Schule geschmissen – und jetzt? – Wie Jugendliche, die "durch alle Raster gefallen sind" Chancen finden, sich zu beweisen

Dass ein Ausbildungsabbruch keine Sackgasse sein muss haben (v. li.) Florian, Kevin, Benjamin, Ömer, Martin, Esra, Florian, Franz und Julian bewiesen. Zu Seite stehen ihnen auf ihrem Weg Ilona Endres (li.) Rasso Feistle (re.) und Martin Krojer (nicht auf dem Bild). Foto: Gsöll

„Kompetenzagentur“ – klingt sperrig, nicht gerade nach etwas, wo sich Jugendliche gut aufgehoben fühlen. Das EU geförderte Projekt, das sich dahinter verbirgt, ist aber eine echte Anlaufstelle für Jugendliche im Landkreis, die Ausbildung oder Schule abgebrochen haben oder die im Anschluss an die Schule keine Lehrstelle gefunden haben.

Das Angebot wendet sich an Jugendliche, die von den vorhandenen Angeboten schwer oder gar nicht erreicht werden. Es wird zwischen den Jugendlichen und weiteren Partnern, wie der Arbeitsagentur, vermittelt, und nach Lösungen gesucht, die genau zur Persön- lichkeit des Einzelnen passen. „Das sind ganz unterschiedliche Wege“, berichtet Ilona Endres die, die von der Brücke Oberland getragene „Kompetenzagentur“ betreut. „Der eine findet eine Lehrstelle, der nächste geht noch mal zur Schule und holt die Mittlere Reife nach. Und es gibt auch die, die einfach nicht ,beschulbar’ sind, weil sie schwere Verhaltensauffälligkeiten haben.“ Oft haben jedoch gerade diese „Problemkinder“ erstaunliche praktische Fähigkeiten und sind enorm kreativ. Kontakt zu den betreuungsbedürftigen jungen Menschen findet Endres über die JoA-(Jugendliche ohne Ausbildung) Klasse der Weilheimer Berufsschule, wo Jugendliche ohne Ausbildungsstelle aufgefangen werden. Darauf könne man aufbauen, wie das Beispiel von Kevin zeigt, der, obwohl er gar nicht mehr müsste, weil er inzwischen einen festen Job hat, jede Woche zu den JoA-Treffen kommt. „Zwar meist zu spät aber er kommt immer“, sagt Rasso Feistle, einer der beiden Berufsschullehrer, die die JoA-Klasse gemeinsam mit Endres betreuen. In der JoA-Klasse wird in erster Linie praktisch gearbeitet – vergangene Woche haben die Jugendlichen vier von ihnen restaurierte und umgestaltete Bänke auf dem Pausenhof der Realschule aufgestellt. Zusätzlich führt Endres Einzelgespräche, hilft bei Bewerbungen, berät bei familiären Pro- blemen – „was eben beim Einzelnen aktuell ansteht“, so die Sozialpädagogin. Das kann neben Beratungsgesprächen auch mal ganz pragmatisch Mathe lernen für die Quali-Prüfung sein. Die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen fünf und 20 Jugendlichen. Acht junge Männer haben am vergangenen Dienstag ihre Zeugnisse für ein Jahr Teilnahme an der JoA-Klasse erhalten. Esra, die einzige junge Frau im Klassenzimmer, nicht, weil sie noch kein ganzes Jahr dabei ist. Sie hat die Schule abgebrochen und mittlerweile Arbeit gefunden. Martin wird bald für mehrere Wochen im Rahmen des Ida-Projektes (Integration durch Austausch) in Griechenland arbeiten, um dort Erfahrungen für seine spätere Ausbildung zum Landwirt zu sammeln. In den letzten Jahren gab es im Landkreis Weilheim-Schongau jährlich bis zu 200 Jugendliche ohne Ausbildung (JoA). Die Kompetenzagentur Weilheim-Schongau begleitet und unterstützt unbetreute, benachteiligte Jugendliche ohne Ausbildung und deren Familien. Das Programm wird durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend koordiniert und aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert. Die Kompetenzagentur wendet sich in erster Linie an unbetreute Jugendliche ohne Ausbildung oder Arbeit im Alter von 15 bis 25 Jahren im Landkreis Weilheim-Schongau, an Jugendliche ohne Arbeitsstelle nach dem Regelschulende oder im letzten Schuljahr ohne Aussicht auf einen Ausbildungsplatz oder einen Platz in einer beruflichen Fördermaßnahme, an junge Menschen, die noch berufsschulpflichtig sind aber keinen Ausbildungsplatz haben, Berufsschulschwänzer und -verweigerer und an gekündigte Auszubildende oder Abbrecher von beruflichen Fördermaßnahmen. Die Kontaktaufnahme ist jederzeit formlos möglich, zum Beispiel über die Berufsschule Weilheim oder die Brücke Oberland. Man kann sich auch direkt an Ilona Endres wenden, Tel. 01522/1967715 oder kompetenzagentur@bruecke-oberland.de.

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