Innere Medizin im Peißenberger Krankenhaus ohne Zukunft ?

Chefarzt warnt vor "chaotischen Verhältnissen"

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Monika Lory (re.) arbeitet seit zwölf Jahren in der Peißenberger Klinik, Regina Westenrieder seit 23 Jahren. Mit Protestschildern entlang der Hauptstraße machen die Krankenschwestern auf die drohende Schließung aufmerksam. Li. Betriebsratsvorsitzender Simon Mooslechner.

Peißenberg – Über die Zukunft des Peißenberger Krankenhauses wird seit vielen Jahren diskutiert und spekuliert. Die Ankündigung des Landrats, die Innere Abteilung bis spätestens 31. Mai 2014 zu schließen, schlug dennoch ein wie ein Blitz.

Wie ein Damoklesschwert hängt das hohe Gesamtdefizit der Krankenhaus GmbH über dem Peißenberger Haus. Die „betriebswirtschaftliche Schieflage“ und „strukturelle Gründe“ sind es, mit der im Vorfeld der Kreisausschusssitzung am 15. Juli die Forderung nach einer schnellen Entscheidung für eine „strategisch medizinische Neuausrichtung“ begründet wird. Die Klinik Peißenberg habe von 2006 bis 2012 insgesamt 3,9 Mio. Euro Defizit erwirtschaftet; in den Folgejahren sei bei 60-prozentiger Auslastung ein Minus von bis zu einer Mio. Euro pro Jahr zu erwarten. Ein Großteil der Peißenberger Patienten soll in das Weilheimer Krankenhaus verlegt werden. Die Psychiatrische Tagesklinik der Lech-Mangfall-Klinik mit Institutsambulanz und die Kurzzeitpflege der Caritas in der Klinik Peißenberg sind von den Veränderungen nicht betroffen.

Seit Landrat Dr. Friedrich Zeller am Freitag vergangener Woche Chefarzt Dr. Wilhelm Fischer und die Betriebsräte über die Schließungsabsichten der Inneren Abteilung informiert hat, spiegeln sich auf den Gesichtern der Belegschaft sorgenvolle Mienen wider. Mit der Auflösung der Inneren Abteilung in Peißenberg könne die Krankenhaus GmbH nur einen „unwesentlichen Teil“ ihres Defizits einsparen, kritisierte Dr. Wilhelm Fischer im Gespräch mit dem Kreisboten: „Unsere 800 000 Euro Minus im Jahr 2012 fallen da kaum ins Gewicht. Das Übel wird nicht an der Wurzel gepackt.“ Ausschlaggebend für die finanzielle Schieflage seien vielmehr die schlechten Rahmenbedingungen. Fischer: „Jedes zweite Krankenhaus in Bayern schreibt rote Zahlen.“ 

 Der Ärztliche Direktor malte ein düsteres Szenario: „Sollte die Klinik in Peißenberg 2014 geschlossen werden, drohen chaotische Verhältnisse für unser Gesundheitssystem im Landkreis.“ Die derzeitigen Kapazitäten in Weilheim und Schongau würden nicht ausreichen, die 1300 Intensivpatienten, die jährlich in Peißenberg versorgt werden, aufzunehmen. „Ein hoher Anteil der schwer erkrankten Patienten müsste dann außerhalb des Landkreises behandelt und Operationen wegen fehlender Intensivplätze abgesetzt werden“, befürchtet Fischer. 

 Da sich der Umbau im Weil­heimer Krankenhaus voraussichtlich bis 2016/17 hinziehen werde, könnte die Peißenberger Klinik für interne und eventuell chirurgische Patienten eine gute Ausweichmöglichkeit bieten. In den Umbauplänen des Weilheimer Krankenhauses werde eine Erhöhung der Intensivbettenzahl bislang noch nicht berücksichtigt, stellte Fischer fest. Gegen die Schließung der Inneren Medizin in Peißenberg spreche auch, dass die Patienten der Psychiatrischen Abteilung dann nicht mehr körperlich versorgt werden können. Die Zusammenarbeit der Psychiatrischen und Inneren Abteilung hat sich laut Fischer „hervorragend bewährt“. 

 Strukturelle Veränderungen in den Kliniken erachtet auch Fischer für notwendig, der sich Ende Mai 2014 nach 30 Dienstjahren in Peißenberg in den Ruhestand verabschieden wird. Sein Vorschlag: „Die Zusammenarbeit der Häuser Peißenberg und Weilheim intensiveren und die Innere Abteilung in Peißenberg ab Juni 2014 unter Leitung des Weil­heimer Chefarztes Dr. Andreas Knez und des Leitenden Oberarztes in Peißenberg, Dr. Claus Holm, so lange weiterführen, bis die Bauarbeiten in Weilheim abgeschlossen sind. Zwischenzeitlich muss ein neues Konzept erarbeitet werden.“ Geschockt und kämpferisch reagiert die 60-köpfige Belegschaft auf die angekündigte Schließung. Ihr Betriebsratsvorsitzender Simon Mooslechner hat in dem Gespräch mit Landrat Zeller erfahren, dass „über 70 Prozent der Mitarbeiter von der Krankenhaus GmbH nicht übernommen werden können“. Alle Kreisräte erhalten in diesen Tagen Post von Chefarzt Fischer und dem Betriebsrat. „Wir wollen den Verantwortlichen unsere Situation deutlich machen“, sagt Mooslechner, „für eine Unterschriftenaktion bleibt uns nicht mehr genügend Zeit.“ Über die Schließung berät der Kreisausschuss am Montag um 13 Uhr im Landratsamt II in Weilheim. Die Entscheidung trifft der Kreistag am Freitag, 19. Juli, in Weilheim.

Von Maria Hofstetter

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