20 Jahre Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos e. V. – Festveranstaltung am Mittwoch, 3. Mai

Viel erreicht und noch mehr vor

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Bei einer Exkursion: Dr. Reinhold Schumacher (li.) erläuterte Fakten an der Infotafel des Vereins am Birkenweiher.

Weilheim – 20 Jahre sind eine lange Zeit für einen Verein. Auf dieses Jubiläum darf die Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos in diesem Jahr zurückblicken. Welche Ziele in dieser Zeit erreicht werden konnten, was sich der Verein für die nächsten Jahre vorgenommen hat und wie der Festakt begangen werden soll, hat der erste Vorsitzende, Professor Dr. Reinhold Schumacher, Kreisbotenvolontärin Sofia Wiethaler berichtet.

Wie lange sind Sie schon erster Vorsitzender des Vereins?

Schumacher: „Seit 2013. Damals bin ich in Ruhestand gegangen und wurde gleich danach als Nachfolger von Heinz Botsch, der den Verein 16 Jahre lang mit großem Engagement geleitet hat, zum Vorsitzenden gewählt. “

Und wie lange sind Sie im Verein aktiv?

Schumacher: „Ich bin Gründungsmitglied des Vereins. Er wurde am 23. April 1997 ins Leben gerufen. Damals waren wir circa 15 Personen. Zu dieser Zeit war der Torfabbau im ehemaligen Abbaugebiet B, dem sogenannten Schwattachfilz, bereits beendet (seit 1990) und aus den abgetorften Flächen konnten im Rahmen der Renaturierungsarbeiten Stillwasserbiotope entwickelt werden. Zum Ziel hatte das unter anderem, wichtige ‚Lebensräume aus zweiter Hand‘ zu schaffen, die insbesondere für die Vogelwelt von Bedeutung sind. Darüber hinaus wurden damals der Stadt Weilheim sowie unserem Verein, vor allem von der Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung, Flächen zum Kauf angeboten, mit der Auflage, diese nach Erwerb im Sinne des Naturschutzes zu bewirtschaften und zu pflegen – was dann auch Schritt für Schritt erfolgt ist. In den Anfangsjahren des Vereins ging es aber auch schon um den bis heute anhaltenden Torfabbau im südlichen Teil des Weilheimer Mooses dem sogenannten Abbaugebiet A.“

Was sind die Schwerpunkte des Vereins?

Schumacher: „Neben der Flächensicherung im Rahmen von Grundstückskäufen ist unsere Hauptaufgabe die Biotoppflege, die wir auf der Basis des seit 1999 existierenden ‚Pflege- und Entwicklungsplanes‘ durchführen. Neben unseren eigenen Flächen – wir haben zwischenzeitlich 5,5 Hektar in Eigenbesitz – pflegen wir die meisten Moos-Grundstücke der Stadt Weilheim und einige gepachtete Flächen von Privatpersonen. Für die geleisteten Pflegearbeiten bekommen wir sowohl von der Stadt und von den Verpächtern finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, als auch Fördergelder von staatlicher Seite aus dem Vertragsnaturschutzprogramm. Des Weiteren sind wir mit der Bekämpfung von nichtheimischen Pflanzen (Neophyten) beschäftigt. Vor allem das Indische Springkraut und die kanadische Goldrute werden alljährlich mit tatkräftiger Unterstützung von Schülern der Weilheimer Mittelschule im Gelände ausgerupft und entfernt. Durch Wasserstandsregulierungen und Aufstauarbeiten versuchen wir, den Grundwasserspiegel im Weilheimer Moos auf einem für unsere Streuwiesen notwendigen Level zu halten. Manchmal sind wir auch mit der Aufarbeitung von Sturmholz beschäftigt und kümmern uns – wenn der Biber mal wieder einen Birkenstamm auf eine unserer Streuwiesen wirft – um das Entfernen und Kleinschneiden des gefällten Holzes. Dann gibt es noch die Öffentlichkeitsarbeit. Mit unserem Flyer, den wir an verschiedene Vereine und Bürger verteilen, weisen wir auf unseren Verein und unsere Arbeiten hin. Zusätzlich haben wir im Weilheimer Moos eine Infotafel, auf der wir unter anderem unsere Aktionen vorstellen. Darüber hinaus machen wir naturkundliche Exkursionen, ornithologische Wanderungen, Radtouren im Rahmen von „Bayern Tour Natur“ und verschiedene Infoveranstaltungen. “

Was ist im Weilheimer Moos besonders schützenswert?

Schumacher: „Von den gesetzlich geschützten Pflanzenarten gibt es auf einigen wenigen Flächen im Moos zum Beispiel das Helm-Knabenkraut, die Sumpfstendelwurz, die Mückenhändelwurz, die sibirische Schwertlilie, den rundblättrigen Sonnentau oder die Europäische Trollblume. Durch die Entstehung der Weiher nach dem Torfabbau haben wir seit etwa 1990 eine Zunahme der Vogelarten von circa 60 auf heute ungefähr 180 zu verzeichnen. Darunter vertreten sind zum Beispiel die Goldammer, der Rot- und Schwarzmilan, die Wasser-

amsel, der Haubentaucher, der Eisvogel und natürlich auch der Weißstorch. In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist das Vorkommen seltener Libellen- und Schmetterlingsarten, zum Beispiel der Wiesenknopf-

ameisenbläuling, und das Auftreten des Bibers. Nach wie vor ein Problem stellt für uns das Abbaugebiet A dar, weil dort immer noch Torf gewerblich gewonnen wird. Es wurde im Bebauungsplan von 1982 leider kein Termin für das Abbauende festgelegt. Zwei Torfabbaubetriebe haben hier deshalb noch ein unbeschränktes Abbaurecht. Wie denken, dass in zehn bis 15 Jahren damit Schluss sein wird. Dann werden diese Flächen ähnlich wie die bereits in den 1990er Jahren renaturierten Flächen im ehemaligen Abbaugebiet B aussehen.“

Wie steht der Verein zur geplanten Entlastungsstraße?

Schumacher: „Das ist natürlich ein sehr heikles Thema. Dadurch, dass wir mit unseren eigenen Grundstücken nicht direkt, wohl aber das Weilheimer Moos in seiner Gesamtheit, von einer möglichen Westvariante betroffen wären, wollen wir uns dazu momentan nicht weiter äußern. Wir würden es aber begrüßen, wenn sich die Stadt letztendlich für die naturschonenste Lösung mit dem geringsten Flächenverbrauch entscheiden würde. Unseren Mitgliedern steht es offen, ob sie sich in den bestehenden Bürgerinitiativen engagieren wollen oder nicht.“

Was konnte der Verein in den letzten 20 Jahren verändern?

Schumacher: „Das ehemalige Abbaugebiet B konnte, wie schon gesagt, renaturiert werden. Dort sind neue Lebensräume entstanden. Es wurden unter anderem offene Wasserflächen, Gehölzstrukturen und Streuwiesen geschaffen. Außerdem wurde hier ein Kernareal als Geschützter Landschaftsbestandteil von der unteren Naturschutzbehörde ausgewiesen. Das ist im Prinzip ein kleines Naturschutzgebiet. Im Umfeld dieses Kernbereiches versuchen wir weitere Flächen zu erwerben. Das ist aber leider nicht ganz einfach, da das Weilheimer Moos aus einem Mosaik vieler Privatgrundstücke besteht. Auf den von uns bereits erworbenen und gepachteten Flächen, die früher landwirtschaftlich genutzt wurden, konnten wir durch unsere alljährlich regelmäßig stattfindenden Pflegemaßnahmen eine positive Extensivierung im Sinne des Naturschutzes erreichen.“

Was sind die Zukunftspläne des Vereins?

Schumacher: „Weiterhin natürlich die Biotoppflege auf unseren, den gepachteten und auf den Grundstücken der Stadt. Wenn wir an Grundstücke herankommen, heißt es ‚kaufen, kaufen, kaufen‘. Dort, wo es notwendig ist, werden wir den Wasserhaushalt wieder herstellen. Ein weiteres Ziel ist die Einstellung des Torfabbaus im Abbaugebiet A in den nächsten zehn bis 15 Jahren. Mit einem Torfabbauunternehmer haben wir schon gesprochen, er wird diese Arbeit nur noch bis zu seiner Pensionierung machen. In diesem Zusammenhang plädieren wir für die Erstellung eines ‚Pflege- und Entwicklungskonzeptes‘ für dieses Moorareal.“

Wie sieht es in Ihrem Verein mit dem Nachwuchs aus?

Schumacher: „Genauso wie andere Vereine haben wir große Probleme mit dem Nachwuchs. Allerdings haben wir die Mitgliederzahl von anfangs 15 Personen auf 70 Mitglieder gesteigert. Im Vorstand haben wir viele ältere Herrschaften, wie Pensionäre und Rentner. Jüngere Leute sind meist ganztägig beschäftigt und können sich nicht spontan morgens um neun treffen, um zu mähen oder Streu zu rechen. Wir versuchen, junges Potenzial zu generieren und hoffen, dass uns das in den nächsten Jahren gelingen wird. Viele junge Leute interessieren sich nämlich auch für die aktive Landschaftspflege und für weitere praktische Arbeiten im Gelände. Vielleicht müssen wir unsere Aktivitäten auch mehr aufs Wochenende ausweiten. Unsere Arbeit hängt allerdings sehr stark vom Wetter ab.“

Was ist für die Jubiläumsfeier geplant?

Schumacher: „Die Festveranstaltung findet am Mittwoch, 3. Mai, um 19 Uhr im Gasthaus Oberbräu statt. Dort werde ich einen Rückblick geben und anschließend wird eine Gastreferentin sprechen. Cornelia Siuda, Diplom-Ingenieurin für Landschaftsökologie, beschäftigt sich seit über 30 Jahren mit dem Thema Moorrenaturierung in Oberbayern und wird, auch im Hinblick auf die Renaturierung von Teilen des Abbaugebietes A, wichtige Hinweise dazu geben können. Diese Veranstaltung ist öffentlich. Für unsere Vereinsmitglieder werden wir Mitte September eine Busfahrt in ein Moorgebiet in Oberbayern organisieren. Für diejenigen, die bei der Biotoppflege aktiv dabei sind, machen wir je eine Exkursion im Winter und im Sommer.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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