"Aus Liebe zur Marktgemeinde" – Max Biller ersteigert geschichtsträchtigen Kaiserinnen-Bademantel für Peißenberger Archiv

Max Biller präsentierte gemeinsam mit Christine Marksteiner stolz seine Eroberung. Foto: Gnadl

Peißenberg – Lange betreute Max Biller die Archive im Landkreis. Besonders am Herzen lag ihm dabei immer das in Peißenberg. Bis heute ist das so, davon zeugt auch seine neuester Streich.

Von seinem „Heimatfreund“ Toni Herb erfuhr Max Biller vor über 30 Jahren, dass Kaiserin Elisabeth von Österreich – besser bekannt als Sisi – des Öfteren im Heilbad Sulz residierte. „Das grub sich in mein Unterbewusstsein ein“. Immer wieder erinnerte sich der Pollinger an Sisi und ihren tragischen Tod. Daher erregte ein Zeitungsartikel im Frühling sein Interesse: In Wien sollten zahlreiche Habseligkeiten aus Elisabeths Sommerresidenz, dem Achilleion-Palast auf Korfu, versteigert werden. 

„Diese Meldung traf mich wie ein Blitz“, denkt Biller an diesen Moment zurück. Sofort war klar: Er musste etwas ersteigern. Im Angebot der jährlich vom Auktionshaus Dorotheum durchführten „Kaiserhaus-Auktion“ war neben Sisis Fächer und ihrer Reitstrumpfhose auch ein weißer Frottee-Bademantel. Dieser hatte es Biller angetan. 

Nach „einer fast schlaflosen Nacht“ beschloss er daher, sich als Telefonbieter registrieren zu lassen. Große Chancen wurden ihm dabei nicht eingeräumt und auch selbst glaubte er nicht daran, dass der Mantel in seinem Budget bleiben würde. Probieren wollte er es trotzdem. 

Am 8. Mai war es dann endlich so weit. „Ich war ganz nervös“, erzählt der Archivar. Um 14 Uhr startete die Auktion, die Bieternummer 127 sollte ihm Glück bringen. Pünktlich klingelte das Telefon und es ging los. „2 600, 2 800...3 000“ schallte es von der Versteigerung durch den Hörer. Dann plötzlich Stille bei 3 600 Euro. Sekunden des Bangens. „Etz gheart ihnen der Mantel“, sagte die Frau an der anderen Seite der Leitung auf wienerisch ungläubig. „Juchu!“ rief der glückliche Bieter aus Freude laut heraus. Doch fassen konnte er sein Glück noch nicht so wirklich: „Ich war verwirrt. Alles hat sich gedreht.“

Ein paar Tage später kam dann die Rechnung, diese „hatte einen Pferdefuß“. Zum Kaufpreis kamen satte 1 000 Euro Provision und Gebühren hinzu. Doch auch diese Gegebenheit konnte den früheren Kreisarchivar nicht aufhalten: „Ich bin schleunigst nach Weilheim und habe das Geld sofort überwiesen.“ 

Eine Woche später klingelte der Postbote an Billers Tür. Auch der konnte es kaum glauben, als er erfuhr, welch kostbares Schmuckstück er gerade transportiert hatte. Ähnlich erging es der Nachbarin, mit der Biller den feierlichen Moment teilen wollte. „Hast wieder Bücher bestellt“, fragte sie beim Anblick des Pakets. „Da ist bloß der Bademantel von Kaiserin Elisabeth drin“, sagte der ehemalige Lehrer betont lässig. Die Nachbarin musste sich daraufhin erst einmal setzen, hielt Biller aber geistesgegenwärtig davon ab, das Paket mit einer spitzen Schere zu öffnen. Es sollte dem Bademantel ja kein Schaden zugefügt werden. 

Schnell war klar, ein normaler Kleiderbügel würde dem guten Stück nicht gerecht. Also eilte Biller nach Weilheim, um im Kaufhaus Rid eine Schaufensterpuppe zu ergattern. Dort angekommen erklärte er einer Verkäuferin sein Anliegen. „Die dachten wohl, da kommt a bissl a gefährlicher Irrer“, glaubt Biller. Bei Geschäftsführer Florian Lipp fand sein „kleines Sprücherl“ dann aber Gehör. 

Gemeinsam mit Christine Marksteiner, die das Peißenberger Archiv mitbetreut, schaffte er die Puppe in Einzelteilen ins Auto. Sie war es auch, die ihm half, die Plastikdame anzukleiden. „Etz hats schon bedeutend schöner ausgeschaut“, freut sich Biller. 

Doch zufrieden war er immer noch nicht und ließ daher von Schreiner Andreas Mayr eine beleuchtete Vitrine anfertigen. Insgesamt bezahlte der Sisi-Fan 9 000 Euro für sein Geschenk an Peißenberg, das die Öffentlichkeit nun im Archiv bestaunen kann. „Die habe ich aus lauter Liebe für die Marktgemeinde gerne geopfert“, sagt er voller Überzeugung.

Von Ursula Gnadl

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