Vom "Traumschiff"-Kapitän zum Heimatbotschafter: Rückblick auf bewegte Jahrzehnte

14 Jahre auf der Kommandobrücke

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Das Birnenspalier an Siegfried Rauchs Bauernhausfassade in Untersöchering steht in voller Blüte.

Untersöchering – Der 85. Geburtstag ist Siegfried Rauch – ohne ihm schmeicheln zu wollen – nicht anzusehen. Den Hype um das Lebensalter hält er ohnehin für völlig überzogen. „Wichtig ist doch, wie man sich fühlt“, kommentiert er dies knapp, während er genüsslich an seiner Pfeife zieht. Der Weg zum erfolgreichen Schauspieler, der ihn in den 1970ern bis nach Hollywood führte, sei ihm aber nicht in die Wiege gelegt worden, denn: „Als Kind war ich furchtbar schüchtern.“

In Utting, wo er acht Jahre seiner Kindheit verbrachte, stand der kleine Siegfried oft staunend am Dampfersteg, wenn ein großes Schiff anlegte, und bewunderte den Kapitän. „Ich werde auch einmal Kapitän!“, ließ der Knirps seinen Vater wissen. Dass sich dieser Wunsch tatsächlich erfüllen würde, hatte er selbst nicht für möglich gehalten. Aber dazwischen lagen viele Stationen…

Nach Hagen bei Murnau umgezogen, galt es erst einmal das Abitur zu schaffen. Nicht einfach, wenn man mit Mathematik und Latein auf Kriegsfuß steht! Sein Talent als Skifahrer rettete Siegfried Rauch aus dieser prekären Situation: Als er bei einem schulischen Abfahrtsrennen in Garmisch die Bestzeit fuhr, drückte sein Lateinlehrer beide Augen zu. Geschafft! Der junge Abiturient versuchte es erst mit der Architektur. Nach dem Abbruch dieses Studiums riet ihm ein Bekannter, in die Theaterwissenschaften zu wechseln mit der Begründung: „Da kannst du kommen und gehen wie du willst.“ Dort hielt es Siegfried Rauch aber auch nicht lange. Er begann eine Schauspielausbildung. Die Zeiten waren nicht rosig. Zwischendurch musste er seinen Lebensunterhalt als Textilverkäufer bestreiten.

Bislang verschlossene Türen öffneten sich: Engagements an Theaterbühnen führten Rauch unter anderem nach Bremen, München, Berlin und Hamburg. Der junge Schauspieler, dessen Begabung auf einer Lesebühne in Murnau entdeckt worden war, eroberte in verschiedenen Rollen bald auch das Kino- und Fernsehpublikum.

1971 spielte er an der Seite von Steve McQueen im Film „Le Mans“ den Rennfahrer Erich Stahlen. Die Dreharbeiten, erinnert sich Rauch Jahrzehnte später in seinem gemütlichen Bauernhaus, waren gefährlich. Mit dem Hollywoodstar entstand eine enge Freundschaft – „wir waren uns sehr ähnlich“ – , die sich noch vertiefte, als McQueen für Rauchs erstgeborenen Sohn die Taufpatenschaft übernahm.

Rauchs Paraderolle war jedoch, neben seinen zahlreichen Engagements in Film- und Fernsehserien, von 1999 bis 2013 die des Kapitäns Jakob Paulsen in der ZDF-Fernweh-Reihe „Das Traumschiff“. An Bord der „Deutschland“ ist er rund zehn Mal um die Welt gereist. Einmal, so Rauch, sei das Schiff auf dem Weg nach Fidschi in einen Hurrikan geraten: „Da kann man nur noch beten.“ Irgendwann, fährt er nachdenklich fort, hatte er dann das Gefühl, alles gesehen zu haben. „Das Heimweh wurde stärker.“

„Die Normalität“ ist es, die ihn immer wieder gern nach Untersöchering zurückkehren lässt. In das dörfliche Leben, wo jeder jedem hilft, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten. Die Menschen auf dem Land, findet Rauch, haben eine gesunde Einstellung: „Ein Titel interessiert sie nicht.“ Das schätzt der Schauspieler, der in über 500 Filmrollen zu erleben war, auch als Sänger auftrat und einige Bücher schrieb. In seinem Wald bei Untersöchering macht Rauch eigenhändig sein Brennholz – „das Arbeiten in der Natur ist eine Art Therapie“ – und genießt auf dem E-Bike radelnd die Voralpenlandschaft.

Mit seiner Frau Karin ist Siegfried Rauch seit 1964 verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Söhne. Sie hat ihn auf so manche Reise begleitet. Sein Lieblingsessen? „Alles, was meine Frau kocht. Sie ist eine begnadete Köchin und erfindet immer wieder neue Sachen.“

Zu seinem 85. Geburtstag, den er kürzlich gefeiert hat, haben ihm die Obersöcheringer mit der örtlichen Musikkapelle einen herzlichen Empfang bereitet. Als Erster durfte er sich ins Goldene Buch der Gemeinde eintragen, das ihm Bürgermeister Reinald Huber im Rathaus vorgelegt hat. Bayerns Finanz- und Heimatminister Dr. Markus Söder sieht in dem Jubilar einen „Botschafter der Heimat“ und brachte dies mit der Verleihung einer „Heimatmedaille“ zum Ausdruck. „Heimat“, unterstreicht Rauch, „gibt unglaublich viel Kraft, und diesen Wert müssen wir uns erhalten.“

Erfolgreiche Film- und TV-Rollen (Auswahl) in:

1957 und 1974: „Der Jäger von Fall“

1971: „Le Mans“

1972 bis 1985: „Tatort“-Folgen

1976 bis 1983: „Derrick“-Folgen

1977: „Es muss nicht immer Kaviar sein“

1986: „Irgendwie und Sowieso“

1987 bis 1993: „Die glückliche Familie“

1999 bis 2013: „Traumschiff“-Kapitän

Seit 2008: „Der Bergdoktor“

Siegfried Rauch ist Botschafter für die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft und die Bayerische Seenschifffahrt, aktuell unterstützt er die „Dirk Nowitzki Stiftung“ für Kinder mit einer Bildversteigerung.

Am 26. Dezember wird der immer noch gefragte Schauspieler im Murnauer Kultur- und Tagungszentrum bei einer Konzertveranstaltung unter dem Motto „Bergweihnacht“ seine schönsten Weihnachtsgeschichten präsentieren.

Von Maria Hofstetter

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