Seeshaupt: Zaubergarten zum Staunen und Lernen

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Auf viele Gartenbesucher freuen sich Sepp Brüderle und Stefan Müller (v.li.).

Seeshaupt – Es wirkt ein wenig, als würde man einen Zaubergarten betreten, hinter dem sich dann Dornröschens Schloss verbirgt: Mehr als tausend verschiedene Stauden, historische Rosen, Gehölze, Kräuter und in Vergessenheit geratene Kulturpflanzen blühen und duften im Schaugarten an der Seeshaupter Bahnhofstraße.

Rund 2 500 Quadratmeter groß ist das verpachtete Grundstück des Biolandwirts Sepp Brüderle. Auf der früher wirtschaftlich genutzten Wiese hatten die gelernten Staudengärtner Barbara Kopf und Helmut Klug ihren Beruf zur Leidenschaft gemacht und vor fast 20 Jahren einen Garten angelegt. Seitdem blühen dort unter anderem das gefleckte Kaukasus-Vergißmeinnicht, Katzenminze und Kokosthymian, Zitronenmelisse und Zittergras.

Damit alle Pflanzen und die Beschilderung von den barrierefreien Pfaden aus gut zu sehen sind, entstand eine Wegeführung, die schmale Beete ermöglicht und von oben betrachtet eine stilisierte Blüte darstellt – zugleich das Signet des Gartens.

„Heute ist die öffentlich zugängliche Anlage ein echter Publikumsmagnet weit über Seeshaupt hinaus“, freut sich Stefan Müller, zweiter Vorsitzender des gemeinnützigen Trägervereins. „Vor einigen Jahren ist unser Garten mit dem Umweltpreis des Landkreises Weilheim-Schongau für besondere Verdienste um den Natur- und Umweltschutz ausgezeichnet worden.“

In den Jahren 2005 bis 2016 hatte dann der Ortsgestaltungs- und Verschönerungsverein Seeshaupt die Trägerschaft übernommen. Um den Garten weiterzuentwickeln, gründete sich im Jahr 2017 ein eigener Schaugarten-Verein. Die Mitglieder sind mindestens alle zwei Wochen im Einsatz, um alles in Schuss zu halten.

„Mit dem Betrieb wollen wir Artenvielfalt bewahren und weitergeben“, betont Müller. „Tiere und Pflanzen finden in der grünen Oase einen Rückzugsort für ihre jeweiligen Bedürfnisse und für ein verträgliches Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur.“

Im überdachten Pavillon im Zentrum der Anlage spielt Johanna Feigl mit einigen Freunden gerade Karten. „Wir kommen gern hierher, weil das ein wunderschöner ruhiger Platz zum Chillen ist“, sagt sie. Rund um den Pavillon bekommen die Besucher einen Überblick auf die erstaunliche Pflanzenvielfalt im bayerischen Voralpenland. Es gibt einen Bachlauf mit Teich, Trockenmauern und Themenbeete sowie einen kleinen Kinderspielplatz und Bänke zum Ausspannen.

Dank der Pflanzen-Namensschilder lässt sich der Garten in der Seeshaupter Bahnhofstraße gut selbstständig erkunden. „Erlaubt ist alles, was andere nicht stört“, stellt Müller fest. So kann zum Beispiel die eigene Brotzeit mitgebracht werden. Ein kostenloser Rundgang ist von April bis zum ersten Schnee täglich jederzeit möglich.

Kinder und Erwachsene, Laien wie Garten-Spezialisten erfahren an den verschiedenen Stationen dieses Gartens Details über die vielfältige Insekten- und Pflanzenwelt – und nebenbei auch noch, was der Tulpenbaum mit dem Künstler Friedensreich Hundertwasser zu tun hat und wie die Bienen für „bessere Erdbeeren“ sorgen. Spielerisch können Kinder so von der Natur lernen und ihr Verständnis für einen umsichtigen Umgang mit ihr entwickeln.

Unter dem Motto „Vielfalt erhalten und weitergeben“ liegen für die Besucher Samentütchen aus eigener Ernte zum Mitnehmen bereit. An einer Pinnwand können alle Hobbygärtner inserieren, um Pflanzen oder Gartengeräte zu suchen, tauschen oder zu verschenken.

Von Peter Stöbich

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