Stadtpfarrkirche braucht eine neue Orgel – Aufruf zu Spenden und Infofahrten

Reparaturmöglichkeiten ausgereizt

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Die Orgel der Stadtpfarrkirche verliert ihre Stimme. Dr. Ulrich Bracker, Pfarrer Engelbert Birkle und Jürgen Geiger beim Ortstermin.

Weilheim – Beim ersten Hinhören im Gottesdienst wird der Laie beim Blick auf die Orgel und ihr Spiel nichts Außergewöhnliches feststellen.

Doch im Inneren des 1970 erbauten Werkes rumort und pfeift es. Nach den bisher erfolgten Umbauten und Renovierungen in den Jahren 1985/1988/1989/1998/1999 und zuletzt nach der Kirchenrenovierung 2004 bis 2006 sind die Reparaturmöglichkeiten ausgereizt. In einem Pressegespräch präsentierten Kirchenmusiker Jürgen Geiger, Dr. Ulrich Bracker und Pfarrer Engelbert Birkle die ernüchternden Urteile von Sachverständigen.

„Es gibt grundsätzliche Mängel, wie den Windabfall und dadurch ausgelöste Stimmungsprobleme. Dazu kommen schwergängige Wellenbretter, die Ventilgrößen stimmen nicht. Die verwendeten Materialien sind von schlechter Qualität. Das Pfeifenmaterial ist ausgereizt. Salopp gesagt: Aus einem Spatz kann man keine Nachtigall machen“, urteilte der amtliche Orgelsachverständige im Bistum Augsburg Stefan U. Kling bereits 2016.

Ähnlich drastisch fällt die Meinung von Prof. Dr. Michael Hartmann vom Januar 2017 aus. „Das Instrument ist seit meinem letzten Konzert nicht besser, sondern problematischer geworden. Das Schwellwerk schreit. Die Zungen klingen derb und ungehobelt. Die faktisch ans Ende gekommenen Verschleißteile lassen eine grundlegende, teure Überarbeitung nicht geboten erscheinen. Das Instrument als solches ist der Stadtpfarrkirche sowie der Kreisstadt Weilheim als spirituelles und künstlerisches Zentrum des Pfaffenwinkels nicht angemessen“, stellte er fest.

„Kurz, wir brauchen eine neue Orgel“, leitete Dr. Ulrich Bracker das Pressegespräch ein. Kirchenmusiker Jürgen Geiger hatte vor dem BR-Gottesdienst im März 2017 bereits Albträume bezüglich der Orgel erlebt. „Es waren immer Heuler dabei, die ich überspielen musste“, erinnerte er sich. Nach ersten Schätzungen rechnen die Experten mit Kosten bis zu einer Million Euro für einen Neubau. Er soll nach dem festen Willen der Kirchenverwaltung besser, haltbarer und funktioneller werden und mindestens die nächsten 200 Jahre halten.

Bislang sind etwa 25 Prozent der Kosten durch private Spenden und eine Förderzusage aus dem Orgelfonds der Diözese Augsburg gedeckt. Drei Viertel der Summe müssen in den nächsten zwei bis drei Jahren noch aufgebracht werden. Gelingt das nicht, verliert die stadtbildprägende Kirche über kurz oder lang ihre Stimme. „Es muss uns mit Hilfe der Bürger gelingen“, so das Gremium. Die ersten Ideen gibt es schon.

Unter anderem werden für Interessierte Fahrten zu anderen Orgeln angeboten, damit sie sich ein Bild machen können, wie Orgeln aussehen und klingen können. Die ersten Fahrten stehen fest. Am 16. Juni geht es in die Kirche St. Stephan in Mindelheim; am 30. Juni zu Maria Himmelfahrt in Landsberg sowie am 28. Juni in das Orgelmuseum in Valley (Nähe Rosenheim). Anmeldung unter Tel. 0881/2287.

Gesammelt werden soll auch beim Internationalen Weilheimer Orgelsommer, der am Sonntag, 27. Mai, beginnt. Wer einen persönlichen Beitrag leisten möchte, kann sich im Pfarrbüro oder bei der Kirchenverwaltung melden sowie seine Spende auf das Orgelkonto der Sparkasse Oberland überweisen. Kontoverbindung: IBAN DE27 7035 1030 0000 3539 04.

Von Georg Müller

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