Scharfe Kritik an Ministerin

Sexuelle Gewalt und ihre Folgen: Fachtag in Weilheim

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Der Fachtag und einige seiner Gesichter (v.li.): Dr. Rautgunde Lammerer, Lui Knoll, Claudia Fischer, Anneke Marie Mahler und Sabine Weber.

Weilheim – Schwere Kost gab es kürzlich im Pfarrheim Miteinander: Im Rahmen eines Fachtages informierte das Netz gegen sexuelle Gewalt über Traumafolgen und -kosten. Dazu hatte das Vorstandsteam Dr. Rautgunde Lammerer, Ulrike Leimig und Angelika Flock Referentinnen eingeladen.

Nach der Begrüßung durch Leimig und Grußworten von Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Weilheims dritter Bürgermeisterin Angelika Flock übernahm Lui Knoll die Moderation des Fachtages. Als erste Referentin begrüßte er Anneke Marie Mahler, Diplom-Psychologin, die über die Folgen traumatischer Erlebnisse berichtete. Sehr anschaulich machte sie die hochkomplexe physiologische Reaktion in Kopf und Körper, die als Überlebensstrategie wichtig ist, sich aber in Folge eines Traumas verselbstständigt, auch wenn die Gefahr längst vorüber ist. Dies führe auf lange Sicht zu Problemen mit dem Selbstbild und -wert, Bindungsstörungen, vielfältigen körperlichen Beschwerden und einer veränderten Lebensauffassung.

Rituelle Gewalt war das Thema von Sabine Weber, die selbst in einen satanischen Kult hineingeboren beziehungsweise von ihren Eltern dorthin gebracht wurde. Sie konstatierte ganz klar: „Rituelle Gewalt hört nicht auf, nur weil ‚wir‘ uns das nicht vorstellen können. TäterInnen verdienen Unsummen mit dem Leid der Kinder durch Kinderprostitution und Kinderpornographie. Die Betroffenen kostet es das Leben.“

Wegen Erkrankung entfiel der Part von Petra Gschmeißner, Kriminalhauptkommissarin der Kriminalpolizeiinspektion Weilheim, die Zahlen und Fakten zu Ermittlungen bei sexuellem Missbrauch von Kindern vorstellen wollte. Die Frage „Wie teuer ist ein Trauma?“ stellte die freie Journalistin Claudia Fischer in den Mittelpunkt ihres Kurzvortrages. Denn während sich die Kosten für eine psychotherapeutische Behandlung traumatisierter Menschen fassen lassen, gibt es Behinderungen und körperliche Beschwerden, die möglicherweise ihre Ursache in Gewalterlebnissen in der Kindheit haben.

Den Abschluss bildete eine von Knoll moderierte Podiumsdiskussion mit den vier Referentinnen des Fachtages, der Betroffenen, Künstlerin Salomé Herbst und Vorstandsmitglied Leimig. Die Absage von Maria Eckl vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales kritisierte Moderator Knoll als „Absage mit Ansage“. „Im Laufe der Woche hat sie mich auf drei Anrufe hin vertröstet – das Sozial- und Familien-Ministerium geht dem Thema aus dem Weg“, konstatierte Knoll. Und: „Die Diskussion hat die Referate untermauert. Es gab Wortmeldungen von Betroffenen und Fachleuten – sehr offen, sehr ratlos, was den Umgang mit dem Thema betrifft. Und für mich schockierend, wie krass die Fälle sind.“

Von Bianca Heigl

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