Krisendienst Psychiatrie ab sofort von 9 bis 24 Uhr erreichbar

Schnelle Hilfe für Betroffene

+
Bei der Pressekonferenz v. li. Ralf Gisbert, Selbsthilfe der Angehörigen psychisch Kranker Weilheim; Maria Majhera, Leiterin einer Mal- und Gesprächsgruppe SpDi Weilheim; Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern; Dr. Michael Welschehold, ärztlicher Leiter Leitstelle Krisendienst Psychiatrie, München und Peter Walter, stellvertretender Fachbereichsleiter psychiatrischer Bereich Herzogsägmühle und Vorsitzender Steuerungsverbund Psychische Gesundheit Weilheim Schongau.

Landkreis – Schnelle, wohnortnahe Hilfe – das verspricht das Angebot des Krisendienstes Psychiatrie für den Südwesten Oberbayerns.

Seit dem ersten April ist die Nummer (01806553000) auch für die Landkreise Weilheim-Schongau, Garmisch-Partenkirchen und Landsberg freigeschaltet. Für die Kosten in Höhe von rund 7,4 Millionen Euro pro Jahr kommt der Bezirk Oberbayern auf.

Um das Konzept der Öffentlichkeit vorzustellen, wurde zum Pressegespräch ins Café VerWeilheim geladen. Josef Mederer, Bezirkstagspräsident von Oberbayern, erläuterte das Konzept anhand von vier Säulen. Dabei spiele schon die „Säule null“ eine Rolle, da allein das Wissen um so ein Angebot auf die Menschen beruhigend wirken könne. Die erste Säule betrifft die Kontaktaufnahme des Betroffenen, der in einer seelischen Krise steckt, mit der Telefonzentrale in München. Vielen Menschen könnte schon am Telefon geholfen werden, da sie dort Gehör finden würden, so Mederer. Wenn danach für denjenigen noch Klärungsbedarf besteht, kann kurzfristig ein Termin mit einem wohnortnahen Therapeuten vereinbart werden, was die zweite Säule darstellt. Sollte der Betroffene aber noch schneller Hilfe benötigen kann ihn ein mobiler Krisendienst innerhalb einer Stunde zu Hause besuchen. Von 9 bis 16 Uhr sind dafür die Sozialpsychiatrischen Dienste (SpDi) zuständig. Danach übernimmt bis 21 Uhr der AWF-Dienst, der auch an Feiertagen und Wochenenden von 13 bis 21 Uhr in Rufbereitschaft ist. Die Teams bestehen aus zwei Personen, die entsprechende Ausbildungen haben und sind landkreisbezogen. Für Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen ist die Herzogsägmühle Träger der Sozialpsychiatrischen Dienste, in Landsberg übernimmt die Caritas diese Aufgabe. Sollten diese Maßnahmen nicht ausreichen, käme laut Mederer eine Einweisung in eine Klinik in Frage, was die vierte Säule umfasst. Der Bezirkstagspräsident empfahl, bei psychischen Krankheiten keine Hemmungen zu haben, sich Hilfe zu suchen. Schließlich hätte man das bei anderen Krankheiten auch nicht. „Jeder ist ein wertvoller Teil der Gesellschaft.“

Beim Gespräch anwesend war auch Maria Majhera, die selbst Psychiatrieerfahrungen gemacht hat und inzwischen eine Mal- und Gesprächsgruppe im SpDi Weilheim leitet. Sie hofft, dass anderen Betroffenen durch den Krisendienst negative Erfahrungen, wie sie sie erleben musste, erspart bleiben. Die Nummer 01806553000 ist täglich von 9 bis 24 Uhr erreichbar.

Von Sofia Wiethaler

Auch interessant

Meistgelesen

Märchenkönig hat Geburtstag
Märchenkönig hat Geburtstag
Faulturm, Stromspeicher und mehr
Faulturm, Stromspeicher und mehr
Zeitgewinn durch Warnsystem
Zeitgewinn durch Warnsystem
Ein Fest für Augen, Mund und Ohren
Ein Fest für Augen, Mund und Ohren

Kommentare