Säulen wachsen in den Himmel

"Stoa169" fällt kleiner aus – Im Mai werden die ersten Kunstobjekte erwartet

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Noch ragen die Säulenkerne kahl empor, auf denen sich 121 Künstler aus aller Welt mit ihren Ideen einbringen können.

Polling – Der Feldweg, der ein Stück weit der Ammer entlang zur „Stoa169“-Baustelle führt, wird in diesen sonnigen Frühlingstagen gerne als Ausflugsziel genutzt. Den Spaziergängern, Joggern und Radfahrern bietet sich in idyllischer Landschaft auf einem Wiesengrundstück nahe des Ammerufers ein spektakuläres Bild: Für das „Stoa“-Kunstprojekt werden dort die Statiksäulen in Beton gegossen und aufgestellt.

Die Fundamentplatte ist fertiggestellt. Auf ihr wurden die Säulenkerne aus Beton und Stahl aufgebaut, über die dann später die eigentlichen Kunstwerke „von oben her eingefädelt“ werden, wie Initiator Bernd Zimmer auf Nachfrage erklärte. Mit dieser Bauweise sei sichergestellt, dass die statischen Auflagen erfüllt werden, die zur Abstützung des Betondaches, auch im Brandfall, gelten. Bei einem Vollbrand muss die Kunsthalle 30 Minuten standhalten, begründete Zimmer die massive Bauweise.

Die „Stoa169“, laut Zimmer „von KünstlerInnen aus aller Welt und drei Generationen getragen“, wird jetzt anstatt der ursprünglich geplanten 169 nur noch mit 121 Säulen gebaut. Warum? Zimmer äußerte sich zu diesem Schritt wie folgt: Der Ursprung der „Stoa169“-Idee liegt über 30 Jahre zurück. Im Laufe des langen, immer wieder unterbrochenen Planungs- und Entwicklungsprozesses war das Projekt mehrmals Änderungen unterworfen. Auf Vorschlag der Fachjury wurden 2017/18 über 200 Künstler aus allen Kontinenten zur Teilnahme eingeladen. Aus verschiedenen Gründen, wie hohes Alter, Zeitmangel – einige Künstler sind laut Zimmer mittlerweile sogar verstorben –, gab es Absagen, die sich auch auf der Konzept der Säulenhalle ausgewirkt haben. Das Kuratorium der „Stoa169“-Stiftung beschloss daraufhin, die Säulenzahl von 13x13 auf 11x11 zu reduzieren.

An der künstlerischen Qualität dieser „weltumfassenden Halle“ ändere sich dadurch nichts, betonte Zimmer. Mit der Reduktion, die „keinerlei wirtschaftlichen Hintergrund“ habe, könne auch der Umfang der Bauarbeiten eingeschränkt werden. Die Finanzierung des Projektes sowie sein nachhaltiger Betrieb seien gesichert. Auch die ursprüngliche Bezeichnung „Stoa169“ bleibt und an der ungeraden Säulenzahl wird festgehalten. Die Halle hat einen geometrischen Mittelpunkt, öffnet sich zu allen Seiten und kann von jedem Säulenzwischenraum aus betreten werden. Zimmer, der so gut wie täglich auf der Baustelle anzutreffen ist, spricht von einem „hochkomplexen Vorhaben“.

Die Corona-Pandemie stellt auch das „Stoa“-Projekt vor große Herausforderungen. So ist derzeit nicht absehbar, wann die Säulen aus Italien, Afrika, Australien, Polynesien und weiteren Teilen der Welt tatsächlich ankommen werden. Ab 11. Mai, so der ursprüngliche Plan, sollten die Kunstobjekte auf dem Landweg, per Schiff oder Flugzeug Kurs auf Polling nehmen. Die erste Säule, eine „Himmelstreppe mit falschem Rhythmus“ in Edelstahl, ist bereits eingebaut. Ihr Schöpfer ist der in Berlin lebende und schaffende Maler Karl Horst Hödicke, der als einer der wichtigsten Anreger der „Neuen Wilden“ (Malerei) gilt, zu denen auch der Pollinger Maler Bernd Zimmer zählte. Polling wird mit einer eigenen Säule vertreten sein.

Ende Juni, Anfang Juli rechnet Zimmer mit den Fertigbetonteilen für das Hallendach. Er erklärt: „Jedes Dachteil hat in der Mitte eine Aussparung, durch die Licht und Wasser hereinkommen. Das Wasser wird über die Kiesquadrate am Hallenboden wieder abgeleitet.“ Die Versiegelung des Bodens ist ein Argument, das die Projektgegner neben der Standortwahl und der mangelnden Information der Öffentlichkeit von Anfang an kritisieren.

Einige Künstler werden „an Ort und Stelle“ an ihrem Werk arbeiten. Andere wiederum schicken detaillierte Pläne, die von circa 20 Handwerkern aus der Region umgesetzt werden: Maurer, Metallbearbeiter, Schreiner, Steinmetz und Schnitzer sind mit der Ausarbeitung befasst. Läuft es nach Plan könnten Anfang September die ersten 81 Säulen eingebaut sein. Jede Säule wird mit Namensschild versehen. Eine App mit Informationen zu Künstler und Werk ist in Arbeit. Wie Zimmer in Aussicht stellt, werden „in der ersten Phase alle Kontinente vertreten“ sein.

Dass die Halle später einmal erweitert wird, schließt der Initiator (72) nicht aus: „...vielleicht eine Aufgabe für die nächste Künstlergeneration.“

Von Maria Hofstetter

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