Bruder Jonathan nimmt CSU auf "Sightseeing-Tour" mit – Feuerwehrkapelle mit furiosem Auftritt

Peißenberg muss schöner werden

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Michael Hosse (ganz li.) übernahm für den erkrankten Ortsverbandsvorsitzenden Walter Wurzinger das Anzapfen beim CSU-Starkbierfest – dann wurde mit der mehr oder wenigen trinkfesten Politprominenz angestoßen. V. li.: Vize-Rathauschefin Sandra Rößle, Andrea Jochner-Weiß, Alexander Dobrindt und Harald Kühn.

Peißenberg – Wenn die Peißenberger CSU zu ihrem Starkbieranstich einlädt, dann ist die Hütte regelmäßig voll. Am vergangenen Samstag war es wieder soweit. 250 Besucher wollten sich weder den dunklen Gerstensaft noch das Derblecken entgehen lassen.

Kurz vor 19.30 Uhr verkündete CSU-Vize-Ortschef Michael Hosse, ein gebürtiger Nordrhein-Westfale, in leicht abgewandeltem bayerischen Dialekt: „O´azapft is.“ Das Spektakel konnte beginnen.

Gespannt war die Starkbiergemeinde auf den Premieren-Auftritt von Bruder Jonathan alias Johnny Birkner. In eine Mönchskutte gehüllt und ohne Redemanuskript betrat der Hobby-Kabarettist den Post-Saal. Das war mutig, ging aber schon nach den ersten Pointen schief. Birkner hatte einen Texthänger und musste seinen Auftritt unterbrechen. Ein paar Minuten später ging es dann mit Textblättern ausgestattet weiter.

Alles halb so schlimm, schließlich liest selbst die „Mama Bavaria“ am Nockherberg ihre Rede nur ab. Viel interessanter war, was Jonathan inhaltlich zu sagen hatte. „Peißenberg muss schöner werden“, lautete eine der Botschaften des Mönchs. Stationen für eine Sightseeing-Tour unter dem Motto „Peißenberg und seine Hässlichkeiten“ gebe es derzeit genügend. Jonathan verwies auf die Finsterwalder-Ruine und die brachliegenden Hutterer-Gärten. „Schade, dass Ihr die Turnhalle schon saniert habt´s, die hätte gut in die Tourplanung reingepasst“, spöttelte Jonathan – und: „Die Rigi-Rutsch´n dürft Ihr nicht so schnell herrichten“, schließlich würde ja sonst wieder eine Tourstation wegfallen.

Freilich: Nicht jede Pointe in Jonathans Auftritt war ein Brüller, aber Birkner bewies, dass er das kommunalpolitische Geschehen hintersinnig und lustig verpackt analysieren kann – zum Beispiel als er die „Standardsätze“ von Bürgermeisterin Manuela Vanni aufs Tapet brachte. Die Liste reichte von „Das wollt´ ich auch gerade sagen“ über „Das hab´ ich mir auch gerade gedacht“ bis hin zu „Wir sind da grad dran“ und – bei weniger dringenden Fällen – „Da muss man mal kucken“. Auch über das geplante Gewerbegebiet-Ost sinnierte Jonathan durchaus treffend: „Ja, die Bauernzunft ist in Peißenberg noch mächtig. Da wurde das Fell des Bären schon verteilt, bevor er geschossen wurde.“

Höhepunkt des Starkbierfestes war wieder einmal der Auftritt der Hohenfurcher Feuerwehrkapelle. Vor den Sprüchen von Frontmann Jürgen Fischer blieben weder das Publikum („Wenn der Peißenberger etwas begreift, dann grölt er rum und pfeift“) noch die versammelte Politprominenz um Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und Landtagsabgeordneten Harald Kühn verschont. Letzterem empfahl der Kappellmeister in Anspielung auf seinen Parteikollegen einen Brillenwechsel, damit´s vielleicht doch irgendwann einmal für ein Ministeramt reicht. Und Dobrindt? Der sei es ja eigentlich gewesen, der hierzulande die AfD gegründet habe, schließlich heiße es: „Alle für Dobrindt.“ Und dann bekamen die beiden Herren anhand des lobenden Beispiels von Landrätin Andrea Jochner-Weiß noch wegen ihrer asketischen Trinkgewohnheiten die Leviten gelesen: „Herr Dobrindt und Herr Kühn, die Frau trinkt in einer anderen Literklasse. Die hat die erste Halbe schon runtergelassen.“

„Starke" Sprüche

Bruder Jonathan: „Die Peißenberger möchten die Haftpflicht auch noch bezahlt haben.“ (Zu Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt und dessen Maut-Konzept mit der Gegenrechnung der KfZ-Steuer).

„Der Rießenberger Stefan möchte Bürgermeister werden – und die Peißenberger wollen ihn nicht. Vielleicht sollte man ihm mal zwei Wochen auf Probe geben – und es muss ja nicht ganz Peißenberg sein. Vielleicht gibt man ihm Windkreut, da kann er nichts kaputt machen.“

Jürgen Fischer, Feuerwehrkapelle Hohenfurch: „Ihr Haus in Hohenfurch wurde verkauft. So ein Glück, jetzt kommt sie garantiert nicht mehr zurück.“ (Über Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni) „Jeden Donnerstag Fackelschwimmen. Ab jetzt nicht mehr.“ („Werbespruch“ für die „Rigi-Rutsch´n“)

„Beim Feiern ist sie groß, beim Umarmen macht sie uns atemlos.“ (Über Landrätin Andrea Jochner-Weiß).

Von Bernhard Jepsen

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