In 90 Sekunden zum Rekord

Viel Zeit bleibt ihm nicht. Gerade mal 90 Sekunden sind es. Wenn es dann nicht geklappt hat, ist es vorbei. Die 200 Mann müssten von Neuem rein in das Flugzeug, rauf in die Luft und wieder runter im freien Fall. Doch Stefan Hört ist zuversichtlich, dass alles glatt geht. Schließlich haben er und seine 199 Kumpels etwa eine Woche Zeit. Von 6. bis 14. November ist der Penzberger in den USA, um einen neuen deutschen Rekord im Fallschirmformationsspringen aufzustellen.

„Damit geht einer meiner größten Träume in Erfüllung“, sagt der 39-jährige, der in Penzberg bei Roche arbeitet. Am Samstag, 1. November, fliegt er los nach Eloy im US-Bundesstaat Arizona. Dort ist erstens die Wüste so weit, dass man in der Luft keinen Jumbo stören kann, zweitens dort an 340 Tagen im Jahr die Sonne scheint und drittens es in Deutschland sowieso verboten ist, in solcher Kompaniestärke aus der Luke eines Flugzeugs zu stürzen. „Ein Flugzeug reicht bei uns aber nicht aus“, sagt Hört. „Wir starten aus neun Maschinen.“ Und die bringen die Fallschirmspringer auf die beachtliche Höhe von 6300 Metern, wo es schon empfindlich kalt ist. Deshalb packt Hört vorsichtshalber auch eine lange Unterhose ein. Dass es ihn dort oben friert, bezweifelt er aber. „Das Adrenalin“, sagt er und meint: Vor lauter Aufregung wird die Temperatur das kleinste Problem sein. Mit 200 Km/h im Freien Fall zum deutschen Rekord Auf die Idee mit dem Rekordversuch kam übrigens die Fallschirmschule Daedalus in Eisenach, bei der sich Hört, der es mittlerweile auf fast 1600 Sprünge bringt, ganz einfach beworben hat - und prompt genommen wurde. Zweimal war er heuer schon in Eisenach, um Sprünge in Großformation zu trainieren. Mehr als 40 Mann waren da auf einmal aber nicht in der Luft. In Eloy werden es fünf Mal so viele sein, die versuchen, bei einer Fallgeschwindigkeit von knapp 200 Stundenkilometern einen Stern zu bilden. Die Vorbereitung in Arizona startet dann am 6. November. Die ersten Tage wird dann zunächst in kleinen Gruppen geübt, die Besatzung eines jeden der neun Flugzeuge übt für sich. „Wir beginnen mit kleinen Formationen, die dann von Tag zu Tag größer werden“, konstatiert Hört. Damit solle sich jeder in dem ihm zugewiesenen Sektor zurechtfinden. Der Penzberger wird dabei einer der letzten sein, die sich dem Stern anschließen. Leichter wird er es dadurch auch nicht haben, „weil die anderen Springer von hinten alle gleich aussehen und man sich nur anhand ein paar Details, wie etwa der Farbe des Helmes, orientieren kann“. Die große Kunst bei einer solchen Formation besteht im perfekten Timing. Denn hat sich der erste Sektor des Sterns gebildet, vergrößert die Masse der dicht beieinander liegenden Körper den Luftwiderstand, was sie langsamer fallen lässt. „Wir müssen uns diesen Gruppen also sehr vorsichtig annähern“, betont Hört. Deshalb rechnet er auch nicht damit, dass die eigentlichen Rekordversuche mit der kompletten Mannschaft vor dem 10. November beginnen werden. Und wenn es so weit ist, dann stehen eben genau 90 Sekunden zur Verfügung, bis sich alle an den Händen gefasst haben. Mehr ist nicht drin, damit alle 200 Springer wohlbehalten zur Erde zurückkehren. In 1900 Höhenmetern den Stern auflösen Die schwierigste Phase ist für Hört jene, wenn sich der Stern wieder auflöst. Auch hierfür gibt es einen exakten Zeitplan. Bei 1900 Höhenmetern wird in der Mitte der Formation ein Fallschirm geöffnet. Das ist gewissermaßen das für jedermann sichtbare Zeichen zum Aufbruch. Dann löst sich der Stern vom Zentrum her langsam auf. Bei 1700 Metern folgt die zweite Fallschirmöffnung, bis alle 200 Springer letztlich so viel Platz haben, dass sie landen können, ohne dass sich ihr Schirm mit dem eines Nebenmannes verhakt. „Das ist alles bis ins letzte kleine Detail ausgetüftelt, so dass eigentlich nichts schief gehen kann“, sagt Hört. Sollte es ihnen gelingen, bis zum 14. November in Eloy ihren Stern in die Luft zu setzen, werden Stefan Hört und seine 199 Kollegen einen neuen deutschen Rekord aufgestellt und die Bestmarke aus dem Jahr 2006 übertroffen haben. Damals waren auch in Arizona 156 Springer beteiligt. Bis zum Weltrekord ist es aber nach wie vor ein weiter Weg, denn der liegt bei einer Formation aus 400 Springern.

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
Oberstadtlerfest in Bildern
Oberstadtlerfest in Bildern
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Fast schon ein "Pflichttermin"
Fast schon ein "Pflichttermin"

Kommentare