Kriminalstatistik 2016 zeigt: Terrorgefahr und Migrationswelle beeinflussen Sicherheitsgefühl

Auf der Hut sein und Präsenz zeigen

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„Die Menschen im Landkreis leben sicher“, resümierten Landrätin Andrea Jochner-Weiß und Polizeipräsident Robert Kopp (re.). Li. dessen Stellvertreter Harald Pickert.

Weilheim/Landkreis – Die Varianten der Betrüger, ältere BürgerInnen um ihr Erspartes zu bringen, werden immer perfider: So riefen nach dem Doppelmord in Höfen „falsche Polizeibeamte“ bei im Umfeld wohnenden Senioren an, um deren Vermögensverhältnisse auszuspähen. Die Polizei reagiert auf die Betrugsmaschen mit einer neuen Präventionskampagne, die am 1. Juni gestartet wird.

Weilheim/Landkreis – Die gute Nachricht vorweg: Weilheim-Schongau ist nach Bad Tölz-Wolfratshausen der zweitsicherste Landkreis im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern-Süd. In der Kriminalstatistik für 2016 zeichnet sich aber eine deutliche Zunahme bei den Rohheitsdelikten und Einbrüchen ab.

Polizeipräsident Robert Kopp hatte zum Pressegespräch in Weilheim Zahlen mitgebracht: So wurden im Vorjahr 1 035 Rohheitsdelikte, darunter vor allem Körperverletzungen, registriert und damit 190 mehr (+22,5 Prozent) als im Jahr zuvor – laut Kopp eine durchaus „besorgniserregende Zahl“. Er wies in diesem Zusammenhang auch auf den Anstieg der Straßenkriminalität (804 Fälle, +8,2 Prozent) hin. Die Einbrüche nahmen 2016 im Landkreis ebenfalls zu: 55 mal wurden von den Tätern Wohnungen (+12) und 122 mal (+10) Gewerbebetriebe heimgesucht.

Eine deutliche Steigerung zeichnete sich auch im Bereich der Rauschgiftkriminalität ab (2016: 363 Fälle, 2015: 327), es wird weiterhin verstärkt kontrolliert.

Während die Zahl der Verkehrstoten (7) im Landkreis deutlich zurückgegangen ist – Kopp: „vor vier Jahren waren es fast dreimal so viel“ – geht die Hauptunfallursache nach wie vor auf das Konto der Raser. In 491 Fällen löste zu hohe Geschwindigkeit einen Unfall aus. Das Entziehen der Fahrerlaubnis, stellte Kopp fest, zeige hier oft „Signalwirkung“.

Wie Harald Pickert, Vertreter des Polizeipräsidenten von Oberbayern Süd, nach dem jährlichen Sicherheitsgespräch im Weilheimer Landratsamt berichtete, sollen mit der Kampagne „Solange es noch was zu erben gibt“ potenzielle Erben erreicht werden. In sieben auf Facebook eingestellten Videoclips wird ab Juni unter anderem gezeigt, wie raffiniert manche Täter vorgehen. Im Bereich „Enkeltrick“ konnten 2016 viele Fälle bereits im Vorfeld aufgeklärt und die Täter sowie deren Hintermänner festgenommen werden.

Laut Präsident Kopp ist der Schutzbereich Oberbayern Süd, der neun Landkreise und die kreisfreie Stadt Rosenheim umfasst, eine „Boomregion“ mit ständig wachsender Bevölkerung – besonders durch Zuzug. Die gestiegene Terrorgefahr, die Zuwanderung von Asylbewerbern sowie der Anstieg bei den Wohnungseinbrüchen würden sich negativ auf das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung auswirken. Für Kopp steht dennoch fest: „Der Schutzbereich ist sicher.“

Mehr Straftaten

2016 stiegen die Straftaten im Landkreis um 201 (+4,4 Prozent) auf 4 777 Fälle, inclusive ausländerrechtlicher Delikte waren es 4 811 Straftaten. Die Aufklärungsquote nahm im Gegenzug um 2,3 Prozent ab und lag bei 65,7 Prozent, was Landrätin Andrea Jochner-Weiß mit den Worten kommentierte: „Zwei von drei Tätern werden erwischt.“ Über die Hälfte der von Zuwanderern verübten Straftaten (gesamt 438 Fälle) waren Rohheitsdelikte, wobei 156 davon in Asylbewerberunterkünften begangen wurden. Es gab auch „massive Gewalttaten“, wobei es sich bei den Opfern meist ebenfalls um Zuwanderer handelte. Die Aggressivität gegenüber der Polizei sei „nicht unerheblich“, sagte Kopp.

Von 42 Sexualdelikten (2015: 31) wurden drei von Zuwanderern verübt, eine davon wurde in einer Aylunterkunft begangen. Durch Fake-News aufgebauscht, könnten diese vergleichsweise niedrigen Zahlen die Vorurteile gegenüber Asylbewerbern schüren.

Positiv vermerkt wurde ein Rückgang bei den Diebstählen (-7,3 Prozent) auf 1248 Fälle. Auch bei den Fälschungs- und Vermögensdelikten nahmen die Fallzahlen von 695 auf 591 ab (-15 Prozent), was vor allem auf den Rückgang bei den Betrugsfällen zurückzuführen ist.

Wie kann das Sicherheitsgefühl in der Bevölkerung gestärkt werden? Präsident Kopp führte an erster Stelle die Fortsetzung der „Notrufoffensive“ an: Wer verdächtige Wahrnehmungen macht, sollte dies umgehend unter der Nummer 110 melden. Auch die Sicherheitswacht, wie sie in Schongau erfolgreich praktiziert wird, sei ein geeignetes Instrument. In der Region Präsenz zeigen sei wichtig, so Kopp: „Dann fühlen sich die Menschen sicher.“

Von Maria Hofstetter

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