Standortförderverein sieht Handlungsbedarf in Weilheim

Wirtschaft fordert mehr Dynamik

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Der Kaufkraftzufluss in Weilheim ist seit 2011 um 17 Prozent gesunken, der Gesamtumsatz im Weilheimer Einzelhandel im gleichen Zeitraum um fünf Prozent.

Weilheim – Der Wirtschaftsstandort Weilheim steht im bayerischen Vergleich insgesamt gut da. Aber es gibt auch Schattenseiten: Wohnraum und Gewerbeflächen sind knapp, Grundstücke und Immobilien vor allem für die einkommensschwächere Bevölkerung kaum noch erschwinglich.

„In der gewerblich-wirtschaftlichen Entwicklung fehlt es in Weilheim an Dynamik“, kritisiert Florian Lipp. Den Einzelhandel in der Innenstadt sieht der Vorsitzende des Standortfördervereins aufgrund empfindlicher Einbußen vor eine „Herkulesaufgabe“ gestellt.

Anfang 2014 hatte der Verein erstmals eine Strukturanalyse zum Wirtschaftsstandort Weilheim für die Jahre 2007 bis 2012 herausgegeben (wir berichteten). Standortförderer Stefan Frenzl hat das statistische Zahlenwerk nun aktualisiert und bis 2014 fortgeführt. Die Ergebnisse sollen demnächst dem Stadtrat präsentiert werden.

Lipp hofft, dass die politisch Verantwortlichen sie „als Informationsgrundlage für ihre Entscheidungen nutzen werden“. Man wolle mit der Analyse auch Probleme und Schwachstellen aufzeigen und sie intern für den Verein nutzen, so Lipp, weil sich daraus wirtschaftliche Entwicklungen und Trends ablesen lassen.

Wie Standortförderer Frenzl bei einem Gespräch mit Bürgermeister Markus Loth und Pressevertretern im Rathaus erklärte, griff er für die Analyse vor allem auf frei zugängliche Quellen, wie Agentur für Arbeit, Bayerisches Landesamt für Statistik und CIMA GmbH zurück. „Wir haben keine Daten eingekauft“, stellte Frenzl klar. Die elf in Grafiken aufbereiteten Indikatoren verglich Frenzl mit anderen Städten oder dem Bayerntrend und kam dabei zu folgenden Ergebnissen:

• Der wachsende Online-Handel führt zu Umsatz- einbußen im Einzelhandel. „Die Kundenfrequenz in der Innenstadt nimmt seit Jahren ab“, klagte Lipp. Umso wichtiger seien in dieser Wettbewerbssituation die gute Erreichbarkeit der Innenstadt und zentrumsnahe Parkmöglichkeiten.

„Die Parkgebühren sind ein Thema, worüber die Stadt mit dem Gewerbe kommunizieren muss“, wandte sich der Standortförderer an Bürgermeister Loth, der den jährlichen Wirtschaftsspiegel als ein In- strument zur Standortbestimmung grundsätzlich begrüßt. Die Analyse zeige laut Frenzl auch, dass die Einkaufsstadt Weilheim in den letzten vier Jahren bei der Kundschaft im Umland an „Sogwirkung“ verloren hat.

• Nach dem rückläufigen Trend in den vergangenen Jahren nahmen die Gewerbeanmeldungen und Gewerbesteuereinnahmen in Weilheim wieder leicht zu – allerdings zeitverzögert und geringer als in Städten vergleichbarer Größe.

Vereinsvorsitzender Lipp sieht hier die politischen Weichensteller in der Pflicht: „Wir brauchen ein zusätzliches Gewerbegebiet, um die Gewerbesteuereinnahmen langfristig sichern zu können.“

• Weilheim ist ein wichtiger zentraler Arbeitsort und ein begehrter Wohnort in einer Region mit Vollbeschäftigung. In dem Mittelzentrum arbeiten 9 700 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Mit 435 Beschäftigten je 1 000 Einwohner befindet sich Weilheim im Vergleich zu Starnberg, Penzberg, Landsberg und Garmisch-Partenkirchen im Mittelfeld. „In den Vergleichsstädten war die Dynamik in den Jahren 2010 bis 2014 allerdings größer“, entnahm Lipp der Wirtschaftsanalyse des Standortfördervereins, der für die Interessen der Weilheimer Wirtschaft eintritt.

• Jeder zweite in Weilheim beschäftigte Arbeitnehmer kommt von auswärts. Über die Hälfte pendelt zur Arbeit aus der Kreisstadt aus, ein Drittel davon in den Großraum München.

„Weilheim wird als Wohnort geschätzt“, leitete Standortförderer Frenzl aus der dazugehörigen Grafik ab. Vereinschef Lipp verwies in diesem Zusammenhang auf die Notwendigkeit guter Bahnanbindungen und das Schaffen von neuem Wohnraum.

• Von 2013 (21 957) auf 2014 (22 275) hat sich die Einwohnerzahl in Weilheim um 1,5 Prozent erhöht. Lipp wertete das Wachstum als „gutes Zeichen“ für die Stadt.

• „Ein zweites Hotel mit modernen Seminarräumen würde Weilheim gut tun. Auch die örtliche Geschäftswelt könnte davon profitieren“, kommentierte Frenzl den Rückgang bei den Übernachtungszahlen (2013 auf 2014: minus 4,8 Prozent).

von Maria Hofstetter

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