"Theater im Off" zeigt heitere Boulevardkomödie mit Tiefgang

Tanzen als Überlebenstraining

+
Boogie, Tango, Wiener Walzer, Foxtrott und Cha-Cha-Cha: Ihre Ehe, lässt Lily ihren Tanzpartner Michael wissen, habe sich erst gebessert, nachdem ihr Mann gestorben war.

Weilheim – Eine Wohnung mit Meerblick im Rentnerparadies Florida. Zur beschwingten Musik aus dem Lautsprecher zieht ein Paar tanzend seine Kreise über das Parkett. Ihre harmonisch aufeinander abgestimmten Bewegungen lassen nicht erahnen, dass sie sich wenige Augenblicke zuvor noch einen heftigen verbalen Schlagabtausch geliefert haben.

Die vereinsamte Lily (Yvonne Brosch) und der von ihr für private Tanzstunden engagierte Tanzlehrer Michael (Ansgar Wilk) könnten unterschiedlicher nicht sein. Während für sie die Tanzlektionen vor allem Abwechslung in den tristen Alltag bringen sollen, ist es die blanke finanzielle Not, die Michael diesen Job machen lässt. Beide Motivationen sind alles andere als sexy, und so ist es naheliegend, sich mit Schwindeleien dem jeweils anderen gegenüber attraktiver zu präsentieren. Dem Publikum wird schnell klar, dass ihre mühsam aufgebauten Fassaden nicht lange haltbar sind: Lilys Mann ist längst verstorben und Michaels Tierärztin als Ehefrau existiert auch nicht, da er schwul ist.

Sie durchschauen einander immer mehr. Statt sich jedoch wechselseitig der Lächerlichkeit preiszugeben, verfliegt die Verärgerung nach Enttarnung ihrer Lügen rasch. Lily und Michael machen sich gegenseitig Mut, die Mühen des Alltags, des Älterwerdens und der Einsamkeit zu überwinden. Während zunächst der Tanz die einzige Ebene ist, auf der Lily und Michael miteinander kommunizieren können – „beim Tanz findet man den ersten Draht zueinander“ (Michael) –, gewinnen gegenseitiges Verstehen und Mitfühlen immer mehr Raum. Das unvermeidliche Älterwerden und damit verbundene Mühsale und Einschränkungen versuchen sie nicht zu leugnen, sondern ihnen mit Gelassenheit zu begegnen: „Das Ende vom Sonnenuntergang ist das Schönste“, schließt Michael seinen Frieden mit der eigenen Vergänglichkeit.

Mit der Boulevardkomödie „Sechs Tanzstunden in sechs Wochen“, einer Produktion des Hoftheaters Bergkirchen, hat es die Reihe „Stadttheater im Off“ verstanden, den Charme und die Vorzüge dieser intimen Veranstaltungsform aufs Beste zu nutzen. Die unmittelbare Nähe zur Bühne machte es den Zuschauern leicht, sich in die Gefühlswelt der beiden Protagonisten hinein zu versetzen.

Wie Brosch dem Kreisboten versicherte, zählt das Stück von Richard Alfieri zu ihren beliebtesten, das sie immer wieder gern mit ihrem Bühnenpartner Ansgar Wilk zur Aufführung bringt. In einem so überschaubaren Rahmen wie dem „Stadttheater im Off“ lasse sich schnell eine Verbindung zwischen Schauspieler und Publikum aufbauen. Ein langer Applaus war ihr und ihrem Kollegen Wilk gewiss.

Von Maria Hofstetter

Auch interessant

Meistgelesen

Entdecke den Pfaffenwinkler Milchweg
Entdecke den Pfaffenwinkler Milchweg
"Ein wunderbares Gute-Laune-Fest"
"Ein wunderbares Gute-Laune-Fest"
Gasoline-Oldtimertreffen 2017
Gasoline-Oldtimertreffen 2017
Für den Ernstfall gewappnet
Für den Ernstfall gewappnet

Kommentare