Kreisboten-Serie: Ehrenamt ‒ Die Helfer im Verborgenen

Traudl Bauer leitet eine Brustkrebs-Selbsthilfegruppe

Traudl Bauer
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Traudl Bauer leitet eine Brustkrebs-Selbsthilfegruppe in Weilheim.
  • Ursula Gallmetzer
    VonUrsula Gallmetzer
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Raisting/Weilheim – Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Um sich über ihre ganz individuellen Erfahrungen auszutauschen, treffen sich in Weilheim regelmäßig Betroffene. Traudl Bauer hat die Selbsthilfegruppe vor acht Jahren ins Leben gerufen und leitet sie bis heute.

Als Bauer vor 13 Jahren in ihrer Brust einen Knoten ertastete, schwante ihr Schlimmes. Sie ging zum Arzt und sollte recht behalten: Es wurde Brustkrebs diagnostiziert.

Eigentlich stand die gebürtige Österreicherin mitten im Leben, war glücklich mit Mann und Sohn, arbeitete als Assistentin der Geschäftsführung in einem Unternehmen. Doch auf einmal fühlte sie sich hilflos und alleine. „Ich hab alles mit mir machen lassen“, erinnert sich die 65-Jährige heute zurück. Sie vertraute den Medizinern, doch die wirkliche Auseinandersetzung mit der Krankheit fehlte. „Ich wusste einfach nicht, was ich machen soll.“ Zunächst sah es auch gut aus. Doch dann der Schock: Acht Jahre nach dem ersten Tumor brach der Krebs erneut aus. Die Brust wurde amputiert. „Es war der einzige Weg, um mein Leben zu retten“, nahm Bauer diesen Weg für sich an.

An diesem Punkt wollte sie nicht nur mit Ärzten über ihre Erkrankung sprechen, sondern sich auch mit anderen betroffenen Frauen austauschen. Doch eine Selbsthilfegruppe gab es damals in Weilheim und Umgebung nicht. Kurzerhand wurde sie selbst aktiv. Mit Flyern warb sie an vielen Stellen für ihre Idee. Das erste Treffen: ernüchternd. Nur eine weitere Frau kam – und diese mit Verspätung. „Ich dachte, ich bleibe alleine“, erinnert sich Bauer zurück. Doch nach und nach schlossen sich immer mehr Frauen an. 21 Aktive waren es bei den letzten Treffen vor Corona. Die Pandemie hat durch die massiven Einschränkungen die Gruppe auf derzeit zehn Mitglieder reduziert.

„Die Krankheit ist komplex und vielschichtig, Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs“, weiß die Frührentnerin. Deshalb hat sich die Selbsthilfegruppe vor drei Jahren dem Verein mamazone angeschlossen, der stets die neuesten Erkenntnisse aus der Wissenschaft liefert. „Am besten sollten Frauen gleich nach der Diagnose zu uns stoßen“, ermutigt sie. Denn oft kämen Erkrankte erst, wenn die Behandlung längst am Ende angekommen ist. Der Erfahrungsaustausch sei jedoch von Anfang an wichtig. Ob Tipps zu Behandlungsmöglichkeiten, Ernährung, Sportmöglichkeiten oder einfach nur, „um die größten Sorgen loszuwerden“: Eingeladen ist jeder Mensch, der von Brustkrebs betroffen ist. Denn auch Männer können ihn bekommen.

Wichtig, so findet Bauer, ist es, sich nicht vom Krebs beherrschen zu lassen. Dabei unterstützt sie andere und auch für sich selbst hat sie Wege gefunden. Sie ist Initiatorin des Raistinger Sonnenacker, gibt ehrenamtlich Nachhilfe, geht gerne in die Berge und treibt gemeinsam mit ihrem Mann viel Sport. Seit der Pandemie spielt sie mit ihren Familienmitgliedern quer durch Europa wöchentlich online eine Art Montagsmaler und telefoniert gleichzeitig mit ihnen, um den Kontakt aufrechtzuerhalten. „Mir ist es wichtig, dass ich Ziele verfolge“, betont die Frührentnerin. „Die schönen Dinge sollen im Vordergrund stehen.“

Infos zum Thema

Die Selbsthilfegruppe mamazone e.V. trifft sich immer am letzten Mittwoch im Monat von 19 bis 20 Uhr im Höck-Haus, Pöltnerstraße 22, in Weilheim. Ob die nächsten Treffen stattfinden können, wird nach der aktuellen Corona-Lage entschieden. Informationen erteilt Traudl Bauer unter bauer@mamazone.de oder Tel. 0160/7942375.


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