Mitarbeiter der Schwangerschaftsberatung im Gesundheitsamt präsentieren Ergebnisse und Zahlen des letzten Jahres

"Es braucht mehr Unterstützung"

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Sie stellten den Jahresbericht 2018 vor: Das Team der Schwangerenberatung (v. li.) Susanne Nab- holz, Ronald Weber, Dr. Stefan Günther, Petra Böck und Petra Regauer.

Weilheim – Frauen, die ungewollt schwanger werden, empfinden meist Hilflosigkeit, Überforderung und Angst. Sie fühlen sich mit ihren Problemen alleingelassen. Für Betroffene ist die staatlich anerkannte Schwangerenberatungsstelle im Gesundheitsamt eine gute Adresse.

Diese stellte nun bei einem Pressegespräch ihren Tätigkeitsbericht 2018 vor. Susanne Nabholz, die von Petra Regauer die Leitung der Schwangerschaftsberatungsstelle übernommen hat, äußerte sich zu den Neuerungen. Personelle Engpässe im ersten Halbjahr konnten in Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen überwunden werden. Zudem hat die Schließung der Weilheimer Geburtsstation Ende 2017 die Situation für die Schwangeren erschwert. Laut Dr. Günther gibt es jährlich 1 200 bis 1 300 Geburten im Landkreis, Tendenz steigend.

Beratungstätigkeit

Letztes Jahr gab es 449 Beratungen. Anfragen zur Pränataldiagnostik und zur Vertraulichen Geburt blieben aus. Obwohl Frauen ihre Partner oder einen engen Vertrauten mitnehmen können, kommen sie meist alleine zum Beratungsgespräch. Auch 18 Männer suchten die Beratungsstelle auf. Insgesamt erfolgen 213 Erstberatungen, 73 Folgeberatungen und 15 Beratungen wurden aus dem Vorjahr weitergeführt. Die Beratungsstelle bietet auch telefonisch oder per E-Mail Unterstützung an, welche 148 Frauen in Anspruch genommen haben.

Alter und Herkunft

Die meisten Frauen (166) waren bei der Erstberatung zwischen 18 und 35 Jahren. Auch 63 Frauen mit Migrationshintergrund haben Hilfe gesucht. Die Zahl der Asylbewerberinnen in der Konfliktberatung ging zurück, während sich die Zahl der ratsuchenden Frauen mit Migrationshintergrund erhöhte. Für Frauen ohne Deutschkenntnisse ist die Sprachbarriere oft ein Hindernis. Um Dolmetscher zu vermeiden und gezielter helfen zu können, werden die MitarbeiterInnen zur Beratung in anderen Sprachen fortgebildet. Mittlerweile werden Beratungen auf Englisch, Französisch und Italienisch angeboten.

Konfliktberatung

Frauen in Konfliktsituationen, die einen Schwangerschaftsabbruch in Erwägung ziehen, erhalten laut Diplom Sozialpädagogin Petra Regauer unverzüglich einen Beratungstermin. Bei allgemeinen Beratungen ist deshalb mit Wartezeiten zu rechnen. Der Schutz des ungeborenen Lebens steht in der Beratung an oberster Stelle. Dies in den Gesprächen zu vermitteln wird zunehmend schwieriger. Das Ergebnis der vertraulich geführten Beratung bleibt offen. Im Landkreis Weilheim-Schongau, so Regauer, nimmt kein Arzt einen Schwangerschaftsabbruch vor. Da die Beratungsstelle keine Auskunft geben darf, sind die Frauen bei der Arztsuche auf sich alleine gestellt.

Gründe

Die Gründe, warum Frauen an einen Schwangerschaftsabbruch denken, sind vielfältig und oft eine Kombination aus mehreren Problemen. „Die Frauen sehen oft keinen Ausweg mehr“, so Regauer. Psychische Überforderung war der am häufigsten genannte Grund für die Betroffenen, gefolgt von beruflichen Problemen und Angst vor mehr Verantwortung und der Zukunft. In der allgemeinen Schwangerschaftsberatung wurde vor allem die schwierige soziale und finanzielle Situation genannt.

Vertrauliche Geburt

In Ausnahmefällen entscheiden sich Frauen für eine anonyme Geburt. Seit der gesetzlichen Verankerung der Vertraulichen Geburt 2014 gab es beim Gesundheitsamt nur einen Fall. Zudem erfordert eine Beratung zur Vertraulichen Geburt speziell ausgebildete Fachkräfte. In Weilheim ist Petra Regauer Ansprechpartnerin.

HIV-Prävention

Die Beratungsstelle hilft nicht nur bei Schwangerschaftsfragen, sondern ist auch im Bereich Sexualpädagogik und HIV-Prävention aktiv. Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes, stellt mit Sorge das Wiederkommen der „alten Geschlechtskrankheiten“ fest. Um Jugendliche zu informieren kooperiert das Amt mit Schulen im Landkreis und führt dort Sexualpädagogische Einheiten durch. Dieses Konzept können LehrerInnen, SozialpädagogInnen und ErzieherInnen auch in Workshops erlernen.

Trotz der Hilfe, die bereits geleistet wird, gibt es immer noch Probleme, wie Sprachbarrieren und beim Transport der Hilfesuchenden zur Beratungsstelle. „Es braucht noch mehr Unterstützung“, betonte Regauer. 

Von Laura Balser

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