Schmerzhafter Kompromiss: 49 Hoerbiger-Mitarbeiter müssen gehen

Unterschiedlicher könnte die Bewertung wohl nicht ausfallen. Während die Hoerbiger-Konzernspitze den Abschluss der Verhandlungen vor der Einigungsstelle als äußerst positiv bewertet und davon spricht, dass die Zukunft für das Penzberger Werk nun gesichert sei, ist der Betriebsratsvorsitzende, Max Klingseisen, auch vier Tage danach noch mehr als niedergeschlagen: „Ich habe bis zuletzt gehofft, dass Kündigungen vermieden werden könnten“, sagte er.

Genau das aber ist nicht der Fall: Denn die Belegschaft an der Seeshaupter Straße wird erheblich verkleinert - von derzeit 151 auf dann 102 Stellen. Zugleich will Hoerbiger das Penzberger Werk verkaufen. „Es gibt bereits einige Interessenten“, sagte Klingseisen. Von den 49 Mitarbeitern (ursprünglich hätten es 50 sein sollen), die an der Seeshaupter Straße ihren Arbeitsplatz verlieren, sind einige bereits über Altersteilzeitregelungen aus dem Unternehmen ausgeschieden; mit anderen will man sich über Abfindungsregelungen und Aufhebungsverträge einigen. Unterm Strich verbleiben somit 39 Mitarbeiter, denen ab September die betriebsbedingte Kündigung ins Haus flattert. Die davon betroffenen Mitarbeiter, so teilt Hoerbiger mit, „erhalten das Angebot, für zwölf Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln, um sich dort für eine alternative Tätigkeit weiter zu qualifizieren“. Unabhängig davon sollen alle von einer Kündigung Betroffenen eine Abfindung erhalten, „deren Höhe sich nach der Dauer der Betriebszugehörigkeit sowie individuellen Faktoren wie der Zahl der versorgungspflichtigen Kinder oder einer Schwerbehinderung richtet“. Doch auch, wem nun gekündigt wird, der darf noch hoffen – und zwar auf eine Anstellung bei Hoerbiger Antriebstechnik in Schongau, „sofern dort nach Abschluss der Kurzarbeit und der Umstrukturierung offene Stellen verbleiben“, wie es in der Mitteilung des Unternehmens heißt. In diesem Falle würde Hoerbiger für Beschäftigte aus Penzberg auch eine Fahrtkostenpauschale gewähren. Darüber hinaus hat sich das Unternehmen verpflichtet, in den Jahren 2010 und 2011 jeweils zwei Auszubildende am Standort Penzberg einzustellen. „Die durch die Krise zugespitzte wirtschaftliche Situation zwingt uns jetzt zum Handeln“, so Siegmar Schlagau, der Leiter des Unternehmensbereichs Antriebstechnik bei Hoerbiger. „Wir müssen die Personalanpassungen vornehmen, weil wir für eine höhere Beschäftigung dauerhaft die Kunden- und Auftragsbasis verloren haben.“ Um dem Standort Penzberg „langfristig eine neue Wachstumsperspektive“ zu geben, prüft der Konzern derzeit, das Werk zu verkaufen - und zwar an ein Unternehmen, zu dessen Strategie die Stanzbetriebe in Penzberg besser passen als zum Portfolio von Hoerbiger Antriebstechnik. „Die Einigung macht es möglich, die Kosten des Standortes Penzberg wieder an ein international wettbewerbsfähiges Niveau heranzuführen,“ so Schlagau. Für den Betriebsratsvorsitzenden Klingseisen ist dies aber nur ein schwacher Trost: „Für mich macht es keinen Sinn, in Penzberg 49 betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen, wenn bei Hoerbiger Antriebstechnik in Schongau in den Jahren 2010 uns 2011 insgesamt 40 neue Arbeitsplätze geschaffen werden sollen.“

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