Beim letzten Themenabend zur Entlastungsstraße stand der Naturschutz im Mittelpunkt

Erste Runde des Bürgerdialogs endet

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Moderiert von Arnold Vitez (Hendricks & Schwartz) fand der letzte Themenabend im Staatlichen Bauamt statt, bei dem Landschaftsarchitekt Ulrich Martini (zweiter v. re.) den naturschutzfachlichen Beitrag zur Voruntersuchung präsentierte. Mit im Bild vom Staatlichen Bauamt Leiter Uwe Fritsch (zweiter v. li.) und Andreas Lenker, Leiter der Abteilung Straßenbau Landkreis Weilheim-Schongau (re.).

Weilheim – Es war eine neue Idee, die offensichtlich den Nerv traf: Mit einem offenen Bürgerdialog ging das Staatliche Bauamt beim Planungsbeginn für eine Entlastungsstraße einen ganz neuen Weg und das Interesse aller beteiligten Gruppierungen bestätigte, dass dies offensichtlich der richtige ist. Auch zum letzten Themenabend kamen Vertreter aller geladenen Parteien, Verbände und Interessensgemeinschaften, um die naturschutzrechtlichen Einschätzungen des Büros Dr. Schober aus erster Hand zu erfahren.

Zunächst stellte Landschaftsarchitekt Ulrich Martini vom Büro Dr. Schober den naturschutzfachlichen Beitrag zur Voruntersuchung im Detail vor. In die Untersuchungen einbezogen waren der Umgriff aller möglichen Trassenvarianten, sowohl im Westen und Osten, als auch die Zentrumstunnellösung. Er wie auch Vertreter des Staatlichen Bauamts betonten in der anschließenden Diskussion, dass natürlich bei allen Varianten zugunsten naturschutzrechtlicher Belange immer auch Trassenverschiebungen möglich seien. Martini erläuterte die Abgrenzung des Untersuchungsraumes und die Datenerhebung, gab einen Überblick zum Bestand, zur FFH-Verträglichkeits- und zur artenschutzrechtlichen Abschätzung sowie zu den möglichen Projektwirkungen und Maßnahmen.

Die Diskussion teilte sich im Wesentlichen in drei Schwerpunkte: Welche Trasse greift weniger in die Natur ein? Welche Schutzgüter sind betroffen? Und wie sieht es mit dem Flächenverbrauch und einem möglichen Ökoausgleich aus?

Für die Schutzgemeinschaft Weilheimer Moos wies Dr. Reinhold Schuhmacher auf die vielen schützenswerten Tierarten im Weilheimer Moos hin – 180 Vogelarten, davon 22 Brutvogelarten, sowie eine Vielzahl seltener Schmetterlinge haben dort ihren Lebensraum. Die Frage nach einem Vergleich der Trassen unter naturschutzrechtlichen Gesichtspunkten warf Michael Lorbacher (SPD) auf. Wenngleich er einräumte, dass ein Tunnel natürlich nicht so stark in die Natur eingreifen würde, betonte Martini: „Es gibt nicht die eine Trasse, die ich empfehlen kann!“

Dass mittlerweile auch im ökologischen Bereich Abgeltung für Eingriffe in die Natur möglich ist, erklärte der Landschaftsarchitekt auf Frage des Referenten für städtisches Grün, Landwirtschaft und Forsten, Rupert Pentenrieder (BfW): „Man kann Punkte vom städtischen Öko-Konto an den Bund verkaufen.“ Im Namen des Bauernverbandes ergriff Peter Höldrich das Wort. Für die Landwirtschaft sei vor allem die Frage des Flächenverbrauchs von Bedeutung. „Ein Vorgängergutachten kam zu dem Ergebnis, dass im Westen keine Umfahrung möglich ist“, so Dr. Helmut Hermann (BUND), was er als „kein sauberes Vorgehen“ in Bezug auf die nun erarbeitete Voruntersuchung bezeichnete. Sowohl Martini als auch Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamtes, hielten dagegen, dass auf den Themenabenden eben gerade zusätzliche Informationen gesammelt werden sollten und die momentane Planungsstufe noch keine konkreten Trassierungen vorsehe.

Ulrich Martini erläuterte – auf Nachfrage von Brigitte Holeczek (BfW) – anhand der Kartierung nochmals, dass es in jedem Bereich, der von einer der möglichen Trassen betroffen ist, schützenswerte Güter aus naturschutzrechtlicher Sicht gebe, im Westen das Weilheimer Moos, im Norden und Süden die Ammer und im Osten den Dietlhofer See und das Gebiet Gögerl/Hechenberg. „Die Belangabwägung macht die Regierung und der Naturschutz ist nur einer dieser Belange!“, konstatierte er. An dieser Stelle brach Mona Helmenstein (BI „Weilheims Zukunft“) eine Lanze für das ihrer Ansicht nach zu wenig berücksichtigte Schutzgut Mensch. Und auch die veraltete Biotopkartierung, die der Voruntersuchung mit zugrunde lag, wurde kritisiert. Diesem Einwand von Irmingard Kemmer (Landratsamt) hielt Martini entgegen, dass die neue noch nicht freigegeben sei, allerdings seien Fachleute seines Büros vor Ort gewesen, um sich selbst ein Bild zu machen. Stefan Zirngibl (CSU) ging auf das mehrfach vorgetragene Flächenverbrauchsargument ein: „Ich habe das Gefühl, dass es bei uns einen guten und einen schlechten Flächenverbrauch gibt: Wenn wir einen Radweg bauen, ist er gut, wenn es eine Straße ist, schlecht!“

Das wird weiter passieren: Nach der Matrixbewertung wird sich das Staatliche Bauamt mit dem Bund als Geldgeber ins Benehmen setzen. Im Oktober sollen dann die Ergebnisse im Stadtrat vorgestellt werden. Die Erkenntnisse der Infomärkte und Themenabende will das Bauamt im Herbst für sechs bis acht Wochen in der Stadt präsentieren und danach plant man ein weiteres Treffen mit den beteiligten Gruppierungen der Themenabende.

Von Bianca R. Heigl

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