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Teil 2 der Ukraine-Reportage: Leben ohne Wasser und Strom

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Von: Max Müller

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Drei Personen befinden sich in einem vollgestellten Raum.
Die Flüchtlinge haben auf ihrem Weg nach Uschhorod viel durchgemacht. © Müller

Region – Im ukrainischen Uschhorod erzählten Kriegsflüchtlinge Redakteur Max Müller ihre Geschichten. Meist Geschichten von Tod, Zerstörung und Flucht.

Im ersten Teil der Ukraine-Reportage ging es um den langen Weg von Winterkleidung und Medizin aus dem Loisachtal nach Uschhorod. Der zweite Teil gewährt Einblicke in das Leben der Kriegsflüchtlinge vor Ort – teilweise ohne fließendes Wasser, Strom und Heizung. Es handelt sich bei den Berichten der Flüchtlinge um Erzählungen, die nicht durch eine zweite Quelle überprüft werden konnten.

Über Landstraßen und Kieswege geht es von Uschhorod zu einer 20 Minuten entfernten Flüchtlingsunterkunft. In dem schlecht isolierten Gebäude leben 26 Ukrainer – meist ohne fließendes Wasser, Heizung und Strom. Eng zusammengepfercht schlafen sie in Hochbetten und auf schmutzigen Matratzen. Die meisten Flüchtlinge sind bereits im fortgeschrittenen Alter zwischen 60 und 75 Jahren, doch auch fünf Kinder zwischen drei und 15 Jahren sind in dem alten Haus untergebracht. Als die Russen den Angriffskrieg begannen mussten sie ihre Heimat verlassen. Nun leben sie zusammen bei Uschhorod und teilen sich Essen, Decken und eine traumatisierende Vergangenheit.

Die Hölle unter der Erde

„Wir haben uns zu dritt 50 Tage lang in einem Keller versteckt, als die ersten Raketen einschlugen“, erzählt Iryna. Die 58-Jährige ist traumatisiert von den Erlebnissen in der Millionenstadt Charkiw. Zwar hat sie keine äußeren Verletzungen davongetragen, doch benutzt sie aufgrund einer psychogenen Lähmung nun eine Gehhilfe. Tagelang musste Iryna mit ihren beiden Weggefährten in besagtem Keller ohne Wasser auskommen, das wenige Essen wurde streng rationiert. „Für einen Tag haben wir uns zu dritt ein rohes Ei geteilt. Oft gab es auch kleine Mengen an altem Brot“, berichtet Iryna und dabei schießen ihr Tränen in die Augen. Auch das Trinkwasser wurde mit der Zeit knapp. Iryna erinnert sich, tagelang ohne etwas zu trinken in dem dunklen Gewölbe ausgehalten zu haben.

Auch Tetiana berichtet von den russischen Angriffen bei Charkiw: „Am 24. Februar begann mein Haus zu zittern wie bei einem Erdbeben. Ich versteckte mich sofort im Keller.“ Als das Beben verstummte und die Raketeneinschläge aufhörten, verließ die 65-Jährige ihren Keller. Das einzige was von ihrem Haus übrig war: Schutt und Asche. Die Raketenangriffe sind jedoch nicht alles, was die Kriegsflüchtlinge bei Charkiw erlebt haben. Laryga sah mit an, wie russische Soldaten eine Schule niederbrannten und ukrainische Kriegsdenkmäler zerstörten. „Die Russen waren grausam“, erzählt die 60-Jährige und auch ihr kommen die Tränen.

Raketenangriffe auf Bachmut

Nelya berichtet, was sich Ende Februar in Bachmut zugetragen hat. Dort toben auch heute noch erbitterte Kämpfe zwischen ukrainischen und russischen Truppen. „Die Sanitäter sammelten am ersten Tag überall Leichenteile auf. Arme. Beine. Mütter trugen ihre blutüberströmten Kinder durch die Straßen. Es war grauenvoll“, so die 77-Jährige. Überall in der Stadt lagen Raketenteile rum. Auf einem Stück stand geschrieben: „Das ist für die Kinder im Donbass.“ Der Donbass oder auch Donezbecken ist ein Industriegebiet, das auf ukrainischem und auch auf russischem Boden liegt. Seit der Annektierung der Krim im Jahr 2014 werden dort Kämpfe geführt. Darunter leidet vor allem die Zivilbevölkerung. Letztere leidet seit Februar doch nicht nur im Donbass. Sondern im ganzen Land.

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