"Theater im Off" bringt Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer nach Weilheim

Subtiler schwarzer Humor

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Heinz Bösel (li.) begegnet dem eloquenten Kurt Fellner anfangs mit großer Skepsis.

Weilheim – „In Indien (...) essen sie fast nur Reis. Die sitzen auf der Straße, essen ein bisschen Reis, lachen dabei. Manche verhungern... Das muss irgendwie eine ganz eigene Landschaft sein.“ Mit diesem und ähnlichen platten Sprüchen versucht Kurt Fellner seinem Kollegen Heinz Bösel mit seiner pseudo-profunden Allgemeinbildung zu imponieren – und geht ihm dabei gewaltig auf die Nerven.

An einem trostlosen Wirtshaustisch sitzen die beiden Gastro-Kritiker zusammen, um ihrer Arbeit, der Bewertung von mittelmäßigen Gasthäusern in der tiefen Provinz des Bayerischen Waldes, nachzugehen.

Die räumlich Nähe zwischen Schauspielern und Publikum im „Stadttheater im Off“ führte neben der grandiosen Leistung der beiden Protagonisten Heiko Dietz (Bösel) und Uwe Kosubek (Fellner) dazu, dass ihre anfängliche gegenseitige Abneigung schier körperlich greifbar wurde. Während der wortkarge, schwerfällige Bösel lustlos auf den von ihm zu beurteilenden Schnitzeln herumkaut, sprudeln aus dem für die Prüfung der Gästezimmer zuständigen Fellner die Plattitüden nur gerade so heraus.

Wie sich aus dieser Ausgangssituation ganz allmählich zunächst über ein gegenseitiges Verständnis eine echte Freundschaft entwickelt, ist das große Thema dieser preisgekrönten und später verfilmten Tragikomödie von Josef Hader und Alfred Dorfer. Als typisch männlich mag es gelten, wenn erst ein gemeinsames Besäufnis notwendig ist, ehe sie sich einander öffnen, eigene Niederlagen und Fehler eingestehen. Im Laufe der Handlung finden sie zu Dialogen, die im chaotischen Wechsel zwischen oberflächlichen Banalitäten und tiefgründiger Absurdität brillieren: Angebliche kulinarische Köstlichkeiten anderer Kulturen, wie „warmes Affenhirn auf den Philippinen“, werden genauso ensthaft diskutiert wie die Frage nach der richtigen Bestattungsform. Hat man als Asche in der Urne weniger Platzangst denn als Leiche im Sarg? Oder ist ein Ei überhaupt noch ein Ei, wenn es zu Rührei verarbeitet wurde?

Letztlich können beide Männer nicht aus ihrer Haut heraus, wenn es darum geht, Mitgefühl zu zeigen. Als Fellner an Krebs erkrankt, zeigt sich Bösel als emotionaler Analphabet, der für seine Betroffenheit nicht die richtigen Worte findet. Seine Versuche, Fellner Trost zu spenden, scheitern kläglich. Der Hinweis auf Fortschritte der Medizin in den USA bei der Krebsbehandlung ist ebenso wenig hilfreich wie die Vermutung, dass die Diagnose nicht so gravierend sein könne, da der Chefarzt unmittelbar danach zum Heli-Skiing nach Kanada abgereist sei.

Wesentlich besser gelingt Bösel der Beistand, wenn er etwas für seinen neu gewonnenen Freund tun kann: Weintrauben mitbringen etwa oder ein Keyboard besorgen, um ihm damit seinen letzten Wunsch, ein Instrument spielen, zu erfüllen. Beklemmend rührend ist die Schlussszene, in der Bösel dem Verstorbenen das Keyboard in die Arme legt.

Mit lang anhaltendem Applaus bedankte sich das Premierenpublikum bei Schauspielern und Regisseurin Johann Hasse für die mitreißende Aufführung. Andreas Arneth, Koordinator des städtischen Kulturprogramms, hat die Münchner Produktion der Schnitzel-GbR für das „theater... und so fort“ nach Weilheim geholt. 

Von Maria Hofstetter 

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