Bund Naturschutz klagt gegen Fällaktion – Bürgermeister Grünbauer spricht von Skandal

Juristische Schlacht in der Pähler Schlucht

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Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer (kleines Foto mit Lageplan) möchte den Weg durch die Pähler Schlucht zum Wasserfall wieder sicher machen.

Pähl – Der Hirschberg und die Pähler Schlucht an der Bundesstraße 2 oberhalb der Gemeinde Pähl gehören für Naturfreunde zu den beliebtesten Ausflugszielen in der Region.

Vom Gipfelkreuz des Hirschbergs sieht man auf die Ammersenke und die Zugspitze, bei Föhn sogar bis in die Allgäuer Alpen. Und in der direkt angrenzenden Pähler Schlucht führt ein abenteuerlicher Wanderweg und späterer Trampelpfad durch den Wald mit zum Teil stark abfallenden Felsen bis zum 20 Meter hohen Wasserfall. Dabei muss man den Burgleitenbach überqueren. Wer auf den Trittsteinen ausrutscht, bekommt nasse Füße. Der Deutsche Alpenverein warnt sogar: „Der Weg zum Wasserfall ist nicht zu unterschätzen. Im hinteren Teil der Schlucht liegen Bäume quer, der Weg ist nicht in bestem Zustand.“

Davon konnten sich Medienvertreter bei einem Ortstermin überzeugen, zu dem Dr. Helmut Hermann und Hildegard Kosmann vom Bund Naturschutz sowie die Pähler Naturschützer Christine und Winfried Simon eingeladen hatten.

Schuld am schlechten und nicht ungefährlichen Zustand der Schlucht ist laut Bund Naturschutz eine Holzfällaktion der Waldbesitzerin Monika Scherping-Beck im Januar/Februar 2014, die angeblich viel umfangreicher als ursprünglich geplant ausgefallen sei. Wegen dieses „extremen Auflichtens“ hätten die Orkanstürme der letzten Jahre große Schäden angerichtet, wie die vielen umgeknickten und entwurzelten Bäume zeigten. Ohne den massiven Eingriff der Fällung hätte der Wald die Stürme viel besser überstanden.

Auslöser dieser Fällarbeiten war laut Dr. Hermann der Wunsch der Gemeinde Pähl nach einem Ausbau des Schluchtweges wegen Verklausungsgefahr, der Gefährlichkeit des Weges und dem Schutz der Wanderer vor umstürzenden Bäumen und Ästen.

Im „Waldreport 2016“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz BUND genannt, wird dieser Holzeinschlag sogar als Negativbeispiel aufgeführt. Hier wurde „eklatant und in mehreren Fällen“ gegen die Naturschutzgebietsverordnung verstoßen, heißt es da. Auch durch den „Rückeweg“ zum Abtransport der gefällten Bäume mit Harvestern seien massive Bodenschäden entstanden. Zitat: „Rücksichtslose Holzernte mit schwerem Gerät im Schluchtwald“. Dabei sind laut Dr. Hermann auch Kalktuffquellen beschädigt worden.

Wegen dieser Schäden und weil die Fällaktion angeblich nicht den Anforderungen für eine sachgemäße Waldbewirtschaftung entspreche, hat der BUND Bayern Strafanzeige gegen die Waldbesitzerin bei der Staatsanwaltschaft München II erstattet. Bei einem dazu von der Regierung von Oberbayern angeforderten Gutachten sollten die Belange vom Bund Naturschutz zwingend berücksichtigt werden, was Pähls Bürgermeister Werner Grünbauer einseitig und empörend empfindet. Und da dieses Gutachten scheinbar nicht wunschgemäß ausfiel, wurde ein zweites Gutachten in Auftrag gegeben, das jetzt vorliegt.

Den beteiligten Parteien und auch Bürgermeister Grünbauer wurde allerdings die Akteneinsicht bislang verwehrt. Werner Grünbauer dazu: „Aus meiner Sicht nicht nachvollziehbar. Kurios ist noch der Umstand, dass offensichtlich vom Umweltministerium oder der Regierung Unzufriedenheit über das Ergebnis des ersten Gutachtens besteht und hier erneut ein Gutachten erstellt werden sollte, obwohl dies keine Anforderung durch die Staatsanwaltschaft war.“ Grünbauer weiter: „Es ist offensichtlich, dass sowohl die Regierung von Oberbayern als auch Vertreter des Umweltministeriums hier eine einseitige Protektion des Naturschutzes auf Kosten des Steuerzahlers durchführen. Das ist ein riesiger Skandal und eine offene Verletzung der Neutralitäts- und Abwägungspflicht einer Behörde!“ Die Kosten der beiden Gutachten schätzt Grünbauer auf zwischen 50 000 und 100 000 Euro.

Hannes Zwölfer, der zuständige Förster für die Pähler Schlucht, ist trotzdem zuversichtlich, dass das neue Gutachten zugunsten der Waldbesitzerin ausfällt. Die beanstandete Fällaktion sei in Anbetracht aller Interessen wie Verkehrssicherheit der Wege, Wasserwirtschaft und fehlendem Rückewegenetz eine ganz normale und übliche Forstwirtschaft gewesen. Welche Konsequenzen die Waldbesitzerin erwartet – Bußgeld oder Einstellung des Verfahrens – steht noch in den Sternen.

Die Gemeinde Pähl möchte im Rahmen eines Gesamtkonzeptes den Weg durch die Schlucht wieder attraktiv und verkehrssicher machen, was aber bislang am Widerstand vom Bund Naturschutz und dem schwebenden Verfahren wegen der Fällaktion ausgebremst wird. Laut Dr. Hermann müsste der Zugang zur Pähler Schlucht gesperrt bzw. zumindest mit deutlichen Hinweisen „Auf eigene Gefahr“ versehen werden.

Gesperrt werden soll laut Dr. Hermann und Christina Simon auch der Trampelpfad über die Hirschbergwiese zum Gipfelkreuz. Der ökologisch wertvolle Hang ist als Biotop und Flora-Fauna-Habitat ausgewiesen. Durch die von der Gemeinde Pähl verwehrte „Mahd“ der Wiese sei nun deutlich zu sehen, wie hohes Gras und junge Eichen die raren Blütenpflanzen wie Enzian, Küchenschelle, Bienenragwurz oder Kalkaster verdrängen.

Bürgermeister Grünbauer betont in einer Stellungnahme, dass der Trampelpfad bleiben werde und dass der Gemeinde sehr wohl am Erhalt der artenreichen Magerwiese gelegen sei. Man arbeite aber noch einem Gesamtkonzept für Hirschbergwiese und Pähler Schlucht.

von Dieter Roettig

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