Stütze für Familien

Steigende Scheidungsraten und schärfere Konflikte in den Familien fordern die Mitarbeiter der Psychologischen Beratungsstellen in Weilheim, Schongau und Penzberg. „Wir arbeiten qualitativ und quantitativ an der oberen Grenze der Belastbarkeit“, fasst Mechthild Gödde zusammen. Vor dem Jugendhilfeausschuss stellte die Leiterin des Erziehungs- und Jugendhilfeverbundes (EJV) Oberland kürzlich den Jahresbericht 2007 vor.

In knapp der Hälfte aller Beratungsfälle wachsen die Kinder bei nur einem Elternteil auf. Doch nicht nur strittige Auseinandersetzungen infolge von Trennung und Scheidung belasten die Familien. „Schwierige Fälle“ mit durch Krankheit, Umzug und Arbeitslosigkeit oft mehrfach belastete Familien häufen sich und sind von den Beratern nur zusammen mit Kooperationspartnern wie Amt für Jugend und Familie, Kindergärten und Schulen zu lösen, betont Gödde im Gespräch mit unserer Zeitung. 990 Kinder, Jugendliche und Erwachsene (29 weniger als 2006 aber deutlich mehr als 2005) haben die zehn MitarbeiterInnen im vergangenen Jahr in den drei Beratungsstellen im Landkreis einzeln oder in Gruppen betreut. „Auf eine Vollzeitstelle“, rechnet Gödde, „kommen bei uns pro Jahr 166 Fälle“. Verglichen mit Starnberg (116 Fälle) und Landsberg (129) sei dies sehr viel. „Häufig wird auch zu zweit an einem Fall gearbeitet“, berichtet Gödde. In dem Beratungsteam arbeiten DiplompsychologInnen, DiplomsozialpädagogInnen, HeilpädagogInnen und Verwaltungs- kräfte mit. Die Beratung ist kostenlos, die Mitarbeiter stehen unter Schweigepflicht. Das „Kerngeschäft“ liegt für die psychologische Beratung in der Unterstützung von Eltern, Kindern und Jugendlichen: Wenn es daheim nur noch Zoff gibt, in der Schule nichts läuft oder sich die Eltern in der Erziehung nicht einig sind. Auch präventive Projekte wie Elternschule, Elterncafés, Trennungs- und Scheidungskindergruppen wurden durchgeführt. Ein verstärkter Einsatz wäre hier nötig, um Kindern aus Risikogruppen und ihren Eltern mit einem frühzeitigen, niederschwelligen Angebot helfen zu können, betont Gödde. Der Großteil der Ratsuchenden bekommt innerhalb eines Monats einen Ersttermin zur Beratung. „Meist schaffen wir das“, sagt Gödde, und „vieles kann schon vorab am Telefon geklärt werden“. In der personell am schlechtesten ausgestatteten Außenstelle Penzberg jedoch „muss die Hälfte der Familien länger warten“. Der vor Ort gestiegene Bedarf an Erziehungsberatung könne derzeit nicht befriedigend erfüllt werden, mahnt Gödde. Bei akuten Problemen könne sofort reagiert werden, doch seien hier andere Stellen wie das Amt für Jugend und Familie gefordert. „Wir sind keine Akutstation“, klärt Gödde auf, „sondern verstehen uns als eine Art psychologische Landarztpraxis“. Nach sechs Monaten ist die Hälfte der Beratungen, die durchschnittlich drei Sitzungen umfassen, abgeschlossen. Bei einem Viertel der Fälle sind allerdings mehr als zehn Zusammenkünfte in der Beratungsstelle erforderlich. Kinderschutz und Jugendfürsorge sind eine Aufgabe des Landkreises, der bei der Finanzierung der psychologischen Beratungsstellen in Weilheim, Schongau und Penzberg mit 71 Prozent den Löwenanteil stemmt. 19 Prozent der Kosten trägt die Regierung von Oberbayern, die restlichen zehn Prozent steuert die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Augsburg als freier Träger bei.

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