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Sparkasse Oberland zieht Bilanz aus dem vergangenen Jahr

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Von: Stephanie Novy

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Vorstand Sparkasse Oberland
Der Vorstand der Sparkasse Oberland ist zufrieden mit dem abgelaufenen Geschäftsjahr (v.li.): Markus Lanz, Thomas Orbig und Michael Lautenbacher. © Novy

Region – Bei der Sparkasse Oberland blickt man zufrieden auf das vergangene Jahr zurück. Waren doch wieder einige Rekordwerte zu verbuchen. Allerdings sorgte ein Gerichtsurteil für reichlich Frust.

Einiges ist ganz anders gekommen, als gedacht. Das musste der Vorstands-Vorsitzende der Sparkasse Oberland, Thomas Orbig, bei dem Bilanzgespräch zugeben. Die Pandemie hatte die Welt auch 2021 noch fest im Griff. Die Bundestagswahl im Herbst hatte einen anderen Ausgang, als noch Anfang des Jahres vermutet. Und die Negativ- und Niedrigzinsen sind geblieben. All dies hatte auch Auswirkungen auf die Sparkasse Oberland.

Und dennoch: Schaut man sich die Bilanz genauer an, gibt es wohl wenig Grund zum Klagen. Ganz im Gegenteil. Die Bilanzsumme erreichte 3,4 Milliarden Euro und ist damit zum Vorjahr um 5,5 Prozent angestiegen. Dabei ergibt sich ein relativ ausgeglichenes Verhältnis zwischen den bilanzwirksamen Einlagen der Kunden (2,58 Milliarden Euro) und den an Kunden ausgegebenen bilanzwirksamen Krediten (2,53 Milliarden Euro).

Das traditionelle Sparbuch hat schon seit Langem ausgedient. „Die Kunden haben sich noch nie so viel um Alternativen gekümmert“, schildert Vorstandsmitglied Michael Lautenbacher die Entwicklung. Hoch im Kurs scheinen Wertpapiergeschäfte zu sein. Jeder vierte Kunde der Sparkasse Oberland habe mittlerweile ein Depot. Besonders beliebt seien „weltweite Portfoliomixe“ gewesen, „um Chancen nicht liegen zu lassen“, die sich auf Märkten außerhalb Europas ergeben, wie Lautenbacher erklärte. Das große Interesse an dieser Anlageform habe zum „erfolgreichsten Wertpapierjahr der Sparkasse Oberland“ geführt. Rund 18 800 Wertpapiersparverträge verzeichnete die Sparkasse Oberland 2021. Der Wertpapierumsatz ist im vergangenen Jahr von 291 Millionen auf 369 Millionen Euro angestiegen. Parallel ging das (Gesamt-)Depotvolumen um 25 Prozent auf 827 Millionen Euro rauf.

Lautenbacher gab zudem einen Ausblick fürs laufende Jahr. In Kooperation mit der Deka Investment GmbH soll mit dem Oberland WeltInvest ein hauseigenes Fondskonzept aufgelegt werden. „Kern des Fonds“ sei es, dass dieser „nachhaltig ausgerichtet“ ist und die Handhabung für Kunden soll so einfach wie möglich gehalten werden. Aktuell befindet sich das Fondskonzept noch im Zulassungsverfahren.

Ein Boomjahr

Während das Bauspar-Geschäft im vergangenen Jahr laut Vorstandsmitglied Markus Lanz „eher verhalten“ war, verzeichnete man in Sachen Immobilien erneut ein „Boomjahr, das durch das niedrige Zinsniveau weiter beflügelt wurde“. 60 Objekte mit einem Marktvolumen von etwa 45 Millionen Euro hat die Sparkasse Oberland vergangenes Jahr vermittelt. Hinzu kommen noch 45 Objekte im Geschäftsgebiet, die erfolgreich vermietet wurden.

Im gleichen Sektor liegt das Baufinanzierungs-Geschäft. Hier wurden circa 850 Kreditanfragen genehmigt und bearbeitet. Private Immobilienkäufe in der Region konnten somit mit Kreditzusagen in Höhe von rund 258 Millionen Euro realisiert werden (2020: 232 Millionen Euro).

Da kam die Nachricht im Januar dieses Jahres, dass die Förderprogramme der staatlichen KfW für energieeffiziente Gebäude mit sofortiger Wirkung eingestellt werden, vollkommen überraschend. „Dass die KfW über Nacht eine Förderung streicht, das haben wir noch nie erlebt“, meinte Lanz. Deutschlandweit waren Schätzungen zufolge um die 50 000 Bauvorhaben betroffen. Darunter freilich auch Kunden der Sparkasse Oberland.

Für „graue Haare“ sorgte aber noch eine ganz andere Entscheidung. Nämlich das Urteil des Bundesgerichtshofes von Ende April. Darin heißt es, dass alle Kunden von Banken und Sparkassen aktiv AGBs, dem Preis- und Leistungsverzeichnis sowie sämtlichen Sonderbedingungen zustimmen müssen. Bisher war es so, dass zum Beispiel bei Änderungen der AGB die Kunden darüber informiert wurden. Sie konnten diesem stillschweigend zustimmen – indem sie schlicht nicht darauf reagierten – oder der Änderung aktiv widersprechen. Jetzt muss die Sparkasse Oberland von jedem einzelnen ihrer fast 93 680 Kunden aktiv eine Zustimmung einholen. „Verwaltungstechnischer Irrsinn“ nennt Lautenbacher das. Sowohl für das Geldinstitut als auch für die Kunden. Von denen haben bisher mehr als 80 Prozent dem neuen Bedienungswerk zugestimmt. Das heißt, es fehlen aber immer noch einige. Das Problem: Nicht jeder Kunde versteht, warum ihm das Regelwerk zugeschickt wird und was er damit tun muss. Denn die Sparkasse Oberland hat unter anderem als Kunden auch Bewohner in Pflegeheimen, die es teils kognitiv nicht nachvollziehen können, oder ausländische Bürger, bei denen es eine Sprachbarriere gibt.

Erfreulichere Nachrichten gibt es derweil beim Thema Nachhaltigkeit. Im „ökologischen Bereich“ hatte die Sparkasse Oberland zunächst noch „Nachholbedarf“, wie es Orbig formulierte. Im Rahmen der Selbstverpflichtung für klimafreundliches und nachhaltiges Wirtschaften setzte sich das Geldinstitut deshalb das Ziel, bis 2035 CO2-neutral zu werden. Konkrete Maßnahmen sind dafür bisher unter anderem: der Bezug von Strom aus 100 Prozent Wasserkraft, die Anschaffung zweier Elektro-Transporter sowie eines Elektro-Kastenwagens und die Schaffung einer Teilzeitstelle für eine Nachhaltigkeitsmanagerin.

Digital geht‘s auch

Die Pandemie hat sich auch 2021 wieder bemerkbar gemacht. Allerdings, so Lanz, sei man „in Summe ganz gut durch Corona gekommen“. Einen „riesen Schub“ habe es im Bereich der Digitalisierung gegeben. So wurde zum Beispiel die Videoberatung weiter entwickelt. Dafür musste nicht nur die technische Infrastruktur ausgebaut, sondern zudem die Mitarbeitenden entsprechend geschult werden.

Aber auch für die Kunden gab es Webinare. Die Online-Schulungen rund um das Online-Banking mit der Sparkassen-App wurden gut angenommen, weshalb es im laufenden Jahr neue Termine geben soll.

Dass das Interesse an den medialen Kanälen vonseiten der Kunden groß ist, macht sich auch beim Kundenservice-Center bemerkbar. Die 26 Mitarbeitenden haben im vergangenen Jahr knapp 155 500 Telefongespräche geführt. Das macht rund 3 000 Anrufe pro Woche und ein Plus von 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Weitere fast 14 990 Anrufe wurden durch einen Dienstleister in Halle bedient. Und nochmal etwa 22 880 Anrufe wurden über das Sprachportal ELSA entgegengenommen. Die Nutzung der Internetfiliale hat sich um 13 Prozent auf gut 8 980 Kontakte erhöht. Hier war erstmals auch der Chatbot Linda aktiv. Ebenfalls neu ist der zweite Standort des Kundenservice-Centers in Peißenberg-Wörth.

Ein großes Thema wird heuer die Fusion mit der Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen sein. Am 1. Juni ist es soweit. Dafür werden aktuell unter anderem intern die Prozesse vereinheitlicht und neue Arbeitsstrukturen festgelegt. Die Zusammenführung der beiden Häuser, die sogenannte „technische Fusion“ erfolgt am 22. und 23. Oktober dieses Jahres.

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