Kritiker verweisen auf fehlende Transparenz, Befürworter auf die kulturelle Bedeutung

"Stoa 169" spaltet Polling

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Wer nicht rechtzeitig zur Info-Veranstaltung in die Tiefenbachhalle kam, musste sich mit einem Stehplatz begnügen.

Polling – Das von Bernd Zimmer initiierte Kunstprojekt „Stoa 169“ schlägt derzeit hohe Wellen. Auch bei der Infoveranstaltung, zu der die Gemeinde und der Künstler unter der Woche eingeladen hatten, wurde ausgiebig diskutiert. Die kritischen Stimmen hielten sich mit den befürwortenden Statements in etwa die Waage.

Wie sehr das Thema die Bürger beschäftigt, zeigte sich an der Resonanz für den Infoabend. Mit rund 600 Besuchern war die Pollinger Tiefenbachhalle brechend voll. Die Diskussion verlief weitestgehend sachlich und diszipliniert. Aufgrund der Vorgeschichte war das keine Selbstverständlichkeit. Viele Bürger, das wurde auch während des Infoabends deutlich, fühlen sich hintergangen. Gisela Seidler von den „Freunden der Natur“ kritisierte, dass die Planungen „massiv unter Verschluss gehalten“ und die Interessen eines Einzelnen über denen der Allgemeinheit gestellt worden seien. Von der Baugenehmigung habe die breite Öffentlichkeit erst aus der Zeitung erfahren. „Ich habe da ein anderes Demokratieverständnis“, erklärte Seidler. Zimmer und Pollings Bürgermeisterin Felicitas Betz versuchten die Geheimhaltung zu begründen. Der Künstler verwies auf die Planungssicherheit, die er für das Projekt gebraucht habe und seine „Nicht-Kompetenz“ in puncto „Öffentlichkeits- und Medienarbeit“. Es ärgere ihn im Nachhinein, dass er den Informationsbedarf falsch eingeschätzt habe. „Ab jetzt gibt‘s eine Informationsflut“, versprach Zimmer. Betz verwies auf eine Ermessensentscheidung, die der Gemeinderat in Bezug auf die nichtöffentliche Behandlung getroffen habe.

In der Diskussion zeigte sich erneut, dass die Kritiker nicht das Projekt per se ablehnen, sondern den Standort der 2 500 Quadratmeter großen Säulenhalle für ungeeignet halten. Während der dreistündigen Veranstaltung wurden die Flächenversiegelung, der Erhalt der unberührten Natur und landwirtschaftliche Interessen argumentativ ins Feld geführt. Auch wurde ein Bürgerentscheid vorgeschlagen, was rechtlich aber nicht möglich ist, weil die Erteilung der Baugenehmigung nicht in den Wirkungskreis der Gemeinde fällt. Zuständig dafür ist allein das Landratsamt. Und die erteilte Baugenehmigung ist unanfechtbar.

Die Befürworter hielten mit der Bedeutung von „Stoa 169“ dagegen: Hans Kleissl verwies auf die Kulturgeschichte Pollings und die liberale Gesinnung im Klosterdorf. Der Protest gegen „Stoa 169“ sei in Anbetracht dessen „traurig und beschämend“. „Kriegt euch ein und seid froh, dass hier so etwas entsteht“, appellierte der Oldtimer-Restaurateur an die Kritiker. Zimmer selbst beteuerte, dass „Stoa 169“ als „sehr bunte Halle“ geplant sei. Nur ein kleiner Teil des drei Hektar großen Geländes werde versiegelt, der Rest ökologisch aufgewertet. „Kultur und Natur sollen eine Einheit bilden“, so Zimmer. Derzeit seien weltweit bereits 104 Künstler dabei, ihre Säulen zu gestalten. In einer ersten Bauphase werde die Bodenplatte und in einem zweiten Schritt das Dach errichtet. Mit den Landwirten werde es eine Lösung geben, erklärte Zimmer, „ich werde die Säulenhalle zu 90 Prozent bauen.“

Von Bernhard Jepsen

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