TSV steckt in Finanznöten – Hallenzuschuss gekürzt: Weilheims größtem Sportverein fehlen 35 000 Euro

Die Taschen sind leer. „Wir werden es hinbekommen, aber die Qualität wird leiden.“ Weilheims TSV-Präsident Dieter Pausch am neuen Sportzentrum. Foto: Hofstetter

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MARIA HOFSTETTER; Weilheim – 35 000 Euro, woher nehmen? Über diese Frage grübeln die Funktionäre des TSV. Denn die stattliche Summe muss Weilheims größter Sportverein aufbringen, wenn er die drei Turnhallen des Landkreises nächstes Jahr im bisherigen Um- fang nutzen will. Am 28. November wird der Vereinsrat entscheiden, wie es 2012 weitergehen soll. Als „sehr prekär“ bezeichnet TSV-Präsident Dieter Pausch die finanzielle Lage des 3 900 Mitglieder zählenden Vereins, der im Jahr mit 15 Abteilungen auf rund 20 000 Hallennutzungsstunden kommt. Die Nachricht über die Zuschusskürzung habe den TSV mitten in der Finanzierungsphase für sein Sportzentrum getroffen. Sämtliche Rücklagen seien in den Neubau investiert worden. Trotz Krise sei die Stimmung im Verein aber konstruktiv. „Das Problem wird solidarisch angepackt“, ist Pausch überzeugt. Zwei Gründe sind ausschlaggebend für das finanzielle Problem, das der Vereinsführung Kopfzerbrechen bereitet: – Der Landkreis, zuständig für die Turnhallen in Gymnasium, Berufsschule und Jahnhalle, hat zum 1. September die Benutzungsgebühren von 8,70 auf 9,60 Euro/Stunde erhöht. Wie René Jakob, im Landratsamt für die Liegenschaften zuständig, dem Kreisboten erklärte, ist die vom Kreistag beschlossene Gebühr längst nicht kostendeckend: „Der Energieaufwand für den Unterhalt der Hallen ist in den letzten zwei Jahren stark gestiegen.“ Der tatsächliche Stundensatz liege bei 18 Euro. – Zur Konsolidierung des städtischen Haushaltes legte der Weilheimer Hauptausschuss am 14. Juli 2010 einstimmig fest, die Nutzungsgebühren für landkreiseigene Hallen durch ortsansässige Vereine nur noch mit 50 Prozent (bisher 100) zu bezuschussen. Das gesamte Sparpaket zur Sanierung des Haushaltes wurde am 30. September 2010 im Stadtrat verabschiedet. In einem Sportgespräch am 11. Oktober 2010 wurden die Vereinsvorstände laut Stadtkämmerer Christoph Scharf über die Kürzungen informiert. Während eine Reihe anderer Sparmaßnahmen – wie Anhebung der Grundsteuerhebesätze, Parkgebühren und Hundesteuer – bereits Anfang 2011 umgesetzt wurden, erhielten die Sportvereine ein Jahr Aufschub. „Damit sie entsprechend reagieren können“, begründet dies Scharf. An der Reduzierung der Zuschüsse, die den TSV am härtesten trifft, führe kein Weg vorbei, betont der Kämmerer und argumentiert: „Die Stadt hat bisher 100 Prozent für die Fremdnutzung landkreiseigener Hallen bezahlt. Der Status quo ist ein Jammern auf hohem Niveau.“ Während TSV-Präsident Pausch von einem „sehr guten Verhältnis zur Stadt Weilheim“ spricht, fühlt sich der Verein beim Landratsamt „nicht unbedingt als größter Kunde behandelt“. Die neuen Verträge und Gebührenerhöhungen kämen „knüppeldick“ daher und zu Kreistagsbeschlüssen werde der Verein nicht gehört, moniert Pausch. Wieviel Hallenzuschuss gewähren andere Kommunen? Ein direkter Vergleich ist wegen der unterschiedlichen örtlichen Gegebenheiten schwierig, stellte sich bei der Recherche heraus. Der TSV Schongau bezahlt laut seinem Vorsitzenden Johannes Rauch für die Landkreishallen je Stunde und Einheit 9,60 Euro. Dazu kommt eine jährliche Nutzungspau- schale für die städtische Dreifachturnhalle von 5 000 Euro. Dafür schießt die Stadt für das Eisstadion 65 000 Euro im Jahr zu. „Kein Verein kann sich heute mehr auf öffentliche Zuschüsse verlassen“, das weiß auch Rauch. Die Penzberger Vereine können die Hallen zurzeit kostenfrei nutzen, war von Josef Siegert aus dem städtischen Sportreferat zu erfahren. Doch eine Änderung zeichnet sich bereits ab. So wurde das Sportreferat vom Stadtrat aufgefordert, das Bezuschussungssystem zu überprüfen und Vorschläge für eine finanzielle Beteiligung der Vereine zu erarbeiten. „Das wird ein heißes Thema“, kündigt Siegert an. „Noch im Land der Glückseligen“ wähnt sich Peißenbergs TSV-Präsidentin Petra Maier. Dem Verein wird die Benutzung der Hallen (an der Glückauf-Turnhalle ist der Landkreis mit 45 Prozent beteiligt) nicht in Rechnung gestellt. „Der Breitensport wäre sonst in dieser Größenordnung nicht möglich“, steht für Peißenbergs TSV-Chefin fest. Dass bei den Hallenzuschüssen jede Gemeinde ihr eigenes Süppchen kocht, zeigt sich auch in Murnau, wo die Vereine mit einem Halleneuro pro Stunde zur Kasse gebeten werden. Die restlichen Kosten übernimmt der Markt. Zurück nach Weilheim: Einnahmen erhöhen und eisern sparen heißt jetzt die Devise beim TSV, der versucht, seine Aktivitäten von den landkreiseigenen (gebührenpflichtigen) Turnhallen in die (kostenlosen) von Ammer-, Hardt- und Röntgenschule zu verlegen. Die sind aber nach Pauschs Worten „bereits proppevoll“. Bei den Öffnungszeiten der Geschäftsstelle muss ebenfalls der Rotstift angesetzt werden. Zum Generieren der fehlenden 35 000 Euro nennt Pausch zwei Lösungen: entweder den Betrag solidarisch auf alle TSVler umlegen, was eine Erhöhung des Mitgliedsbeitrages um zehn Euro zur Folge hätte, oder pro Mitglied fünf Euro Hallensoli sowie einen Hallennutzungsgebührenaufschlag erheben. An der Beitragsschraube möchte der TSV-Chef äußerst ungern drehen, „weil sich dann manche Eltern die Sportbeiträge für ihre Kinder einfach nicht mehr leisten können“. In den 19 Abteilungen des TSV Weilheim sind 117 ausgebildete Übungsleiter für eine geringe Aufwandsentschädigung im Einsatz. Ohne ehrenamtliches Engagement könnte der Verein sein breites Angebot nicht stemmen, unterstreicht Pausch. „Wir machen guten Leistungssport, unser Hauptaugenmerk gilt aber dem Breitensport.“ Der TSV leiste einen wichtigen Beitrag zur Jugendarbeit, aktuell sind 1 700 Jugendliche im Verein. Dass manche Aktivitäten mangels Geld nicht mehr durchführbar sind, macht den TSV-Chef ratlos: „Sind wir noch Sportförderer oder Sportverhinderer?“

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