Kontakt auf Augenhöhe

Sicherheitswacht kommt bei Weilheimer Bevölkerung an

Ammer in Weilheim
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Diese Flasche wurde wohl beim letzten Umtrunk vergessen. Dass es an der Ammer auch mit weiteren Verweilplätzen nicht mehr werden, bleibt zu hoffen.

Weilheim – Egal ob gemütliches Beisammensitzen mit Freunden oder wilde Party – aufgeräumt werden muss danach immer.

Das sehen aber nicht alle Weilheimer so. Und auch was die Lautstärke anbelangt, scheinen die Meinungen in der Kreisstadt oft auseinander zu gehen. „Im Zusammenhang mit der Kritik der Anlieger an der Errichtung von Verweilplätzen an der Ammer wurde von den Anliegern immer wieder das Verhalten von lärmenden und alkoholisierten Jugendlichen als Gegenargument angeführt.“ Daher bat die CSU/FDP-Fraktion des Stadtrats um einen Bericht der Weilheimer Sicherheitswacht. Dieser Bitte kamen in der letzten Sitzung Tobias Neuner, Verantwortlicher für die Sicherheitswachten Weilheim und Peißenberg, und Thomas Stumpf, stellvertretender PI-Leiter der Polizeiinspektion Weilheim, nach.

In der Kreisstadt ist die Sicherheitswacht seit März 2019 im Einsatz. Derzeit seien acht von zehn Sollstellen besetzt, berichtete Neuner. Wobei bei der Auswahl der Personen nach dem Grundsatz „Klasse statt Masse“ vorgegangen wurde. Jedoch seien zukünftig auch Werbemaßnahmen für Neuzugänge und neue Ausbildungen geplant – insofern die Corona-Pandemie das zulasse. Damit die Ehrenamtlichen schneller von einem zum anderen Ort kommen und auch bei Vermisstensuchen flexibler eingesetzt werden können, wurden kürzlich zwei Dienstfahrräder über einen lokalen Händler bezogen. Bei ihren Rundgängen ist die Sicherheitswacht auf vordefinierten Strecken unterwegs. Dabei werde darauf geachtet, die Ehrenamtlichen „sinnhaft“ zu verteilen. Zu diesen Bereichen gehören die Innenstadt (inklusive Spielplatz an der Murnauer Straße), die Ammer auf Höhe der BMX-Bahn, der Friedhof, die Au, der Dietlhofer See, das Umfeld des Wasserwirtschaftsamtes Weilheim und das Gögerl. Neu dazu gekommen sind die Bereiche Stadthalle und Hochlandhalle sowie der Spielplatz an der Andreas-Schmidtner-Straße.

An der Ammer seien durch die Tatsache, dass es sich dabei um einen Erholungsort in der Natur innerhalb des Stadtgebiets mit Wohngebiet im direkten Umfeld handle, Konflikte vorprogrammiert, so Neuner. Die Problematik habe sich heuer, wahrscheinlich auch durch die Pandemie, „gefühlt“ verstärkt. Vor allem am Pavillon würden Jugendliche oft Party machen, Personen Müll hinterlassen und uneinsichtig reagieren. Die Sicherheitswacht würde die Betroffenen dann unter anderem auf ihr Fehlverhalten hinweisen, bei einer Gruppe versuchen, den Verantwortlichen festzustellen und auf weitere Folgen hinweisen – zum Beispiel das Verständigen der Polizei. Die Sicherheitswacht könne kommunikativ aber oft mehr erreichen als „wir“, berichtete Neuner, da sie „von Bürger zu Bürger“ mit den Personen sprechen würden.

Besserung im Bereich Weilheimer Au

Positive Rückmeldungen aus der Bevölkerung gibt es inzwischen, was den Bereich Weilheimer Au beziehungsweise Au-Weiher angeht. Durch die vermehrte Präsenz der Sicherheitswacht würden dort nun deutlich weniger Personen Alkohol und Drogen konsumieren und auch das Müllproblem habe sich verbessert. Vor allem aus der älteren Bevölkerung seien sehr positive Rückmeldungen bei der Polizei eingegangen, freut sich Neuner. Ein weiterer Bereich, in dem es immer wieder zu Problemen kommt, ist der Spielplatz in der Nähe des real.-Marktes. Dort würden häufig Jugendliche und Erwachsene Alkohol konsumieren.

Als mögliche Gegenmaßnahmen der Stadt schlug Neuner vor, zum Beispiel die Nutzungszeit zu begrenzen. Für Polizei und Sicherheitswacht hätte das den Vorteil, dass sie einen „Hebel“ hätten. Des Weiteren schlug Neuner vor, Entsorgungsbehälter für Müll in großer Anzahl gut verteilt aufzustellen und für Jugendliche alternative Orte zum Verweilen zu schaffen. Mit dem Jugendhaus Come In habe die Stadt zwar einen „super“ Platz, jedoch würde es nicht jedem Heranwachsenden liegen.

Ob es in Weilheim einen Drogenumschlagsplatz gebe und was dagegen unternommen werden könnte, wollte Susann Enders (Freie Wähler) wissen. Von ihr gab es zudem positives Feedback. Sie habe selbst Teenager zuhause, von denen die Rückmeldung kam, dass ihnen die Sicherheitswacht „auf Augenhöhe“ begegnen würde. In der Kreisstadt gebe es „zum Glück“ keinen konkreten Drogenhotspot, jedoch den ein oder anderen Platz, wo gedealt werde, so Neuner. Was Betäubungsmittel angehe, sei allerdings die Polizei für die Kontrollen zuständig. Nach den Kapazitäten der Sicherheitswacht, insbesondere wenn noch weitere Plätze an der Ammer zugänglich gemacht werden würden, erkundigte sich Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander). Sie würden auf jeden Fall immer wieder Leute brauchen, sagte Neuner, jedoch werde man nicht weit über die zehn Sollstellen hinaus gehen.

Eine Zusammenarbeit mit Weilheims Streetworkerin sei nicht geplant, wie Neuner auf verschiedene Anfragen von Stadträten berichtete. Die Sicherheitswacht sei dazu da, die Polizei bei niederschwelligen Störungen zu ergänzen. Für eine Zusammenarbeit mit der Streetworkerin würden die Ressourcen fehlen. Einem Austausch stehe jedoch nichts im Wege.

Von Sofia Wiethaler

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