Weilheimer bekommt Schusswechsel in S-Bahn Unterföhring mit

"Plötzlich legten sich alle auf den Boden"

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Die Schießerei löste einen großen Polizeieinsatz aus.

Weilheim/München – Erschüttert über den Vorfall in der S-Bahn Station Unterföhring verfolgten viele die Nachrichten am Dienstag. Auch Alen Jazbec, denn sein Zug lief gerade ein, als die Schüsse fielen.

Jeden Morgen nimmt der Weilheimer um 8.20 Uhr die S8 vom Marienplatz, um in die Arbeit nach Unterföhring zu kommen. Mit seinen Kopfhörern im Ohr setzte er sich hin und fing an, sich über das Weltgeschehen zu informieren. „Ich setze mich absichtlich immer in den vordersten Wagon, damit ich dann schnell an der Treppe bin und nach oben kann“, erklärte er dem Kreisboten am Telefon.

Der Zug fuhr in Unterföhring ein. „Ich wollte eigentlich gerade aufstehen, als ich es drei bis vier Mal knallen hörte. Anfangs ahnte ich nicht, dass es Schüsse waren. Plötzlich legten sich alle im Wagon auf den Boden. In einigen Gesichtern war Panik zu beobachten und viele waren ratlos, was wir jetzt machen sollen. Mich eingeschlossen“, so der 31-Jährige. Sein erster Gedanke war, der Zug solle doch weiterfahren! Sekunden vergingen und niemand hatte wirklich etwas unternommen. „Ich sah dann vorsichtig aus dem Fenster und erkannte einen älteren Mann , der verletzt am Boden lag. Er tastete seinen Oberkörper ab. Ich sah, dass er eine Schusswunde am Bein hatte.“ Der Mitarbeiter in einer Mediengruppe hatte selbst Angst, war ratlos und wollte keine Entscheidung treffen. Plötzlich gingen die Türen auf. Niemand verließ den Zug. „Dann rannten einige los und ein Mann half dem verletzten Mann. Ich beruhigte eine Damen, die vollkommen aufgelöst mit jemandem telefoniert hatte. Ich sagte ihr, dass es vorbei sei und alles gut wird,“ so Jazbec.

Er traf eine Kollegin und ging mit ihr in die Arbeit. Natürlich haben viele mitbekommen, was passiert war. Eine Mitteilung ging in der Firma rum: Niemand solle das Gebäude verlassen. Der Täter sei vielleicht noch flüchtig. „Das klärte sich dann schnell. In der Arbeit bekamen wir krisenpsychologische Unterstützung und die Polizei nahm Aussagen auf. Mein Chef sagte, wenn ich nach Hause gehen wolle und morgen nicht zur Arbeit kommen kann, wäre das kein Thema. Allerdings muss ich sagen, ich habe diesen Vorfall gut weggesteckt“, sagte er.

Alen Jazbec hofft, dass es der schwer verletzten Polizistin bald besser geht. Fühlt es sich komisch an, in den Zug zu steigen? „Nein. Ich werde an meinem Verhalten nichts ändern. Mein Papa meinte, ich solle nicht mehr mit Kopfhörern im Zug sitzen. Mal sehen, ob ich das mache“, so der in Kroatien geborene Deutsche.

Von aja

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