Im Jahr 2018 wurden weniger Straftaten verübt – 15 Todesopfer belasten Verkehrsbilanz

Im Landkreis lebt es sich jetzt noch sicherer

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Tatort Internet: Professionelle Cyberkriminelle gehen mit perfiden Techniken vor, um die Computer und Datennetze ihrer Opfer anzugreifen.

Weilheim/Landkreis – Um die Sicherheitslage in der Region Weilheim-Schongau ist es sehr gut bestellt. Das Risiko, hier im Landkreis Opfer einer Straftat zu werden, ist weiter gesunken. Diese positive Nachricht überbrachten Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Polizeipräsident Robert Kopp im Anschluss an das Sicherheitsgespräch, das alljährlich im Landratsamt Weilheim mit dem Polizeipräsidium Oberbayern-Süd stattfindet.

Während die in der Kriminalstatistik erfassten 4 485 Straftaten im Jahr 2018 gegenüber dem Vorjahr (4 966) um 9,7 Prozent abnahmen, ergibt die Verkehrsbilanz für diesen Zeitraum ein völlig anderes Bild: 15 Menschen mussten auf den Straßen im Landkreis ihr Leben lassen, zehn mehr als im Jahr 2017. Auf einen traurigen Rekord mit 19 Verkehrstoten verweist die Statistik für das Jahr 2013.

Als Hauptursachen für Verkehrsunfälle wurden Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, beim Ein- und Anfahren ermittelt.

Über die Sicherheitslage im Landkreis Bilanz gezogen haben v. li. Landrätin Andrea Jochner-Weiß, Polizeipräsident Robert Kopp und seine Stellvertreterin Eva Schichl.

Ein schreckliches Ende nahm für drei junge Männer (22, 19, 25) am frühen Morgen des 22. Juli 2018 eine Geburtstagsparty. Der erheblich alkoholisierte Fahrer hatte auf der Heimfahrt im Gemeindebereich Steingaden auf nasser Straße bergab die Kontrolle über sein zu schnell gesteuertes Fahrzeug verloren: Der auf die Schutzplanke geratene Pkw fuhr dort wie auf Schienen etwa 50 Meter weiter, bevor er gegen mehrere Bäume prallte. Der Fahrer und ein Beifahrer auf der Rückbank, beide nicht angegurtet, wurden getötet. Der gesicherte Beifahrer vorne überlebte leicht verletzt.

Viele erinnern sich an den folgenschweren Verkehrsunfall, der im „Sicherheitsbericht 2018“ für den Landkreis festgehalten ist. Alle Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang ereigneten sich hier laut Präsident Robert Kopp außerorts. Insgesamt verloren 15 Personen im Straßenverkehr ihr Leben, davon sechs im Gebiet der Polizeiinspektion Weilheim. Im Jahr 2018 ereigneten sich im Landkreis 3 823 Verkehrsunfälle (2017: 3 757). Dabei wurden 867 Personen verletzt (2017: 847). Bei den Polizeidienststellen in Penzberg, Schongau, Weilheim und Murnau gingen 795 Anzeigen wegen unerlaubten Entfernens vom Unfallort ein (2017: 812). Trotz einer Intensivierung der polizeilichen Verkehrsüberwachung ist es Kopp zufolge nicht gelungen, die Unfallzahlen zu senken.

Nachdem sich Schlager und Forster Berg, Hoher Peißenberg und Auerberg unter den Motorradfahrern als beliebte Rundtour herumgesprochen haben, wird die Polizei dort stärkere Präsenz zeigen. „Es geht um ‚High-Risk-Biker‘, die sich und andere gefährden“, erklärte Kopp. Zudem soll der Lärmbelästigung Einhalt geboten werden. Der Polizeichef kündigte an, die Strecke selbst in Augenschein zu nehmen.

Noch ein Stück weit sicherer

„Unser Landkreis“, stellte Landrätin Andrea Jochner-Weiß erfreut fest, „gehört bayernweit zu den sichersten.“ Die Aufklärungsquote konnte von 70,1 (2017) auf 71,2 Prozent gesteigert werden. „Drei von vier Straftaten wurden aufgeklärt. Die Wahrscheinlichkeit, dem Täter auf die Schliche zu kommen, ist groß“, erläuterte Kopp die Zahlen. Die als Gradmesser zur Kriminalitätsbelastung der Bevölkerung herangezogene Häufigkeitszahl liegt im Landkreis mit einem Wert von 3 341 pro 100 000 Einwohnern weit unter dem bayerischen Durchschnitt (4 889). „Die gefühlte, von den Menschen individuell wahrgenommene Sicherheit“, so Kopp, sei allerdings oft durch drastische Berichterstattungen und die sozialen Netzwerke geprägt; sie stimme nicht mit der Realität überein. „Wir bagatellisieren und dramatisieren nichts“, betonte der Präsident.

Im Jahr 2018 wurden im Landkreis 2 370 Tatverdächtige ermittelt. Darunter waren 757 (2017: 746) ausländische mutmaßliche Täter, 379 Verdächtige sind zugewandert. Der Anteil der Kinder, Jugendlichen und Heranwachsenden an den Tatverdächtigen sank von 2017 (637) auf das Folgejahr (517) um 3,1 Prozent. Damit waren ein Fünftel der Ermittelten Jugendliche, wie die Polizei analysiert hat.

Die Statistik zur Gewaltkriminalität weist weniger Tötungsdelikte(208: 1, 2017: 3) auf. Auch die Diebstähle bei Wohnungseinbrüchen nahmen in dieser Zeit von 46 auf 40 ab. Die Einbruchskriminalität wird weiterhin sehr aufmerksam verfolgt.

Den signifikanten Anstieg bei den Sexualdelikten um 30,9 Prozent (2017: 55 und 2018: 72 Fälle) erklärte Kopp mit der gesetzlichen Einführung von neuen Tatbeständen – „Was früher eine Beleidigung war, wird heute als sexuelle Belästigung erfasst“ – und dem geänderten Anzeigenverhalten der Bevölkerung.

Obwohl im Landkreis mit 447 Fällen (2017: 504) leicht rückgängig schätzt die Polizei die insgesamt zunehmende Rauschgiftkriminalität problematisch ein. Vor allem die Jugend gelte es zu schützen. Einer Legalisierung von Cannabis, so der Polizeichef, müsse „energisch dagegengehalten“ werden.

Cybercrime und „Tatort“ Telefon

Vor dem professionellen Vorgehen krimineller Täter im Internet warnte Kopps Stellvertreterin Eva Schichl. Diese Täter seien nur schwer dingfest zu machen. Konkrete Fallzahlen für den Landkreis gibt es nicht, die Dunkelziffer ist hoch. Von den Betrügereien übers Telefon seien vor allem alte Menschen betroffen. „Mit perfiden Methoden“, berichtete Schichl, „wird versucht, ihr Vertrauen zu erschleichen und rechtschaffene Leute um ihr lebenslang Erspartes zu bringen.“ Häufig würden sich die „Profis“ als Polizisten ausgeben. Beim leisesten Verdacht sollten betroffene Bürger umgehend den Polizeinotruf 110 wählen.

Ermittlungen im terroristischen Umfeld stellen die Polizei vor völlig neue Herausforderungen. Sie müsse, hieß es beim Pressegespräch, für viele Aufgaben gewappnet sein, um im Ernstfall die Lage schnell unter Kontrolle bringen zu können.

Eine Lanze brach Polizeichef Kopp für die Sicherheitswacht, die nun auch in Weilheim unterwegs ist. „Sie hilft uns im gesellschaftlichen Zusammenleben ganz enorm.“

Von Maria Hofstetter

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