Wasserkraft für den Klimaschutz

Stadtwerke Weilheim: Hürden für Kleinwasserrad

Zusammenkunft Projekt Kleinwasserrad
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Ingenieur Roland Orawetz (links) und Stadtwerke-Chef Peter Müller (2. v. re.) müssen noch das Wasserwirtschaftsamt Weilheim von ihrer Idee eines Kleinwasserrades am Stadtbach überzeugen. Von dem Projekt angetan sind bereits (v.li.) Bauverwaltungs-Leiter Manfred Stork, Andreas Scharli und Christiane Regauer (beide EWO) sowie Weilheims Klimaschutzmanagerin Katharina Segerer.
  • Stephanie Novy
    VonStephanie Novy
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Weilheim – Unermüdlich dreht sich das Wasserrad am ehemaligen Preisinger-Anwesen und liefert so grünen Strom für die Stadt Weilheim. Am Stadtbach soll ein zweites Kleinwasserrad entstehen – zumindest wenn es nach den Stadtwerken und der Stadt Weilheim geht. Grünen Strom für rund 20 Haushalte soll es dadurch geben. Das Wasserwirtschaftsamt ist von diesen Plänen jedoch noch nicht überzeugt.

Die Idee ist nicht neu. Bereits 2014 wurde mit der Projektplanung für das Wasserrad begonnen. Das berichtet Andreas Scharli von der Energiewende Oberland (EWO). Diese unterstützt das Vorhaben der Stadtwerke. Oberhalb des Feyerabendhauses (früher Seemühle) soll das Wasserrad entstehen. Besser gesagt ein oberschlächtiges Wasserrad, bei dem das Wasser von oben auf das Bauwerk stürzt. Dieses habe den „besten Nutzen“, wie Ronald Orawetz vom gleichnamigen Ingenieurbüro erklärt. Es ist ein geringer Durchmesser mit großer Breite geplant, zudem Schaufeln aus Stahlblech, die das Wasser auffangen. Orawetz geht davon aus, dass so um die 60 000 kWh (Kilowattstunden) pro Jahr generiert werden können. Damit lassen sich laut dem Ingenieur etwa 20 Haushalte mit Strom versorgen.

Sicherlich ist das kein riesiger Erlös. Doch die Stadt Weilheim hat sich in Sachen Klimaschutz ehrgeizige Ziele gesetzt. Bis 2035 soll die Kreisstadt klimaneutral sein. Um das zu erreichen, ist es sicherlich nicht verkehrt, an allen Stellschrauben zu drehen.

Um aber die Genehmigung für so ein Kleinwasserrad zu bekommen, müssen zunächst einige sogenannte wasserrechtliche Vorgaben aus dem Wasserhaushaltsgesetz erfüllt werden. Und genau hier hapert es noch.

Hier kurz vor dem Feyerabendhaus könnte ein Kleinwasserrad entstehen. Die Stadtwerke Weilheim müssen allerdings noch das Wasserwirtschaftsamt überzeugen.

Der beauftragte Ingenieur Roland Orawetz spricht den Schutz der Fische an. Viele sind im Stadtbach zwar nicht zu finden, aber kleinere Exemplare sind dort durchaus unterwegs. Unter anderem deshalb habe man sich gegen eine Turbine entschieden, die den Tieren zum Verhängnis werden würde. Vor dem Wasserrad würde durch eine Schwelle eine entsprechende Wasserhöhe erreicht, die den Fischen als Lebensraum dient.

Baulich sieht Orawetz auch keine großen Probleme. Der bereits bestehende Absturz werde ersetzt und breiter gestaltet. „Eine gravierende Beeinträchtigung des Baumbestandes“ sei nicht zu erwarten.

Laut dem Ingenieur bringt das Wasserrad einen entscheidenden Vorteil für die Anwohner mit sich: Der Lärmpegel könne dadurch gemindert werden. Orawetz habe selbst nachgemessen: Momentan erreicht das Getöse des Wassers am Absturz 70 Dezibel. „Ab 60 kann es bereits zu gesundheitlichen Schäden kommen“, warnt Orawetz. Mit dem Wasserrad könne der Lärm auf etwa 50 gedrosselt werden.

Soweit scheint also nichts gegen den Plan der Stadtwerke und der Stadt zu sprechen. Allerdings gibt es wohl wasserwirtschaftliche Bedenken. Wie der Abteilungsleiter für den Landkreis Weilheim-Schongau Bernhard Müller auf Nachfrage des Kreisboten angibt, sei der Hochwasserschutz das Problem. Bereits im Bestand gebe es Defizite. Auch durch das neue Bauwerk sei der Hochwasserschutz nicht gegeben.

Bei den Stadtwerken, der EWO und auch bei Ingenieur Orawetz herrscht Angesicht dieses Urteils Unverständnis. Letzterer erklärt, dass ein Freibord (Abstand zwischen dem Wasserspiegel und der Oberkante des Ufers) von 0,5 Metern eingehalten werde. Und das auch bei HQ 100; also dem Pegel eines Jahrhunderthochwassers. Zudem werde der Bachlauf von der Stadt saniert.

Es gebe mehrere Sicherheitsmechanismen, sagt Orawetz. Zunächst einmal seien an verschiedenen Messpunkten Pegel eingebaut, um die Füllhöhe des Baches stets überprüfen zu können. Das Wasser könne zudem seitlich über eine niedrige Schwelle oder oberhalb des Rads abfließen, so Orawetz. Mit einer Leerschussklappe könne das Wasser zudem unter dem Rad in bis zu dreifacher Menge abgeführt werden. Und zu guter Letzt verlaufe parallel zum Angerbach in der Straße ein Entlastungskanal beginnend von der Bärenmühle bis zur Stadtmühle. „Ein weiterer Sicherheitsaspekt“, berichtet Orawetz.

Ob sich die Stadtwerke samt Ingenieur und das Wasserwirtschaftsamt noch einig werden, wird die Zeit zeigen. Man sei im Gespräch, so Abteilungsleiter Müller. Und auch Scharli von der EWO sagt, am 5. Oktober stehe wieder ein Treffen mit der Behörde an. Wünschenswert wäre es aus ökologischer Sicht sicherlich, wenn eine Lösung gefunden werden würde.

Die Kosten schätzt der Geschäftsführer der Stadtwerke Peter Müller auf rund 250 000 Euro. Den Betrag würden die Stadtwerke investieren. Der erzeugte Strom müsste nach momentanem Stand ins Netz eingespeist werden. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) werden Vergütungen auf maximal 20 Jahre gewährt. Für die neue Anlage bekämen die Stadtwerke dann 12,15 Cent pro kWh. Bei einer Leistung von 60 000 kWh im Jahr kämen auf die zwei Jahrzehnte gerechnet rund 145 800 Euro zusammen. Keine immense Summe. Wobei ein höherer Betrag durchaus möglich wäre.

Nämlich dann, wenn die Stadtwerke den erzeugten Strom direkt vermarkten. Doch Geschäftsführer Müller verweist auf den anhaltenden Streit bezüglich der Herausgabe der Netze (wir berichteten). Aber egal was bei dieser Sache herauskommt. An den Plänen für das Kleinwasserrad wird das nichts ändern. Bei dem Projekt geht es schließlich in erster Linie um den Umweltaspekt.

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