Teilhaberat will Angebote für Menschen mit Behinderung anstoßen

Barrierefrei in den Köpfen

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Freudige Gesichter beim Teilhaberat des Landkreises, nachdem die Geschäftsordnung unterschrieben wurde.

Weilheim – Im Landkreis leben etwa 10 900 Menschen mit Behinderung. In Deutschland sind es 9,6 Millionen. Im März 2009 ist die UN-Konvention über die Rechte dieser Menschen in der Bundesrepublik in Kraft getreten. Diese soll nun auch durch den Teilhaberat im Landkreis umgesetzt werden.

Durch die UN-Konvention sollen sich alle Menschen in ihren individuellen Bedürfnissen anerkannt und wertgeschätzt fühlen. Keiner sollte wegen eines Handicaps eingeschränkt werden, waren sich alle Anwesenden einig, als der Teilhaberat des Landkreises am 25. Juli seine Geschäftsordnung im Landratsamt unterzeichnete. Die Handlungsempfehlungen gründen auf den Ergebnissen der wissenschaftlichen Begleitung durch die Universität Siegen von 2010 und den Zielen der Perspektivenkonferenz von 2011.

Die Teilhabe an der Gemeinschaft soll für alle Menschen selbstverständlich sein. In verschiedenen Bereichen will der Teilhaberat daher Verbesserungen für Menschen mit Behinderungen erwirken.

Ein großer Punkt ist dabei die Inklusion in Schulen. „Bei weiterführenden Schulen ist der Landkreis gut aufgestellt“, sagt Peter Pabst, Geschäftsführer des Beirates für Menschen mit Behinderung. „Vor allem bei den Grund- und Mittelschulen gibt es Handlungsbedarf“, ergänzt Renate Weihtrager-Degutsch, Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderung.

Auch das Wohnen ist für viele Menschen mit Behinderung ein Problem. Es gibt zu wenige Wohnungen, die barrierefrei sind, die vorhandenen sind oftmals viel zu teuer. Rollstuhlgerecht sind fast keine davon. Auch handelt es sich oft um kleine, altersgerechte Wohnungen für alleinstehende Menschen. Für Familien mit Kindern gibt es kaum passenden Wohnraum im Landkreis. „Mehr als drei Zimmer gibt es selten“, weiß Christine Kuisl, Vorstand des Beirats für Menschen mit Behinderung und Gründerin des Vereins Rolliwelten.

Eine „individualisierte Versorgung“ wünscht sich auch Beiratsmitglied Reiner Bauer. Es gebe eine Ballung von Menschen mit Behinderung. In Peiting seien es neun Mal mehr als beispielsweise in Eberfing. „Jeder hat seinen Ort zum Leben“, sagt Bauer. Doch gerade in ländlichen Gebieten sei das Leben mit Handicap oft nicht einfach. „In manchen Orten fährt nur einmal am Tag ein Bus und auch Einkaufsmöglichkeiten sind rar“, erklärt Weihtrager-Degutsch.

Nicht nur Rollstuhlfahrer sind betroffen, sondern auch viele andere Menschen. Die mit Sehbehinderung zum Beispiel haben außer Haus Probleme. „Man fällt immer mehr über Sachen drüber“, spricht Bauer aus Erfahrung. „Es passiert, dass ich auf einmal drei Stufen weiter unten stehe“, bemängelt er fehlende Blindenleitsysteme. „Wir brauchen Barrierefreiheit für alle und nicht nur für Rollis“, fordert er. „Aber vor allem müssen sich die Barrieren im Kopf abbauen.“ Auch der Bereich Arbeit ist ein zentraler Punkt für den Teilhaberat. „Beim Übergang von Schule in das berufliche Arbeitsfeld gibt es Lücken“, sieht Ingo Remesch, der zum Geschäftsführer des Teilhaberats ernannt wurde, Grund, etwas zu verbessern.

Die ersten Schritte, die der Teilhaberat nun gehen will, sind Arbeitsgruppen, insbesondere für die Bereiche Arbeit und Beschäftigung, vorschulische Bildung, Wohnen und barriere- freie Infrastruktur.

Von Ursula Gnadl

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