Marktgemeinde Murnau proklamiert das "Seidljahr 2019"

Kunstprojekt: Architekt im Netz

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Eröffneten das „Seidljahr 2019“. V.li.: Wolfgang Kastl, Antonie-Zauner-Stiftung; Dr. Julia Stewens, zweite Bürgermeisterin Murnau; Dieter Wieland, Förderkreis „Murnauer Parklandschaften e.V.“; Künstlerin Franziska Wolff, Bürgermeister Rolf Beuting und Künstler Ugo Dossi.

Murnau – Emanuel von Seidl prägte zur vorvergangenen Jahrhundertwende die Murnauer Marktstraßen mit bunten Fassaden-Malereien und Alleebäumen, außerdem plazierte er den nach ihm benannten Park in den Süden des Ortes. Trotzdem schafft es der Architekt erst jetzt, zu seinem 100. Todesjahr, ins tiefere Bewusstsein der Murnauer Bürger.

Ziel ist es, mit dem „SeidlJahr 2019“ Emanuel von Seidl aus einer Art „Dornröschenschlaf“ zu wecken, wie es Bürgermeister Rolf Beuting anlässlich eines Festaktes zum Start des Veranstaltungsreigens sagte. „Wir Murnauer sind stolz, architektonische Schätze Emanuel von Seidls vorweisen zu können.“

Dieser Aussage widersprach Dieter Wieland in seinem Grußwort deutlich: „Gedanklich hat es Emanuel von Seidl über Jahrzehnte in Murnau gar nicht gegeben. Höchstens wenn es darum ging, sein Erbe mit der Abrissbirne platt zu machen.“ Als Ehrenvorsitzender des Förderkreises „Murnauer Parklandschaften e.V.“ weiß der preisgekrönte Journalist, wovon er spricht. „Vom ehemals riesigen Seidlpark ist nicht mehr viel da!“ Auch in der Fußgängerzone sind es vielleicht noch ein Dutzend Fassaden, die an die gestalterische Idee Seidls erinnern. Der Erhalt des Seidlschen Erbes geht von Leuten aus, die in die Marktgemeinde zugezogen sind.

Auch jetzt stehen hinter der Initiative zum „Seidljahr 2019“ nicht gebürtige Murnauer, sondern die Münchener Antonie-Zauner-Striftung, die ein Gästehaus in der Nähe des Seidlparkes unterhält. Stiftungsvorsitzender Wolfgang Kastl regte die Künstler Ugo Dossi (Egling am Riegsee) und Franziska Wolff (München) an, zeitgenössische Kunst mit dem Schaffen von Seidls zusammenzubringen. Ugo Dossi schuf einen Kelch mit dem Profil Emanuel von Seidls aus weißem Carrara-Marmor. Er steht im Foyer des Rathauses und wird ab Oktober an die Westfassade des Schlossmuseum projiziert. Ebenfalls im Foyer des Rathauses sind die Installationen von Wolff zu finden. Bunte Kunststoff- und Textilstreifen verwob sie in einem großformatigen Netz. Aus der Nähe betrachtet erkennt der Betrachter nur farbige Flecken. Aus der Distanz entwickelt sich ein Portrait Emanuel von Seidls. Als Großfotografie ist dieses Bild auch im Hof des Schloßmuseums zu sehen. Im Verlauf der kommenden Monate wird Wolff mit den Kindern der Emanuel von Seidl-Grundschule ein weiteres Netzgeflecht erstellen.

Zum Programm des „Seidljahres“ gehören ebenso Rundgänge auf den Spuren Emanuel von Seidls – mit Besichtigungen der Villen „Reinherz“ und „Brey“. Die Familie Speermann lädt außerdem zu einem klassischen Konzert in ihre Seidlvilla ein. Des Weiteren geben Hans Well und die Wellpappen ein Benefizkonzert zu Gunsten des Seidlparkes. Für Menschen, die ihr Wissen über den Architekten vertiefen wollen, sind außerdem noch Vorträge und Gesprächsrunden geplant.

Das Festival „Kulturknall“ und der „Tag des offenen Denkmals“ widmen sich ebenfalls Emanuel von Seidl. Den Abschluss des Gedenkjahres setzt eine Ausstellung im Schloßmuseum unter dem Titel „Verloren, doch nicht vergessen!“

Zum „Seidljahr 2019“ ist ein Faltblatt erschienen. Der Flyer liegt in der Touristinfo im Rathaus, Untermarkt, aus.

Von Günter Bitala

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