Unternehmerkreis-Mitglieder besichtigen Bernrieder Gemeindezentrum und informieren sich

Sommerkeller und ÖPNV

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Referierten beim Stammtischtreffen des Unternehmerkreises Weilheim-Peißenberg über den ÖPNV: Ralf Kreutzer (li. RVO-Niederlassungsleiter) und Manfred Plonner (3. v. li.). Mit auf dem Bild Bernrieds Bürgermeister Josef Steigenberger (2. v. li.) und Dietmar Ahl (stellvertretender Unternehmerkreis-Vorsitzender).

Bernried – „Small-Talk“ und „Netzwerken“ bei Kaltgetränken und Häppchen: Das ist angesagt, wenn der Unternehmerkreis Weilheim-Peißenberg zu seinen Stammtischtreffen zusammenkommt.

Doch die Veranstaltungen reduzieren sich nicht nur auf den gesellschaftlichen Rahmen: Regelmäßig gibt es thematischen Input oder Besichtigungstouren durch öffentliche Einrichtungen respektive Firmenstandorte.

Das jüngste Treffen in Bernried hatte beides zu bieten. Während Bürgermeister Josef Steigenberger die Unternehmer durch das moderne Gemeindezentrum samt dem historischen Sommerkeller führte, referierten Landratsamtsmitarbeiter Manfred Plonner und RVO-Niederlassungsleiter Ralf Kreutzer über den ÖPNV. Dabei kamen interessante Details zu Tage: Plonner berichtete unter anderem davon, dass die Pfaffenwinkelbahn 2019 an das neue elektronische Stellwerk in Weilheim angeschlossen und die Bahnhöfe entlang der Strecke zwischen Weilheim und Schongau barrierefrei ausgebaut werden sollen (wir berichteten). Von Seiten des Landratsamts würde man sich zudem für einen zusätzlichen Bahn-Halt am Krankenhaus Schongau einsetzen und den Bau einer Station in der Weilheimer Au Richtung Trifthof befürworten. Die bisherigen Planvarianten der Bahn scheiterten bekanntlich aber bislang am Veto der Stadt: „Politisch halten wir uns da zurück. Das ist ein städtisches Problem“, erklärte Plonner. Etwas deutlicher drückte sich Unternehmerkreis-Mitglied Frank Dittmann aus: „Einen West-Bahnhof werden wir in Weilheim nie bekommen“, so der ehemalige Convotherm-Chef und Weilheimer CSU-Ortsvorsitzende.

Plonner brachte zudem die ÖPNV-Infrastruktur an der Echelsbacher Brücke zur Sprache. Am dortigen Linienknotenpunkt soll nach den Vorstellungen des Landratsamts ein moderner Busbahnhof entstehen. „Wir hoffen, dass wir es hinbekommen“, berichtete Plonner – allerdings sprach er auch von „schweren Verhandlungen“ mit dem Staatlichen Bauamt: „An der Stelle wird gerade eine riesentolle Brücke für zehn bis 20 Millionen Euro gebaut, dann müsste da eigentlich auch ein vernünftiger Busbahnhof drin sein“, so Plonner.

Die beiden Referenten mussten beim Stammtischtreffen auch kritische Nachfragen beantworten. Der ÖPNV, so meinte Peter C. Därr („Därr Harder Rechtsanwälte“), sei zu wenig auf den Berufsverkehr ausgerichtet. Außerdem seien die überregionalen Schnittstellen verkehrstechnisch „nicht effizient geregelt“. „Wir denken nicht nur in Landkreisen“, hielt Ralf Kreutzer entgegen. Auf den Hauptachsen Richtung München würden Busverbindungen außerdem nicht die große Rolle spielen: „Da fährt der Zug.“

Generell sei es schwierig, einen Linienberufsverkehr aufzubauen. Punktuell seien durchaus Potenziale vorhanden, aber nicht flächendeckend. Dafür gebe es im Landkreis zu wenig Siedlungen mit großem Geschossflächenbau, in denen ausreichend Fahrgäste geworben werden könnten. Kreutzer kritisierte allerdings auch, dass der RVO bei der Planung von Gewerbegebieten gar nicht oder zu wenig eingebunden werde. Die Standorte würden oft abseits von bestehenden Buslinien liegen oder so verwinkelt gebaut werden, dass die RVO-Fahrzeuge dort nicht manövrieren könnten.

Zur Sprache kam bei dem Stammtischtreffen in Bernried auch der geplante Busbahnhof in Weilheim. Laut Kreutzer würde selbiger zwar mehr Komfort für die Fahrgäste bringen – aber: „Mehr Busse werden deshalb nicht fahren.“ Und wie sieht es bei der RVO-Busflotte mit der Antriebstechnologie aus? Von einst 29 erdgasbetriebenen Fahrzeugen ist gerade noch eines übrig geblieben. Der RVO setzt stattdessen wieder auf Diesel-Fahrzeuge: „Die Politik hat uns beim Erdgas im Stich gelassen. Es hat keine Förderung mehr gegeben“, beklagte Kreutzer. Perspektivisch wird es seiner Einschätzung nach eine Umrüstung auf Elektroantriebe geben – allerdings nur im städtischen Bereich. Denn für längere Überlandfahrten sei die Technik hingegen noch nicht leistungsstark genug. 

Von Bernhard Jepsen

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