Sondersitzung zur "Rigi-Rutsch‘n": Am Beschluss des KU-Verwaltungsrates wird festgehalten

Viele Fragen, wenig Antworten

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Rund 300 Besucher verfolgten am Montagabend die Sondersitzung des Marktrats zum Thema „Rigi-Rutsch´n“.

Peißenberg – Es ist beschlossene Sache: Die „Rigi-Rutsch´n“ wird vom Kommunalunternehmen (KU) „Gemeindewerke Peißenberg“ spätestens ab dem Frühjahr 2018 nur noch als reines Freibad betrieben und der Saunabereich entweder privatisiert oder komplett dichtgemacht. An dem vom KU-Verwaltungsrat getroffenen Beschluss (wir berichteten) wurde auch am Montagabend in der eigens zum Thema einberufenen Marktrats-Sondersitzung nicht mehr gerüttelt.

Gleichwohl wurde hitzig und kontrovers diskutiert. Die Fraktion der Bürgervereinigung hatte einen reichhaltigen Fragenkatalog vorbereitet. Allerdings blieben in der öffentlichen Sitzung vor rund 300 Besuchern in der Tiefstollenhalle viele Fragen offen.

Gleich nach den Einführungsworten von Bürgermeisterin Manuela Vanni – „Die `Rigi-Rutsch‘n‘ beschäftigt uns schon seit 15 Jahren. Man hat so vor sich hin gewurschtelt. Es ist richtig, jetzt einen Schnitt zu machen“ – erklärte der Schweizer Bäderexperte Stefan Studer der Versammlung in einem fachlich fundiert und kompetent wirkenden Vortrag, warum die Abkehr vom Saunabetrieb wirtschaftlich geboten ist.

Um die vom Marktrat festgelegten Rahmenbedingungen zu erreichen – jährliches Defizit nicht höher als 500 000 Euro –, genüge es demnach nicht, sich allein auf operative Einspareffekte zu beschränken. „Es braucht übergeordnete Maßnahmen und eine strategische Entscheidung“, betonte Studer.

Das große Problem neben steigenden Energie- und Personalkosten sowie begrenzten Steigerungsmöglichkeiten bei den Besucherzahlen: Um das 35 Jahre alte Bad instand zu halten, müssen Investitionen getätigt werden. Die wiederum verursachen zusätzlich zu dem ohnehin schon vorhandenen Defizit einen enormen Kostenaufwand für den Kapital- und Schuldendienst. Ohne Angebotsveränderung im Bäderpark, so rechnete Studer vor, müssten rund vier Millionen Euro investiert werden, was eine jährliche Zusatzbelastung von 250 000 Euro allein an Kredittilgungen ergeben würde. Dem stünden gerade einmal operative Einsparmöglichkeiten in Höhe von etwa 50 000 Euro gegenüber.

Ergo: In den Bäderpark muss fundamental eingegriffen werden. Mit Verzicht auf die Sauna, deren Kostenstrukturen laut Studer „wirtschaftlich nicht darstellbar“ sind, müssten nur rund 1,5 Millionen Euro in den nächsten Jahren investiert werden – wohlgemerkt nur um den Fortbestand des Freibads von der Grundsubstanz her zu sichern.

Aber wie soll die neue strategische Ausrichtung in der Praxis konkret aussehen? Wie will man einen seriösen Investor finden? Was wird aus der erst vor anderthalb Jahren für 800 000 Euro errichteten Blockbohlensauna? Wie sollen die Bäderparkmitarbeiter künftig außerhalb der Sommersaison beschäftigt werden? Was ist, wenn das Freibad trotz der Neustrukturierung ein Defizit über der 500 000 Euro-Richtmarke produziert? Und wurden eigentlich die möglichen Versicherungssummen für die Beseitigung der Brandschäden voll ausgeschöpft?

Das waren Fragen, mit denen KU-Vorstand Günther Forster und die Bürgermeisterin konfrontiert wurden. Konkrete Antworten gab es allerdings nicht: „Wir beginnen jetzt erst mit der Umsetzung und Detailplanung. Viele Fragen können wir jetzt noch gar nicht beantworten“, erklärte Vanni. Die Rathauschefin versprach erneut, dass es in diesem Jahr wieder eine Sommersaison im Freibad geben wird: „Die ‚Rigi-Rutsch‘n‘ wird öffnen, und wir werden auch warme Becken haben.“ Die Neukonzeption, so konstatierte Vanni, erfülle letztlich die Wünsche der meisten Bürger.

An die Adresse von Kreisrätin Regina Schropp (Bayernpartei), die ein Bürgerbegehren initiiert hat, das sich für den Fortbestand der „Rigi-Rutsch´n“ in seiner bisherigen Form mit Hallenbad, Sauna und Freibad einsetzt, hatte die Rathauschefin noch eine Empfehlung parat: „Prüfen Sie sorgsam, ob das Begehren überhaupt rechtlich zulässig ist. Nach meinen Erkenntnissen ist es das in der jetzigen Form nicht.“

Von Bernhard Jepsen

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