Langer Atem gefragt

SPD-Bundestagskandidatin spricht mit Pro Bahn Oberbayern Vorsitzenden

Bahngleis
+
Beim Ausbau der Bahn-Infrastruktur ist noch Luft nach oben. Nördlich von Murnau fehlt beispielsweise die Zweigleisigkeit.
  • Stephanie Novy
    VonStephanie Novy
    schließen

Region – Das Thema Bahnfahren ist so eine Sache in der Region. Es lässt sich wohl nicht leugnen, dass da noch eine Menge Luft nach oben ist, was Verbesserungen angeht. Das wurde auch in einem Onlinegespräch zwischen dem Vorsitzenden von Pro Bahn Oberbayern Norbert Moy und der Bundestagskandidatin der SPD Sigrid Meierhofer deutlich.

Mit Hartnäckigkeit habe man schon viel erreicht, sagt Moy. Doch „manchmal ist man mit der Geduld am Ende“. Seit 23 Jahren ist Moy nun Vorsitzender von Pro Bahn Oberbayern. Wie immer wieder berichtet, setzt er sich unter anderem für eine Verbesserung des Schienenverkehrs in der Region ein. Auch die Reaktivierung der Fuchstalbahn ist ihm ein Anliegen. In den gut zwei Jahrzehnten konnte Moy mit seinen Mitstreitern durchaus schon Erfolge verbuchen. So zum Beispiel bei der Taktung der Fahrpläne. Doch es scheint, als wäre die Unterstützung von Seiten der Politik ebenfalls ausbaubar. „Auf Bundesebene sind wir immer wieder auf Widerstand gestoßen“, so Moy. Man werde da auch schnell als „Spinner“ abgetan. „Man sollte sich davon nicht beeinflussen lassen.“ Auch die Argumente, die von Politikern gerne angebracht werden, scheint Moy schon unzählige Male gehört zu haben. Ein Klassiker: „Das ist nicht wirtschaftlich.“

Nachdem 2021 in Europa das Jahr der Schiene ist, sollte die Politik doch einen guten Anlass haben, mehr für diese Art der Beförderung zu tun. Doch die Arbeit von Pro Bahn scheint weiterhin eine Herausforderung zu sein. Es geht wenig voran. Nördlich von Murnau fehle zum Beispiel die Zweigleisigkeit. Doch an diesem Thema „beißen wir uns die Zähne aus“. Auch für eine Zweigleisigkeit Richtung Garmisch und Mittenwald plädiert Pro Bahn. Zudem pocht der Verein auf ein „vernünftiges Angebot“ für die Werdenfelsbahn. Doch viel tut sich in dieser Hinsicht nicht. Gerade bei letzterem wird wohl so schnell nichts geschehen. Bundestagsmitglied Alexander Dobrindt (CSU) sieht laut Moy „keinen Bedarf für den Ausbau der Werdenfelsbahn“.

„Das kann man nicht als Verkehrswende bezeichnen“, urteilt die SPD-Direktkandidatin für den Wahlkreis Weilheim/Garmisch-Partenkirchen. Und Moy stimmt ihr zu. Es sei ein „schwieriges Terrain, weil Bund und Länder sich gegenseitig den Schwarzen Peter zuschieben“. Und überhaupt: Schnell gehe in diesem Bereich sowieso nichts. „Es braucht einen langen Atem.“

Im Bundesverkehrswegeplan würde der Straßenbau bevorzugt. Für die Schiene gebe ab und an neue Bahnsteige „aber das ist kein Luxus“, macht Moy deutlich. Vielmehr handele es sich um fällige Instandhaltungen. Der Pro Bahn-Chef fordert, für die Schiene ähnlich viel Geld in die Hand zu nehmen, wie für die Straßen.

Langer zäher Kampf

Auch das Thema Fuchstalbahn kommt auf. Hier ist laut Moy der Freistaat zuständig. Doch die Reaktivierung sei eine „Mission Impossible“, macht er wenig Hoffnung, dass sich in dieser Sache in naher Zukunft etwas tut. Die vorgeschriebenen Kriterien zur Reaktivierung seien „unüberbrückbare Hürden“. Zudem gebe es keine Finanzierungsmittel für Bahnen, die nicht in der Hand der DB sind. Moy prognostiziert einen „langen zähen Kampf“. Er hoffe mit der Landtagswahl 2023 auf eine „politische Rahmenänderung“.

Bei Themen wie der Fuchstalbahn scheinen die Erfolgsaussichten also nicht so wahnsinnig gut zu sein. Doch es muss sich doch etwas anderes tun lassen. Meierhofer fragt deshalb nach den „wichtigsten Stellschrauben in der Verkehrsleitung“. Moy fällt da als erstes das 365 Euro Ticket ein. Ganz nach dem Vorbild Wien. Dort sei es sehr erfolgreich. Was auch damit zusammenhänge, dass in der österreichischen Hauptstadt die Taktungen und Linien verdichtet wurden, während gleichzeitig eine „rigorose Parkraumbewirtschaftung“ betrieben werde. Das Mittel zum Erfolg ist demnach ein gutes und billiges ÖPNV-Angebot.

Aber nicht nur die Preishöhe muss stimmen. Moy sagt auch: „Das Preissystem muss einfacher werden.“ Fast überall in Deutschland gebe es Verbünde, die ein Tagesticket für weiträumige Regionen anbieten. Hier in der Region bleibt den Fahrgästen nichts anderes übrig, als „ganze Listen durchzugehen“, um zu erfahren, wo sie welches Ticket benötigen. Das sich da etwas ändern muss, „predige ich gebetsmühlenartig“, sagt Moy. Gerade für Urlaubsregionen sei das wichtig. Deshalb hoffe er, dass es was mit dem Anschluss an den MVV wird. Meierhofer kann als Ex-Bürgermeisterin von Garmisch-Partenkirchen ein Lied davon singen. Dort brauche man teils drei verschiedene Tickets. Die Politikerin begrüße es deshalb, dass sich der Landkreis Garmisch-Partenkirchen am MVV-Gutachten beteiligt (wir berichteten). Doch schon jetzt seien Stimmen laut, dass es zu teuer werde. Moy versteht diese Kritik nicht. Man solle doch erstmal abwarten, „was wirklich an Kosten auf uns zukommt“. Zumal er erinnert: „Was kosten uns die Straßen?“ Es zeigt sich also, es ist noch einiges zu tun in Sachen Schienenverkehr. Dabei gibt es auch einiges an Widerstand. Meierhofer spricht von „Lippenbekenntnissen“, eine Finanzierung für die einzelnen Projekte sei derzeit nicht gegeben. Wie könnte die Mobilität also in 20 Jahren aussehen, will Meierhofer da noch wissen. „Ich glaube schon, dass sich was tun wird“, sagt Moy. Der Druck werde schließlich immer größer. Doch der Pro Bahn-Chef warnt auch vor „vielen Scheinlösungen“. Phantasien wie Lufttaxis seien allemal für „die oberen 10 000“ interessant. „Das ist keine Lösung für die täglichen Verkehrsprobleme.“

Autos werde es auch in Zukunft geben, dass scheint für Moy außer Frage zu stehen. Allerdings sieht er Mobilität als Service: Car Sharing, bedarfsgesteuerte Busse, Radlparkplätze an den Bahnhöfen. Die große Frage dabei: „Wie komme ich einfach von Haustür zu Haustür?“ Die Verkehrsmittel müssten aufeinander abgestimmt werden, einheitliche Tickets das Ganze vereinfachen. Dadurch, so ist sich Moy sicher, würde Unabhängigkeit und Freiheit entstehen. Wer kein eigenes Auto mehr hat, muss sich schließlich auch keine Gedanken mehr um Winterreifen, Inspektionen und Reparaturen machen. Für Moy kann all das aber nur unter einer Prämisse gelingen: „Es hängt davon ab, ob wir als Gesellschaft dem Kulturwandel offen gegenüberstehen.“

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Lass Zeit am Lech“- Wunderschöne Ferienwohnungen im Lechtal am Fuße der Jöchelspitzbahn, ideal für Sommer und Winter.
Weilheim
„Lass Zeit am Lech“- Wunderschöne Ferienwohnungen im Lechtal am Fuße der Jöchelspitzbahn, ideal für Sommer und Winter.
„Lass Zeit am Lech“- Wunderschöne Ferienwohnungen im Lechtal am Fuße der Jöchelspitzbahn, ideal für Sommer und Winter.
Tödlicher Verkehrsunfall in Eschenlohe
Weilheim
Tödlicher Verkehrsunfall in Eschenlohe
Tödlicher Verkehrsunfall in Eschenlohe
Gemeinderat sucht nach Alternativen für Weg zum Eibenwald
Weilheim
Gemeinderat sucht nach Alternativen für Weg zum Eibenwald
Gemeinderat sucht nach Alternativen für Weg zum Eibenwald
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Weilheim
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding
Neues Corona-Schnelltestzentrum in Oderding

Kommentare