"Sandschlauch-Verlegesystem" für Peißenberger Bauhof – THW-München-Ost als Ideengeber

Schnell, kostengünstig, effektiv

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V. li. Georg Kergl, Roman Bals, Hermann Deutschenbaur und Wolfgang Reichhart bei der Präsentation des „BDRK 2016“.

Peißenberg – Im Zuge der Starkregenfälle Mitte des Jahres war neben Polling und Hohenpeißenberg vor allem Peißenberg von extremen Hochwasserereignissen betroffen. Für die Einsatzkräfte bedeutete das einen immensen Aufwand – nicht nur bei der unmittelbaren Hochwasserbekämpfung mit provisorischen Dammverbauungen, sondern auch bei den späteren Aufräumarbeiten. Der gemeindliche Bauhof musste rund 25 000 Sandsäcke entsorgen. „Es hat bei uns keiner mehr einen Sandsack sehen können“, erinnert sich Bauhofleiter Roman Bals.

Er und seine Kollegen Hermann Deutschenbaur, Georg Kergl und Wolfgang Reichhart haben deshalb nach Alternativlösungen gesucht und nach Feierabend an verschiedenen Gerätschaften getüftelt. Den Durchbruch brachte schließlich ein Besuch beim THW München-Ost.

Dort setzt man seit ein paar Jahren im Bedarfsfall ein sogenanntes Sandschlauch-Verlegesystem ein. Das Prinzip: Von einer mit Sand beladenen Radlader- Multifunktionsschaufel wird über eine spezielle Trichtervorrichtung ein dehnbares, verbandsmaterialähnliches Netzgewebe befüllt und parallel zur Fahrtrichtung verlegt. Das Geniale an der Idee: Die Dämme können im Vergleich zu Sandsackverbauungen viel schneller und mit wesentlich weniger Personaleinsatz errichtet werden. Bals, Deutschenbaur, Reichhart und Kergl waren von der Idee überzeugt und tüftelten ihr eigenes „Sandschlauch-Befüllungs- und Verlegesystem BDRK 2016“ aus.

Bei der offiziellen Präsentation am Bauhofgelände gab es dafür jede Menge Lob: „Man bringt dadurch den Sand viel schneller an die Stellen, wo man ihn braucht“, erklärte Bürgermeisterin Manuela Vanni: „Es ist unheimlich toll, wenn Mitarbeiter solche Erfindungen machen.“

„Begeistert“ zeigte sich auch Walter Weber von der Abteilung „Katastrophenschutz“ am Landratsamt: „Die Bürgermeisterin kann froh sein, Mitarbeiter zu haben, die weit über den Tellerrand hinausschauen.“ Für Peißenberg sei das System „ideal“ – vor allem für die bei Starkregenfällen gefährdete Bachstraße: Von Seiten des Landratsamts habe man für den Ortsteil Kostenschätzungen für eine mobile Hochwasserschutzverbauung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Allein für die Bachstraße müsste man bis zu 500 000 Euro investieren. Weder für die Kommune noch für den Landkreis wäre das bezahlbar. Die Sandschlauch-Methode ist da laut Weber „wesentlich kostengünstiger“. Während ein Sandsack mit bis zu 60 Cent zu Buche schlägt, wird bei einem Meter Sandschlauch-Verbauung etwa ein Euro fällig. Eine 200 Meter lange Verlegung erfordert wiederum rund 1000 Sandsäcke oder umgerechnet drei Lkw-Ladungen Füllmaterial. „Das Sandschlauch-Verlegesystem hat da ein hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis“, betonte Weber. Und dann ist da noch der im Einsatz so wichtige Zeitfaktor: Beim Vorführtermin am Bauhof wird in weniger als vier Minuten ein über 60 Meter langer Damm errichtet – und das von gerade einmal vier Mitarbeitern: „Mit Sandsäcken wäre daran überhaupt kein Denken“, so Bals über die Vorzüge des „BDRK 2016“.

Von Bernhard Jepsen

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