Stellenabbau befürchtet – Rezession hat Metall- und Elektroindustrie im Oberland noch fest im Griff

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Bernhard Jepsen; Weilheim – Die Metall- und Elektroindustrie im Oberland ist schwer von der weltweiten Rezession betroffen. Wie eine halbjährliche Umfrage unter den 81 heimischen Mitgliedsunternehmen der Arbeitgeberverbände BayME und VBM ergab, wird die Ertragslage immer schwieriger und vermutlich ein weiterer Beschäftigungsabbau erfolgen. Während ein Großteil der Betriebe erst wieder ab 2010 mit einer konjunkturellen Entspannung rechnet, werden die Perspektiven für die nächsten Monate trotz der jüngsten Wachstumsprognosen als äußerst bescheiden eingestuft. „Mittelfristiger Optimismus bei kurzfristigem Realitätssinn, das bleibt unsere Linie“, erklärte Jürgen Müller, Vorstandsmitglied der BayME-Region Oberland, bei einer Pressekonferenz in Weilheim zur aktuellen Situation in der stark exportabhängigen Branche. Knapp 90 Prozent der Unternehmen bewerten das Geschäftsklima im ersten Halbjahr 2009 so schlecht wie noch nie seit Beginn der Umfrage vor neun Jahren. Über 28 Prozent der Betriebe gehen von Verlusten für das laufende Jahr aus und weitere 43 Prozent rechnen mit einer Rendite von lediglich unter zwei Prozent. „Das heißt, dass zwei Drittel der Metall- und Elektrounternehmen im Oberland eine international unzureichende Ertragslage haben“, verdeutlichte Müller die bedrohlichen Zahlen, die sich nicht nur negativ auf die Investitionspläne auswirken. „Trotz aller Bemühungen, die Belegschaft zu halten“ ist laut Müller ein weiterer Beschäftigungsrückgang „wohl unvermeidlich“. Nach den Ergebnissen der Umfrage befürchtet jeder zweite Betrieb, Stellen abbauen zu müssen, zusätzliche Jobs will hingegen in den nächsten Monaten kein einziges Unternehmen schaffen. 1000 Arbeitsplätze sind im Oberland seit dem Höchststand im November 2008 bereits verloren gegangen. 1000 weitere, so hieß es im Verlauf des Pressegesprächs, könnten noch folgen. Betroffen seien vor allem Zeitarbeiter und Arbeitnehmer mit befristeten Arbeitsverträgen. Um den Arbeitsmarkt zu stabilisieren, muss nach Ansicht der Arbeitgeber mittelfristig die Tarifpolitik neu ausgerichtet werden: „Wir brauchen einen Flächentarifvertrag, der noch stärker auf die allgemeine Konjunktur sowie auf Branchen- und Unternehmenskonjunk- turen Rücksicht nimmt“, betonte Ludwig Baur, der BayME- und VBM Geschäftsführer für München-Oberbayern. Auch bei der Weilheimer Blechbearbeitungsfirma „Günter Bechtold GmbH“ hat man auf den Umsatzeinbruch reagiert und das Personal um 20 Prozent auf nunmehr 62 Mitarbeiter reduziert. Auf die Einführung der Kurzarbeiterregelung konnte man laut Geschäftsführer Dietmar Ahl „zum großen Glück“ verzichten, da die „flexible Mannschaft“ beim Abbau von Überstunden bestens mitgezogen habe. Die Betriebe, die vor der Rezession „ordentlich unterwegs waren“, werden nach Ahls Prognosen „gut durch die Krise durchkommen“ und auch nicht von einer möglichen Kreditklemme betroffen sein: „Die Aufträge werden kommen. Es wird wieder anders“, zeigte sich Ahl trotz der ernüchternden Umfrage optimistisch. Im Vergleich zur rezessionsunerfahrenen Konkurrenz aus Osteuropa – „die kennen das noch gar nicht“ - sieht der Geschäftsführer die heimische Wirtschaft sogar im Vorteil. Allerdings müssten zu hohe Kapazitäten abgebaut werden und eine „Marktbereinigung“ erfolgen, „egal ob sie GM oder Opel heißen“.

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