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Selbsthilfegruppe Sonnenspur stellt sich vor

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Von: Mihriban Dincel

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Selbsthilfegruppe Sonnenspur Murnau
Barbara Daniel-Leppich (links) und Katharina ermöglichen Müttern durch ihre Gruppe einen offenen Austausch. © Dincel

Landkreis/Murnau – Einige Frauen haben nach der Geburt mit schwerwiegenden psychischen Folgen zu kämpfen. Das Krankheitsbild nennt sich Postpartale Depression und geht häufig einher mit Angst- oder auch Zwangsstörungen. Es tritt bei zehn bis 20 Prozent aller Mütter auf.

Die Dunkelziffer sei aber vermutlich höher, denn die Krankheit sei immer noch ein Tabuthema, erklärt Barbara Daniel-Leppich, Heilpraktikerin Psychotherapie. Sie macht sich häufig in den ersten Wochen nach der Entbindung bemerkbar. „Kennzeichen sind Erschöpfung, Versagensgefühle, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, Ängste und Zwangsgedanken“, klärt Daniel-Leppich auf. Unter anderem können eine traumatische Geburt, familiäre Veranlagung, Drucksituationen oder auch faktische Gründe ein Auslöser sein. Unter der Krankheit leide besonders die Mutter-Kind-Bindung, fügt die Heilpraktikerin hinzu.

Katharina ist selbst eine betroffene Mutter. Sie hat eine traumatische Geburt erlebt, die bei ihr zu einer postpartalen Depression geführt hat. „Das Glücksgefühl hat sich nicht eingestellt“, beschreibt sie die Situation. Es herrsche ein hoher Anspruch, wenn das Baby erst einmal da ist. Daher habe sie ihre Lage zuerst verheimlicht. Sie habe sich geschämt, denn der Gedanke, keine gute Mutter zu sein, sei ständig präsent gewesen. „Doch das war nicht ich, sondern die Depression“, hat Katharina erkannt. Diese Gefühle ließen sich auch nicht einfach einordnen, zumal Ärzte das Problem häufig nicht erkennen. „Sie begründen diese Zustände dann mit den Hormonen, dem Baby Blues oder der Schlaflosigkeit durch das Kind. Doch mein Kind hat gut geschlafen und ich lag nachts dennoch wach“, sagt sie. Man fühle sich einsam und fremdbestimmt. Das Selbstbewusstsein ginge verloren und es breite sich ein Versagensgefühl aus. Erst als sie sich öffnen konnte, merkte Katharina, dass sie damit nicht allein ist.

Um Frauen, die sich ebenfalls in solch einer Lage befinden, zu unterstützen, haben Daniel-Leppich und Katharina in 2019 eine Selbsthilfegruppe für Mütter in psychischen Krisen im Zusammenhang mit Schwangerschaft und/oder Geburtserfahrungen in Murnau gegründet. Die beiden Frauen fanden sich über die Website des Vereins Schatten und Licht e.V., bei dem sie sich beide ehrenamtlich engagieren.

So wurde die Selbsthilfegruppe Sonnenspur gegründet. Sonnenspur soll Frauen dabei helfen, Hürden zu überwinden. „In der Gruppe ist Raum um unzensiert und ohne Scham über Gedanken und Gefühle zu sprechen“, so Daniel-Leppich. Dabei werden Erfahrungen ausgetauscht und über die persönlichen Geschichten gesprochen. Die Gruppe will Mütter vernetzen. „Sie sollen erkennen, dass sie nicht allein sind und das überwinden können“, fügt Katharina hinzu. Außerdem soll ihr Selbstbewusstsein wieder gestärkt werden. Daneben werden Hilfsansätze, Anlaufstellen und Informationen geboten. Es wird beispielsweise über Therapiemöglichkeiten oder über mögliche Medikationen aufgeklärt. Auch Entspannungsübungen sind Teil der Treffen

Seit Corona sei das Thema Postpartale Depressionen vermutlich noch intensiver geworden, nimmt Katharina an. Denn durch die strikten Regeln kann der Partner nun meistens nicht mehr bei der Geburt dabei sein – und die Frauen müssen dieses Ereignis ohne Begleitung meistern. Auch das ständige Testen vor einem Arzt- oder Krankenhausbesuch oder Schwangerschaftsvorbereitung im online Format ohne persönlichen Austausch würden Mütter und werdende Mütter zunehmend belasten.

Ebenso ginge die persönliche Betreuung nach einer Entbindung verloren. Und daher ist die Gruppe wichtiger denn je. Die beiden Frauen wünschen sich, dass mehr Frauen sich öffnen und an den Treffen teilnehmen. „Traut euch – ihr seid nicht allein!“ ist ihr Appell an alle Betroffenen.

Die Treffen werden zurzeit online abgehalten. Die Gruppe trifft sich jeden zweiten Donnerstag im Monat um 19.30 Uhr in Murnau. Auch Frauen aus angrenzenden Landkreisen sind willkommen, denn kostenlose Angebote in dieser Richtung sind rar.

Hilfe und Beratung

Wer Hilfe, Beratung oder Unterstützung außerhalb dieser Treffen benötigt, kann sich auch unter Tel. 08846/9217720 oder per Mail an kontakt@sonnenspur.de an die beiden Initiatorinnen von Sonnenspur wenden. Weitere Infos zur Gruppe unter www.sonnenspur.de.

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