"Freunde der Natur" organisierten Kundgebung am geplanten Standort

"Stoa169" sorgt für Protestwelle

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Klaus Seidler (mit Mikro) kritisierte das nichtöffentliche Genehmigungsverfahren und forderte Zimmer dazu auf, „das Rad zurückzudrehen“.

Polling – Die „Freunde der Natur“ machen gegen das von Bernd Zimmer geplante Kunstprojekt „Stoa 169“ mobil. Die Initiative, der mehrere Privatpersonen und Vertreter des Bauernverbands (BBV) angehören, organisierte am vergangenen Samstag eine Protestkundgebung, an der sich rund 200 Bürger beteiligten.

Laut Ideengeber soll die Säulenhalle Künstler aus der ganzen Welt vereinen und ein Zeichen für Demokratie und Völkerverständigung sein. Doch viele Pollinger sind von Zimmers ambitioniertem Großprojekt alles andere als begeistert – wobei „Stoa 169“ nicht per se verteufelt wird. Für Unmut sorgt der geplante Standort mitten in der Landschaft an einem stillgelegten Ammerarm nahe Polling. Die Bürger können nicht verstehen, warum das Landratsamt dem Projekt ohne öffentliches Verfahren eine Baugenehmigung erteilt hat.

Klaus Seidler, einer der Frontmänner der „Freunde der Natur“, kritisierte bei der Kundgebung, dass „Stoa 169“ nach der Idee des Künstlers für offenen Diskurs stehen solle. Generell würde es sich ja um ein „tolles Projekt“ handeln. Doch den „offenen Diskurs“ hätten die Entscheidungsträger im Genehmigungsverfahren „schmerzlich vermissen lassen“. Seidler betonte, dass es nicht Zimmer sei, der durch nichtöffentliche Verfahren geschützt werden müsse, sondern Schutz würden die Natur als auch die Bürger vor „willfährigen Machenschaften“ der Gemeinde benötigen. Seidlers Appell an Zimmer: „Drehen Sie das Rad zurück! Suchen Sie einen anderen, einen geeigneten Standort für das Projekt.“ Auch an die nicht anwesende Pollinger Bürgermeisterin wandte sich Seidler: „Frau Betz, wie gedenken Sie, mit ihrem Gemeinderat aus der Nummer mit Anstand wieder rauszukommen?“ Angelika Karg, die Ettinger Ortsbäuerin, legte nach: „Wir wollen hier ein stilles Fleckchen unberührter Natur haben und keinen Schauplatz für größenwahnsinnige Kunst. Die Natur steht über uns und vor der Kunst.“ Die Forderungen der „Freunde der Natur“ sind eindeutig: Die Gemeinde soll zur außerordentlichen Bürgerversammlung laden und das Planverfahren neu starten – fernab des vorgesehenen Standorts an der Ammer.

Während der Kundgebung wurde mehrfach die fehlende Transparenz rund um das Projekt bemängelt. Zimmer hatte das über drei Hektar große Grundstück, auf der die 2 500 Quadratmeter große „Stoa“ gebaut werden soll, per Tauschgeschäft mit einem Gemeinderat erworben – um, wie kolportiert wird, Vorkaufsrechte zu umgehen. Der Künstler, der sich bei der Demo der protestierenden Menge stellte, bestreitet das vehement: „Es werden viele Unwahrheiten verbreitet.“ Auch das Bauantragsverfahren sei ordnungsgemäß verlaufen: „Ich habe acht Monate auf die Genehmigung gewartet“, erklärte Zimmer, der immer wieder durch Gelächter und Unmutsbekundungen unterbrochen wurde. Die „Ordnungsmäßigkeit“ bestreiten die „Freunde der Natur“. Laut Hermann Karg, dem Ettinger Ortsobmann des BBV, sind im Verfahren verschiedene Ämter und Träger öffentlicher Belange gar nicht gefragt worden, so der Jagdverband. Zudem wird die Erschließung über die enge Zufahrt der Bahnhofstraße kritisiert und die in der internen Projektpräsentation für „Stoa 169“ beschriebenen privaten und geschäftlichen Veranstaltungen von Financiers und Gönnern. „Es wurde vom Gemeinderat nur die Säulenhalle abgesegnet – wie es im Bauantrag stand. Nicht aber, dass dort Veranstaltungen stattfinden dürfen“, erklärte Vize-Rathauschef Martin Pape, der bei der Protestveranstaltung als einziger Pollinger Gemeinderat vor Ort war. 

Von Bernhard Jepsen

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