Interview mit Susann ENDERS, Freie Wähler, zur Bildungspolitik, zum Verhältnis zur CSU und zu einer denkbaren Regierungsbeteiligung der Freien Wähler

Susann ENDERS: „Bewährtes bewahren“

+
Susann ENDERS

Die Landtags-Kandidatin Susann ENDERS (Freie Wähler) setzt sich für die Beibehaltung bewährter Strukturen in der Bildung, für Tradition und Brauchtum ein. Susann ENDERS (Liste 3, Listenplatz 9) steht in ganz Oberbayern zur Wahl.

Frau ENDERS, Sie fordern ein Umsteuern in der Bildungspolitik und mehr Praxisnähe. Was meinen Sie damit?

Susann ENDERS: Die Schülerinnen und Schüler sollten aus meiner Sicht weniger Theorie lernen, sondern wieder mehr den Bezug zum wahren Leben bekommen. Die Bildungspolitik in Bayern setzt zu sehr darauf, möglichst viele Menschen aufs Gymnasium und zum Studieren zu schicken. Dabei wird viel zu wenig beachtet, dass unser Land nicht nur gut ausgebildete Akademiker dringend braucht. Ein guter Fensterbauer, Installateur oder Bäcker ist genauso wichtig wie ein guter Rechtsanwalt, Physiker oder Psychiater. Deswegen fordern die Freien Wähler seit vielen Jahren auch entsprechende Förderungen der handwerklichen Berufe – Stichpunkt „Meister-BAFÖG“.

Zu wenig Praxisnähe: Susann ENDERS, Freie Wähler, fordert ein Umdenken in der Bildungspolitik. Weniger Theorie, mehr Praxis - so lautet ihre Forderung.

Zu den Bildungszielen auf EU-Ebene zählt, dass mindestens 40 Prozent der 30- bis 34-jährigen einen Hochschulabschluss haben sollten. Laut den Eurostat-Zahlen von 2017 liegt Deutschland im europäischen Vergleich mit 34 Prozent weit hinter Ländern wie Frankreich (44 %), Griechenland (44 %), Spanien (41 %) oder Polen (46 %), ganz zu schweigen von Ländern wie Großbritannien (48 %) oder den nordischen Ländern.
Ich halte es für wichtig, dass alle Menschen, die sich für ein Studium eignen, auch unabhängig vom Geldbeutel ihrer Eltern studieren können. Daher haben die Freien Wähler 2013 mit einem Volksbegehren dafür gesorgt, dass auch Bayern die Studiengebühren wieder abgeschafft hat.
Es eignen sich aber längst nicht alle Menschen für ein Studium. Ich finde, dass unsere Gesellschaft gerade die praktischen Fertigkeiten, die ja vorbildlich unsere Mittelschulen unterrichten, mindestens genauso dringend benötigt. Diese Wertschätzung vermisse ich in der öffentlichen Wahrnehmung wie in der Bildungspolitik.

Das Bildungsziel „mindestens 40 Prozent Akademiker“ ist eine Forderung der OECD. Warum sind Sie in diesem Punkt so skeptisch? 

Susann ENDERS: Eine gute Bildung ist entscheidend für den beruflichen Erfolg. Dafür bin ich unbedingt, lege aber einen anderen Schwerpunkt: Was in der Diskussion bisher völlig außer Acht bleibt, ist unser Duales Bildungssystem, das eine äußerst praxisnahe Ausbildung auf sehr hohem Niveau ermöglicht. Es ist ein Erfolgsmodell, das wir beibehalten und sogar ausbauen sollten. Ich zitiere das Bundesbildungsministerium: „Die vergleichsweise niedrige (Jugend-)Arbeitslosigkeit in Deutschland wird unter anderem auf das am Arbeitsmarktbedarf orientierte duale Berufsbildungssystem hierzulande zurückgeführt.“

Susann ENDERS, Landtagskandidatin der Freien Wähler, spricht sich in diesem Video für ein Europa der Regionen aus.

Was muss sich ändern? 

Susann ENDERS: Bayern benötigt dringend mehr Lehrkräfte, um in kleineren Klassen besser unterrichten zu können und um die vielen Unterrichtsausfälle zu vermeiden. Die ungleiche Bezahlung der Lehrkräfte halte ich für ungerecht – warum sollte ein Gymnasiallehrer mehr Geld bekommen als ein Grundschul- oder Mittelschullehrer? Wir Freie Wähler kämpfen für gleichwertige Lebensbedingungen auf dem Land und wollen die bestehenden Schulen erhalten, um einen Schulbesuch in der Nähe zu ermöglichen. Bei den Unterrichtsinhalten darf aus unserer Sicht der Heimat- und Sachkunde-Unterricht nicht zu kurz kommen. Für uns ist Tradition und Brauchtum keine Folklore – sondern ein wichtiger Ansatz, um eine echte Integration in die Gesellschaft zu erreichen.

Susann ENDERS, Landtagskandidatin der Freien Wähler, betont in diesem Video, warum ihr Tradition und Brauchtum so wichtig sind.

Frau ENDERS, die Freien Wähler setzen sich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein. Warum? 

Anders wählen – ENDERS wählen
Susann ENDERS
ist die Landtags-Direktkandidatin der Freien Wähler im Stimmkreis Weilheim-Schongau. Im übrigen Oberbayern steht die VdK-Kreisvorsitzende über die Zweitstimme zur Wahl:
Liste 3, Platz 9.

Susann ENDERS: Weil sich die Meisterpflicht bewährt hat. Nehmen wir als Beispiel das Frisörhandwerk. Seit der Aufweichung der Handwerksordnung im Jahr 2004 hat die Zahl der Betriebe stark zugenommen, die nicht von einem Meister oder einer Meisterin geführt werden. Aktuell sind es bereits über 20 Prozent. Im Frisörhandwerk gibt es inzwischen sehr viele Unternehmen, die weder ausbilden noch als Kleinstbetriebe Umsatzsteuer bezahlen.

Diese Entwicklung sehe ich mit Sorge und ärgere mich darüber, denn es ist genau das eingetreten, was die Freien Wähler vorausgesagt hatten. Wir treten dafür ein, Bewährtes zu bewahren, auch und gerade in einem Europa, das aus unserer Sicht nicht zu einem Einheitsbrei verschmelzen darf. Die Meisterpflicht ist aus Sicht der Freien Wähler zum Beispiel im Frisörhandwerk dringend erforderlich, da durch eine falsche Behandlung etwa mit Chemikalien Gefahr für die Gesundheit droht.

Im Wahlprogramm der Freien Wähler steht ausdrücklich die Forderung, die Meisterpflicht wieder einzuführen. Wir Freie Wähler entnehmen jüngsten Äußerungen der CSU, dass wir diese Partei einmal mehr von unseren Vorschlägen überzeugen konnten. Wir bewegen die CSU.

Susann ENDERS, Landtagskandidatin der Freien Wähler, spricht über die angebliche CSU-Nähe der Freien Wähler. 

Warum sehen sich die Freien Wähler als "Anwalt der Selbstständigen, der kleineren und mittelgroßen Unternehmen"? 

Susann ENDERS: Weil diese mit Abstand am meisten für das Gemeinwohl leisten – in Form der allermeisten Arbeitsplätze, als Innovationsmotor, als Steuerzahler usw. Daher reicht die überfällige Änderung der Handwerksordnung bei weitem nicht aus. Wir fordern zudem eine Änderung der Steuergesetzgebung zugunsten der echten Leistungsträger unserer Wirtschaft: Wer in Deutschland sein Geld verdient, muss auch in Deutschland sein hierzulande verdientes Geld versteuern. Die Wirklichkeit zeigt, dass das gerade gut verdienende Großkonzerne nur zu einem sehr geringen Teil tun – weil es ihnen die Politik gestattet. Ob dies damit zusammenhängt, dass gewisse Parteien hohe Einnahmen durch Großspenden haben? Um unangemessenen Lobby-Einfluss zu unterbinden, haben die Freien Wähler als einzige Partei eine Spendenobergrenze von 20.000 Euro eingeführt. Zum Vergleich: An die FDP gingen allein 2017 satte 1,56 Millionen Euro NUR an Großspenden (= ab 50.000 Euro). Die Lebenserfahrung sagt: „Wer zahlt, schafft an.“

In diesem Video spricht Landtagskandidatin Susann Enders über die Alleinstellungsmerkmale der Freie Wähler: Beschränkung auf maximal 20.000 Euro bei Spenden, die Politik von unten nach oben und das Eintreten für den ländlichen Raum.

Einige Ihrer Forderungen richten sich an den Bundesgesetzgeber – z. B. die Änderung der Handwerksordnung, des von Ihnen scharf kritisierten Krankenhausstrukturgesetzes oder die Steuergesetzgebung des Bundes. Wie sehen Sie die Erfolgsaussichten von Bundesratsinitiativen im Fall einer Regierungsbeteiligung der Freien Wähler? 

Susann ENDERS: Das Land Bayern kann über Bundesratsinitiativen Gesetzesvorschläge auf Bundesebene einbringen. Erst vor einigen Wochen hat Bayern eine Bundesratsinitiative eingebracht, um die Ferkelkastration ohne Betäubung länger zu ermöglichen.

Die Änderung der Handwerksordnung ist eine KERNforderung der Freien Wähler, die wir in eventuellen Koalitionsverhandlungen auch mit sehr viel Nachdruck einbringen werden. Ob es dazu kommt, hängt entscheidend vom Wahlergebnis ab. Nach den aktuellen Umfragen wäre eine Koalition aus Freien Wählern mit der CSU durchaus im Bereich des Möglichen; eine Alleinregierung lehnt inzwischen eine breite Bevölkerungsmehrheit ab.

Über Gefahren und Chancen einer denkbaren Regierungsbeteiligung spricht Susann ENDERS, Freie Wähler. Die einflussreiche Sozialpolitikerin, stellvertretende Bezirksvorsitzende in Oberbayern, sieht darin vor allem eine Chance für Bayern.

Je mehr Stimmen die Freien Wähler bei der kommenden Landtagswahl erhalten, desto mehr Gewicht würde eine entsprechende Bundesratsinitiative bekommen. Als Krankenschwester weiß ich den Wert ehrlicher, harter Arbeit möglicherweise mehr zu schätzen als der eine oder andere Berufspolitiker. Sie haben mein Wort, dass ich mich für die Belange der arbeitenden Bevölkerung mit ganzer Kraft einsetzen werde. 

Jede Stimme für die Freien Wähler ist eine Stimme für das bayerische Handwerk, für eine bessere Bildungspolitik und gleichwertige Lebenschancen auch auf dem Lande!

Über die Gefahren von absoluten Mehrheiten spricht Susann ENDERS, Landtagskandidatin der Freien Wähler.

Auch interessant

Meistgelesen

Peißenberger schwer verletzt
Peißenberger schwer verletzt
Zusätzliche Züge
Zusätzliche Züge
Jetzt Antrag stellen
Jetzt Antrag stellen
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum

Kommentare