Events und Partys in der Tiefstollenhalle verärgern die Anwohner

Lärmende Partymeile ?

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Sind keine Gäste da, ist es erholsam ruhig rund um die Tiefstollenhalle.

Peißenberg – Rund 150 Veranstaltungen im Jahr, darunter zahlreiche Privatfeiern, laute Techno-Partys und Musikevents im großen Stil: Die Tiefstollenhalle und das Areal drum herum verkommen immer mehr zu einer lärmenden Partymeile.

Das zumindest behaupten die Anwohner, die sich Ende Juni in einem Beschwerdebrief an die Marktgemeinde gewandt haben – allerdings ohne Erfolg, wie sich in der folgenden Marktratssitzung zeigen sollte (wir berichteten).

Das Gremium wies den Antrag auf Nutzungsbeschränkung für die Tiefstollenhalle einstimmig und mit deutlichen Kommentaren zurück, was wiederum bei den Anliegern für großen Unmut sorgt: Trotz massiver Lärmbelästigung, so der Vorwurf, würden die Interessen der Anwohner von offizieller Seite schlichtweg ignoriert werden – und das schon seit Jahren.

Wortführer und nach eigener Aussage „einer der Hauptbetroffenen“ ist Dr. Josef Anzenberger, der im ehemaligen Steigerhaus am Tiefstollen wohnt. Der Mediziner will die Tiefstollenhalle als Kulturzentrum zwar keinesfalls infrage stellen, seiner Einschätzung nach sind die Anzahl, Dauer und vor allem die Lautstärke der Veranstaltungen jedoch aus dem Ruder gelaufen: „Die Veranstaltungen dauern oft bis vier Uhr in der Früh. Man kann nicht schlafen, und das setzt einem psychisch und physisch enorm zu.“

Anzenberger und seine rund 15 Mitstreiter fordern eine strikte Einhaltung der 95-Dezibel-Regelung respektive der Lärmschutzverordnung für die angrenzenden Wohngebiete. Kontrollen, so kritisiert Anzenberger, würden diesbezüglich jedoch keine stattfinden: „Bürgerschutz hat Vorrang vor Lärm, möchte man meinen. Aber in Peißenberg kann jeder machen, was er will.“

Sauer aufgestoßen ist den Anliegern vor allem das Oldtimertreffen Mitte Juni. Laut Anzenberger sei die Veranstaltung eine „amerikanische Roadshow“ gewesen, die dem ursprünglich mit dem Areal verbundenen Kulturauftrag nicht gerecht geworden sei.

Generell habe sich die Tiefstollenhalle in den letzten Jahren immer mehr zum Anziehungspunkt von lauten und kommerziell orientierten Musikveranstaltungen entwickelt. Den Grund sieht Anzenberger im finanziellen Vorteil: Obwohl die Gemeinde mit dem Betrieb ein jährliches Defizit einfahre, würde sie die Halle für „allerbilligstes Geld“ vermieten und den Veranstaltern „Profit auf Kosten der Allgemeinheit“ ermöglichen. In der Schlossberghalle in Peiting oder der Westtorhalle in Murnau würden zudem viel strengere Auflagen gelten und besonders laute Veranstaltungen erst gar nicht genehmigt. Die Rathausverwaltung nehme darauf keine Rücksicht: „Das ist entwürdigend, was mit uns Anwohnern gemacht wird“, echauffiert sich Anzenberger.

Von Bernhard Jepsen

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