Wohlige Regionalität

Stadtwerke planen im Nordosten von Weilheim erstes Nahwärmenetz der Stadt

Symbolfoto: Hände halten Hackschnitzel.
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Im Nordosten Weilheims soll ein Nahwärmeversorgungsnetz entstehen. Geheizt werden soll primär mit Hackschnitzeln.
  • VonAntonia Reindl
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Weilheim – Bei den Stadtwerken ist derzeit einiges los, nichts im Argen, sondern im Gange. Zwei zukunftsweisende Projekte halten sie gerade auf Trab. Man plant ein innovatives Energiekonzept für das Schon-bald-Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße. Und mehr noch: Im Nordosten der Stadt soll ein Nahwärmeversorgungsnetz entstehen. Über Letzteres sprach in der jüngsten Sitzung des Klimaausschusses Stefan Sendl vom gleichnamigen Peißenberger Ingenieurbüro.

Ja, die Frage ist durchaus berechtigt, mit welcher die Stadtwerke ihre Pressemitteilung beginnen. „Bald noch mehr Klimaschutz vor Ort?“, heißt es da. Und man möchte ohne großes Überlegen mit einem Ja antworten. Schließlich planen die Stadtwerke bereits für das künftige Neubaugebiet nördlich der Geistbühelstraße auf eine nachhaltige Wärme-, Kälte- und Stromversorgung zu setzen. Nun soll auch noch im Nordosten der Stadt, nördlich der Krumpperstraße, östlich der Olympiastraße bis zum Narbonner Ring, Nachhaltigkeit einen hohen Rang erhalten. Dort soll das erste Nahwärmenetz der Stadt entstehen. Nicht aus purem Klimaschutz-Aktionismus heraus, der Bedarf ist schlichtweg da. Es seien zahlreiche Nachfragen nach einer solchen Versorgung eingegangen, berichtet Stadtwerke-Chef Peter Müller in der jüngsten Klimaausschusssitzung.

Geplant ist, die Wärmeerzeugung primär über Holzhackschnitzel erfolgen zu lassen. Die Feuerungsanlagen werden laut Ingenieur Stefan Sendl mit regionalem und naturbelassenem Holz versorgt werden, rund 4 900 Schüttraummeter Hackschnitzel im Jahr. Die regionale Verfügbarkeit sei vorab von den Lieferanten bestätigt worden, berichtet der Fachmann für energietechnische Analysen. Auf die Hackschnitzel geht man auch bei den Stadtwerken näher ein, in der Pressemitteilung, in der es heißt, dass das Holz für die Hackschnitzel „auch aus dem Stadtwald“ und aus „regionalem Grünschnitt“ gefertigt werden können. „Als Redundanz und für die Spitzenlast soll Erdgas beziehungsweise Biomethan eingesetzt werden“, wird Stadtwerke-Prokurist Karl Neuner in dem Schreiben zitiert. Und man zeigt sich ambitioniert. „Bei unserer Nahwärmeversorgung sollen bereits von Anfang an mindestens 75 Prozent der Wärme über nachwachsende Rohstoffe erzeugt werden“, so Neuner.

Standorte bereits im Blick

Als möglicher Standort für eine Heizzentrale wird unter anderem der Parkplatz an der Krumpperstraße, dort, wo auch ein Parkhaus geplant ist, anvisiert. Weitere Plätze für eine Zentrale wären neben dem im Parkhaus auch der Bereich Kranlöchel – so steht es in der Sitzungsvorlage. Bei großem Interesse könnte das Netz aber noch ausgedehnt werden, betont Sendl, der mögliche Bürgersorgen in Bezug auf die Emissionen vorwegnimmt, wenn er sagt, dass „die Energiezentrale so errichtet werden soll, dass die Luftqualität besser wird“. Und die Luft könnte schon bald besser werden. Denn wenn alles planmäßig laufe, „könnten die ersten Häuser schon 2023 umweltfreundliche Nahwärme von uns beziehen“, so Stadtwerke-Chef Müller. Mit dem Bau der ersten Stahlrohrleitungen werde man voraussichtlich noch in diesem Jahr starten, „wenn wir in diesem Gebiet zusammen mit anderen Sparten verlegen können“, erklärt Neuner in der Pressemitteilung.

Im Klimaausschuss nutzen die Mitglieder die Gelegenheit, um sich zu dem Vorhaben zu äußern. „Gut, dass Sie auch bei der Holznutzung nachgefragt haben“, lobt Prof. Dr. Stefan Emeis (Grüne) Sendl und spricht von einem Gesamtnutzen für die Luftqualität als auch für das Klima. Wie attraktiv die Versorgung für den Abnehmer ist, will dagegen Manuel Neulinger (Grüne) wissen. „Wir müssen konkurrenzfähig sein“, betont Sendl und deutet an, dass die Preise ansprechend gestaltet sein sollten. In der Pressemitteilung der Stadtwerke findet sich Ähnliches. Darin heißt es: „Trotz der ziemlich diffusen Fördermittellandschaft könnten wir zahlreiche Fördergeldtöpfe von Bund und Land nutzen und eine umweltfreundliche und auch preislich attraktive Nahwärmeversorgung anbieten.“ Dass Nahwärme attraktiv für Abnehmer ist, glaubt Gerd Ratter (ÖDP) mit Blick auf die zu erwartenden Preissteigerungen fossiler Heizträger durch die CO2-Besteuerung. Dennoch will Ratter wissen, wie es in Zukunft aussehe und ob ein solcher Vorausblick „Kaffeesatzleserei“ sei. Auch nach energetischer Sanierungen bleibe der Bedarf an Wärme, antwortet Sendl. Abgesehen davon könnte man in dem Gebiet rückläufige Absätze „verkraften, ohne dass die Gesamtwirtschaftlichkeit gefährdet wird“. Schließlich, ehe sich das Gremium geschlossen für das Projekt ausspricht, will Saika Gebauer-Merx (FDP) noch wissen, ob Gewerbe und auch das Schwimmbad angeschlossen werden könnten. Der Ingenieur nickt, fügt aber aufs Schwimmbad blickend grinsend hinzu: „Das würden wir hinbekommen, an der Wärme scheitert’s nicht.“ Dann muss Sendl lachen – und ist dabei nicht allein.

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