Obduktion am Montag klärte die Todesursache auf – Trauer um beliebten Schauspieler (85)

Siegfried Rauch starb an Herzversagen

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Siegfried Rauch liebte seinen Hof und die Natur: Beim Besuch der Weilheimer Kreisboten-Redakteurin im April vergangenen Jahres stand das Birnenspalier an seiner Hauswand in voller Blüte.

Untersöchering – Unkompliziert und am dörflichen Leben interessiert, so kannten die Untersöcheringer ihr prominentes Gemeindemitglied. Groß war deshalb die Bestürzung, als sie am Sonntagabend die Nachricht von Siegfried Rauchs überraschendem Tod erfuhren.

Wie sein Manager Michael Jodl berichtete, erlag der langjährige „Traumschiff“-Kapitän einem Herzversagen. Es war kurz vor 20 Uhr. Wie so oft schaute Rauch, der mit Ehefrau Karin neben dem Feuerwehrgerätehaus lebte, bei den Feuerwehrkameraden vorbei, als er in deren Schulungsraum ein Licht brennen sah. Der Schauspieler war hier gern gesehenes Gast und trank ein Glaserl Wein, berichtete Bürgermeister Reinald Huber. Wenig später wollte sich Rauch laut Feuerwehrkommandant Sebastian Leis wieder auf den Heimweg machen. Dabei ereilte ihn ein Herzversagen, in dessen Folge er eine Treppe hinabstürzte. Das ergab am Montag eine Obduktion. Weder die Reanimationsversuche des Feuerwehrkommandanten noch ein Notarzt konnten das Leben des Schauspielers retten, der über Jahrzehnte hinweg die Herzen seines Publikums erobert hatte. Ort und Zeit der Trauerfeierlichkeiten sind noch nicht bekannt.

Wenn sich Huber an Siegfried Rauch erinnert, hat er „einen liebenswerten, unkomplizierten Bürger“ vor Augen, der seit 1972 mit Ehefrau Karin ein Anwesen im kleinen Obersöcheringer Ortsteil bewohnte.

In Utting, wo er seine ersten acht Lebensjahre verbrachte und schon als Knirps am Dampfersteg die Boote bewunderte, hatte der kleine Siegfried seinem Vater bereits kundgetan, später einmal Kapitän werden zu wollen. Ein Wunsch, der sich im Laufe seiner Schauspielerkarriere erfüllen sollte. Siegfried Rauch war in über 500 Filmrollen zu erleben, er trat auch als Sänger auf und schrieb einige Bücher.

Die Familie zog noch Hagen bei Murnau um. Siegfried Rauchs schauspielerische Begabung wurde auf einer Lesebühne in Murnau entdeckt. Bis sich die großen Erfolge einstellten, war sein beruflicher Werdegang allerdings nicht auf Rosen gebettet, wie der Schauspieler dem Kreisboten im Frühjahr 2017 bei einem Treffen in seinem gemütlich eingerichteten Bauernhaus erzählte.

Um seine Schauspielausbildung zu bestreiten, musste er zwischendurch seinen Lebensunterhalt als Textilverkäufer verdienen. Engagements führten den jungen Schauspieler schließlich an Theaterbühnen nach München, Bremen, Berlin und Hamburg. In verschiedenen Rollen eroberte Siegfried Rauch bald auch das Kino- und Fernsehpublikum.

Von 1999 bis 2013 war Siegfried Rauch als Kapitän Jakob Paulsen in der ZDF-Fernweh-Reihe „Das Traumschiff“ an Bord. Mit der „Deutschland“ ist er rund zehn Mal um die Welt gereist. Eine Paraderolle, die ihm neben zahlreichen weiteren Engagements in Film- und Fernsehserien eine riesige Fangemeinde einbrachte. Rauch hatte Film- und Fernsehrollen in „Der Jäger von Fall“ (1957, 1974), in „Tatort“- (1972-1985) und „Derrick“- (1976-1983) Folgen, bei „Irgendwie und Sowieso“ (1986), in „Die glückliche Familie“(1987-1993) und „Der Bergdoktor“ (ab 2008).

Irgendwann, stellte ein nachdenklicher Siegfried Rauch bei seinem Gespräch mit dem Kreisboten fest, hatte er dann alles gesehen und sich wieder zurück nach Hause gesehnt. Ehefrau Karin, mit der Rauch seit 1964 verheiratet war und zwei Söhne hat, begleitete ihn auf etlichen Reisen.

Die örtliche Musikkapelle bereitete „Siggi“, wie ihn viele im Dorf nannten, an dessen 85. Geburtstag einen herzlichen Empfang. Bürgermeister Huber legte ihm das Goldene Buch der Gemeinde vor, in das er sich als Erster eintragen durfte. „Der Siegfried Rauch war ein sehr, sehr naturverbundener Mensch, der in seinem eigenen Waldstück eigenhändig das Brennholz gemacht hat. Er war einer von uns“, spricht der Bürgermeister über den verstorbenen Schauspieler, den „die Normalität“ immer wieder gern nach Untersöchering zurückkehren ließ, wie Rauch einmal selbst festgestellt hat. Was ihn an dem dörflichen Leben besonders fasziniert hat, war die Tatsache, „dass hier jeder jedem hilft, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten“. Ein Titel interessiere die Menschen auf dem Land nicht, sagte er in einem Interview mit dem Kreisboten und schloss mit den Worten: „Die Heimat gibt unglaublich viel Kraft und diesen Wert müssen wir uns erhalten.“

Von Maria Hofstetter

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