Trauer um ermordete Ärztin ist groß – Täter fühlte sich falsch behandelt

Ein Ort zum Abschiednehmen: Ein Kollege trägt sich in das Kondolenzbuch ein, das im Weilheimer Krankenhaus zum Gedenken an die ermordete Ärztin ausgelegt ist. Foto: Hofstetter

Der wegen des Mordes an einer Krankenhausärztin in Untersuchungshaft genommene 65-Jährige aus Oberhausen hat inzwischen die Tat eingeräumt. Für Staatsanwaltschaft und Polizei ist es offenkundig, dass der ehe- malige Patient sein 47-jähriges Opfer in der Klinik gezielt aufgesucht und angegriffen hat.

Der Inhaftierte war vor Kurzem wegen Unterleibsbeschwerden stationär im Weil­heimer Krankenhaus aufgenommen und von der 47-jährigen Ärztin untersucht worden. Bei seiner Vernehmung stellte sich heraus, dass er sich falsch behandelt gefühlt hatte. Am vergangenen Donnerstag Morgen war der Mann, wie in unserer Samstagsausgabe berichtet, im Foyer der Klinik mit einem Küchenmesser auf die Ärztin losgegangen. Das durch mehrere Stichverletzungen schwerst verletzte Opfer verstarb trotz Notoperation. „Machtlos stehen wir dieser unvorstellbaren Tat gegenüber, die uns eine liebe und hochgeschätzte Mitarbeiterin und Kollegin für immer genommen hat“, gedenken Elisabeth Ulmer, die Geschäftsführerin der Krankenhaus GmbH und der ärztliche Direktor der Weilheimer Klinik, Professor Dr. Rudolf Bumm, auf der Homepage des Krankenhauses der auf tragische Weise ums Leben gekommenen Ärztin. „Für uns alle war es ein Ausnahmezustand“, beschreibt Ulmer den Ablauf jenes Donnerstags, an dem ein 65-jähriger ehemaliger Patient im Foyer die Klinik auf die 47-Jährige losgegangen war. Die von ihm mit einem Küchenmesser niedergestochene Ärztin hatte keine Überlebenschance. Beim stationären Aufenthalt des Tatverdächtigen, der wegen Schmerzen im Unterleib von der später getöteten Ärztin untersucht worden war, habe es keinerlei Auffälligkeiten gegeben. „Es war ein Routinefall. Sein Zustand hatte sich gebessert, der Mann wurde nach zwei Tagen wieder entlassen“, erklärt Professor Bumm. Eine Woche später geschieht das Unfassbare. In seiner Vernehmung gesteht der 65-jährige in Oberhausen lebende Mann die Tat und gibt an, sich im Krankenhaus falsch behandelt gefühlt zu haben. Die mit dem Mord befasste Staatsanwaltschaft München II wie auch die Polizei gehen davon aus, dass der Mann sein Opfer am 3. März um 8.45 Uhr „gezielt gesucht und angegriffen“ hat. Nach der Tat stehen alle unter Schock. Der 19-jährige Zivildienstleistende Miro-Alexander Huter, der Zeuge der Bluttat wird, sich über den Täter wirft, ihm die Waffe entreißt und ihn bis zum Eintreffen der Polizei fixiert. Das Ersthelferteam um Chefarzt Dr. Andreas Knez, das sofort eine Notoperation einleitet. Das Kriseninterventionsteam, das die traumatisierten Mitarbeiter auffängt. Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz. „Sie alle haben hervorragende Arbeit geleistet“, dankt Ulmer. „Würdig und unaufdringlich“ sei alles Nötige erledigt worden, findet Dr. Knez. Die Patienten, deren Untersuchungstermine abgesagt werden mussten, hätten verständnisvoll reagiert, und die Mit- arbeiter seien nach diesem schrecklichen Vorfall alle wieder zur Arbeit erschienen. Tage sind vergangen, aber der Schock hält noch an. „Da ist eine Betroffenheit, die wir nicht in Worte fassen können. Es ist so unbegreiflich“, formuliert es Dr. Knez. Die Rückkehr in die Alltagsroutine fällt schwer. Immer wieder kreisen die Gedanken der Drs. Knez und Bumm um die verlorene Kollegin und ihre Angehörigen. Sie beschreiben die 47-Jährige, um die in Andechs ein Ehemann und zwei Söhne trauern, als „lebensbejahende Frau“. Mit ihren Patienten sei sie auf eine liebenswerte Art umgegangen. Den Klinikverantwortlichen ist jetzt wichtig, dass die Tat vollständig aufgeklärt wird. Das tragische Ereignis im Weilheimer Krankenhaus zeigt einmal mehr: Attentate wie dieses werden sich in einem öffentlich zugänglichen Haus nie mit hundertprozentiger Sicherheit verhindern lassen. Darüber ist sich auch die Klinikleitung im Klaren.

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