheim sind nach den Maßstäben eines 100-jährigen Hochwassers (HQ100) und höher nicht ausreichend geschützt? Was kann der einzelne Bürger selbst zum Hochwasserschutz beitragen?

WWA-Fachgebietsleiter Dr. Tobias Lang verwies in seinen Ausführungen auf die bereits vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim durchgeführten Maßnahmen, wie die Tieferlegung der Ammer in den Jahren 1980 bis 1989, im Zeitraum zwischen 2001 und 2004 realisierte Deicherhöhungen, Deichrückverlegungen, die Anlage von Rückhaltebecken sowie den geplanten Damm westlich der Bahnlinie München-Garmisch. Grundsätzlich, stellte Lang fest, habe es aber immer schon Hochwasser gegeben. 

Für die Stadt Weilheim erklärte Bürgermeister Markus Loth, dass das geplante interkommunale Gewerbegebiet zwischen Polling und Weilheim von einem Hochwasser wohl nicht betroffen wäre, der Bereich Trifthof dagegen schon. Das Problem könne nur durch den Bau von Rückhaltebecken in den Griff bekommen werden. Das habe sich am 16. Oktober am Waitzackerbach beim Starkregen erstmals gezeigt. Hier seien die Baumaßnahmen auch zum größten Teil bereits abgeschlossen.

Das Konzept für den Anger- und Stadtbach befindet sich derzeit in der Genehmigungsphase, erklärte Loth (wir berichteten) und dass die Stadt hier die Kooperation mit der Gemeinde Eberfing suche. Allein von der Stadt könnten die hohen Kosten dieser Maßnahme – rund 15 Millionen Euro – nicht getragen werden, betonte der Bürgermeister. 

Den Immobilienbesitzern in Ufernähe legte der Leiter des Immobilien- und Versicherungsbereichs der Vereinigten Sparkassen Weilheim, Arthur Wilm, dringend den Abschluss einer Elementarversicherung nahe. Denn bei erneuten größeren Wasserschäden dürften die Hausbesitzer ohne eine solche Versicherung nicht mehr auf die Schadensregulierung hoffen.

In die gleiche Richtung gingen die Ratschläge von Architekt Heiko Folkerts an das Publikum in der Stadthalle. Er empfahl Bauwilligen, bei Neubauten grundsätzlich gefährdeten Gebieten fernzubleiben und auf Wohnraum unterhalb des Erdgeschosses zu verzichten. Bei Altbeständen sollten vorsorglich wasserabweisende Maßnahmen beziehungsweise entsprechende Dämmungen die Regel sein. 

Die Vertreter von Wasserwirtschaftsamt und Stadt zogen in der Podiumsdiskussion ein ernüchterndes Fazit: Ja, bei einem Hochwasser von HQ100 und darüber ist in Weilheim einiges gefährdet, hieß es. Dazu gehören auch das Krankenhaus und tieferliegende Wohngebiete. Vor allem am Anger- und Weidenbach müsse dringend etwas getan werden.

Von Georg Müller

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