Ansturm auf AstraZeneca

Sonderaktion in Penzberg: Lange Warteschlange für 888 Impfdosen

In der Turnhalle warteten die Menschen auf den Inhalt der Impfdosen.
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Auch in der Halle warteten die Menschen auf den Inhalt der Impfdosen.

Penzberg/Region – Bei der Impfaktion in der Turnhalle am ehemaligen Wellenbad herrschte ein großer Andrang. Ab 6 Uhr warteten Interessierte auf den Inhalt der 888 Impfdosen AstraZeneca. Ab 9 Uhr wurde aber erst geimpft.

Man hätte meinen können, in der Turnhalle am ehemaligen Wellenbad würde ein amerikanisches Unternehmen mit einem angebissenen Obst als Logo sein neuestes Smartphone veröffentlichen. Bereits drei Stunden vor Beginn der Impfaktion standen die ersten Interessierten vor der Penzberger Turnhalle, die vom Hausmeister, dem Bauhof, den Johannitern, dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK), Roche und dem Personal von zehn Penzberger Praxen zu einem Tages-Impfzentrum umfunktioniert wurde. Die Impfaktion war in dieser Form der Kooperation „eine echte Premiere in Bayern“, bilanziert Dr. Peter Lidzba, niedergelassener Internist in Penzberg und einer der Initiatoren der Impfaktion, gegenüber dem Kreisboten.

Verständnisvolle Bürger

Lidzba, der auch Ärztlicher Koordinator in Weilheim-Schongau im Corona-Kampf ist, war begeistert vom Ablauf vor Ort: „Alles läuft easy. Wir haben es hier mit sehr verständnisvollen Bürgern zu tun.“ Laut Lidzba hatten fast alle Impflinge ihre nötigen Unterlagen dabei – mitzubringen waren Personalausweis oder Reisepass, Krankenversichertenkarte, Impfaufklärungsbogen, Impfeinwilligungserklärung und Impfbuch.

Vor zwei Wochen kam es zum ersten telefonischen Kontakt zwischen Lidzba und dem leitenden Werksarzt bei Roche Dr. Thorsten Böhme. Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden und bald darauf fanden sich zehn Penzberger Praxen, der Werksärztliche Dienst von Roche, das regionale Impfzentrum der Johanniter, das BRK und die Stadt Penzberg in einem Boot. Ziel war die Pandemiebekämpfung durch Erstimpfungen.

Dieses Boot musste einen starken Organisations-Orkan durchsegeln und innerhalb von acht Tagen die Turnhalle am ehemaligen Wellenbad in ein Tages-Impfzentrum verwandeln. Bei der Beschilderung und den anfallenden Arbeiten halfen der Penzberger Bauhof und Hausmeister Oliver Merten. Geimpft wurde in zwei Schichten – die erste von 9 bis 13 Uhr, die zweite von 14 bis 18 Uhr. Werksarzt Böhme betonte vormittags jedoch: „Wir werden solange impfen, bis alle Interessenten versorgt wurden oder wir kein AstraZeneca mehr haben.“

Der zweite Fall trat ein: „Es gab noch spontane Lieferungen am Freitag, aber wir konnten alles verimpfen“, so Lidzba auf Kreisboten-Nachfrage. Fünf Impfkabinen standen in der Turnhalle zur Verfügung – vier für den Normalbetrieb, eine als „Fast Lane“ für körperlich eingeschränkte oder ältere Menschen. Insgesamt konnten die Initiatoren 888 Impfdosen vom Vakzin AstraZeneca bereitstellen. Dabei wurde auf Bestände der Penzberger Arztpraxen zurückgegriffen, Überbleibsel von der „Weilheimer Impfnacht“ herangeschafft und Impfdosen des lokalen Impfzentrums der Johanniter genutzt. So kam man am Ende auf 888 und nicht wie vorher geplant auf 500 Impfdosen.

Mehr Impfstoff nötig

Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) und der leitende Roche-Werksarzt Böhme waren einer erneuten Sonderimpfaktion nicht abgeneigt, betonten aber beide: Dafür brauche man mehr Impfstoff. Die niedergelassenen Ärzte sind weiterhin abhängig von den Vakzin-Lieferungen. Das könnte laut Lidzba zum Problem werden: „Es fehlt an Impfstoff und der bürokratische Aufwand ist zu hoch.“ Nach seiner Prognose wäre es möglich, dass die nächsten vier bis sechs Wochen aufgrund der Knappheit keine Biontech-Erstimpfungen mehr durchgeführt werden können. Die Rückmeldung der Bevölkerung bezüglich der Aktion war „sehr positiv“ und übertraf „alle Erwartungen“, teilte Lidzba mit.

Rund 25 medizinische Fachangestellte (MFA) waren bei der Impfaktion im Einsatz. „Für die gibt es außer Applaus keine steuerlichen Zulagen vom Staat“, bedauerte Lidzba die aktuell kritische Lage in der Branche. Zwölf bis 15 Stunden Mehrarbeit kommen in Pandemiezeiten laut des Ärztlichen Koordinators wöchentlich auf die MFA zu. Eine Überbelastung zugunsten der Restbevölkerung: Denn 888 Personen erhielten an diesem Tag in Penzberg ihre Erstimpufng.

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