Spaßbremse oder Gesundheitsschutz? – Weilheimer Jugendliche diskutieren mit Politikern über die 95-Dezibelgrenze

Jugend meets Politiker: Die anwesenden Musiker diskutieren mit Vertretern der Stadt und des Landkreises über die 95-Dezibelgrenze. Foto: Stangl

„Seit es die 95-Dezibelgrenze im Landkreis Weilheim-Schongau gibt, ist in Weilheim und Umgebung abends nichts mehr los“, sagen die einen. „Besuche von lauten Rockkonzerten schädigen das Gehör dauerhaft und müssen durch eine Dezibelgrenze gesundheitlich vertretbar werden“, sagen die anderen. Seit einigen Jahren gibt es im Landkreis die 95-Dezibelgrenze und ebenso lange schwelt der Streit um diese.

Um darüber zu diskutieren, haben sich am vergangenen Montagabend Jugendliche, Tontechniker und Vertreter der Stadt und des Landkreises im Weilheimer Jugendhaus „Come in“ eingefunden. Bürgermeister Markus Loth hielt sein Versprechen, das er im Rahmen der On3-Südwild-Sendung, die in Weilheim aufgezeichnet wurde, gegeben hatte und stellte sich den Fragen der Jugendlichen. „Ich weiß, dass dieses Thema unter den Nägeln brennt, doch wir wollen keine Spaßbremse bei Parties sein, sondern uns für den Gesundheitsschutz einsetzen“, betonte Loth und fand Unterstützung bei Landrat Dr. Friedrich Zeller, der sich gespannt auf den Schlagabtausch zeigte. „Nachdem Jugendliche Hörschäden durch Weilheimer Konzerte erlitten, mussten wir einschreiten und die Dezibelgrenze einführen“, erklärte Gesundheitsamtleiter Dr. Karl Breu und bemerkte, dass 25 Prozent der Jugendlichen Gehörschädigungen durch zu laute Musik erleiden. Die Grenze von 95 Dezibel sei durch gesundheitliche Aspekte hergeleitet worden. Seither wird auf Musikveranstaltungen im Landkreis gemessen, ob der Wert im Schnitt eingehalten wird. Wertüberschreitungen seien laut einem Vertreter vom Amt für Immissionschutz eher rückläufig, betroffen seien dann aber vor allem Livekonzerte. So war die Rocknacht im Januar viel zu laut, das Amt musste mehrmals einschreiten. Der Tontechniker der Veranstaltung bemerkte hierzu, dass es bei Rockkonzerten nun einmal nicht leise sei und dass die Besucher das auch wüssten. „Die Dezibelgrenze ist ein Eingriff in die künstlerische Freiheit von Musikern“, merkte er an. Diese Entscheidung hätte mit Musikern und Tontechnikern gemeinsam getroffen werden müssen, um den klangästhetischen Aspekt miteinzubeziehen. „Wie soll eine Band noch gut klingen, wenn diese illusorische Grenze eingehalten werden muss?“, fragten sich die anwesenden Tontechniker und Musiker und forderten einen Grenzwert von 99 Dezibel. „Messen Sie denn auch Blaskapellen auf dem Volksfest?“, fragte eine Jugendliche, denn Blaskapellen seien schon akustisch sehr laut. Zeller räumte ein, dass dies bisher nicht getan wurde und versprach, auch hier zu messen. Außerdem soll der Wert von 95 Dezibel durch die Bundesärztekammer noch einmal überprüft werden, und der Messpunkt durch einen Fachkreis von Tontechnikern und Amtsvertretern neu diskutiert werden, um eine gemeinsame Lösung für Ämter, Techniker und Musiker zu finden.

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