Harte Zeiten für Einzelhandel

Trotz Click & Collect – Geschäftsleute berichten über aktuelle Situation

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Click & Collect bietet die Möglichkeit, weiterhin lokal einzukaufen.
  • Stephanie Novy
    vonStephanie Novy
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Region – Kaum eine Branche bleibt von der Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen unberührt. Zu kämpfen hat vor allem auch der Einzelhandel, obwohl seit Kurzem wieder die Möglichkeit von Click & Collect besteht. Der Kreisbote hat sich bei einigen Geschäftsleuten erkundigt, wie die Kunden die örtlichen Abhol- und Lieferdienste nutzen und wie sie die Situation insgesamt einschätzen. Anlass dazu gab auch ein Video, das kürzlich in den sozialen Medien veröffentlicht wurde. In ihm wenden sich Stefanie Hummel (Hapfelmeier) und Jana Krivanek (Schonschön) mit einem eindringlichen Appell an die Politik. 

Zu Beginn des Videos ist ein großes schwarzes Kreuz und der Satz „In Gedenken an die Mode- und Sportgeschäfte in Eurer Stadt“ zu sehen. Im Anschluss weisen die beiden Geschäftsfrauen unter anderem darauf hin, dass durch das Aussterben des stationären Einzelhandels auch das „wichtige Kulturgut“ Innenstadt sowie abertausende von Arbeitsplätzen verloren gehen würden. Die Pandemie sei absolut ernstzunehmen und die Maßnahmen müssten respektiert werden. „Aber auch muss das Bewusstsein geweckt werden, welches Ausmaß der wirtschaftliche und gesellschaftliche Schaden nehmen wird. Der stationäre Fachhandel muss wahrgenommen werden!“, machen Hummel und Krivanek deutlich. Ein Grund für das Video sei die Traurigkeit darüber gewesen, was gerade „mit unserer Stadt und vielen anderen“ geschehe, sagte Krivanek auf Nachfrage des Kreisboten. Gerade der Mix aus verschiedenen Anbietern würde die Innenstadt Weilheims attraktiv machen. Nun müssten aber viele Läden schließen. „Sie fallen um wie Dominosteine“, findet Krivanek klare Worte.

Zudem würden die Unterstützungshilfen für die Einzelhändler, die von den Schließungen Mitte Dezember betroffen waren, nicht auf Grundlage des Umsatzes, sondern prozentual nach der Höhe der Fixkosten berechnet werden. „Das war ein Schlag ins Gesicht“, betont Krivanek. Was Click & Collect anbelangt, können Kunden die Waren, welche sie zuvor im Schaufenster oder auf den Social Media Kanälen von der Schonschön Boutique gesehen haben, bei ihr ordern. Dann wird individuell ausgemacht, ob die Ware abgeholt, geliefert oder zugesandt werden soll. Diesen Service würden die Kunden sehr zu schätzen wissen, berichtet Krivanek.

Es braucht Perspektiven

Auch bei Schuh Sport und Mode Hapfelmeier wird Click & Collect gut angenommen. Interessierte können die Waren entweder durch den Onlineshop bestellen oder aufgrund der mit Nummern versehenen Auslagen im Schaufenster eine Wahl treffen. Diese kann dann auch telefonisch durchgegeben werden. Anschließend kann man sich die Bestellung liefern lassen oder sie zum Beispiel durch einen Drive-in an den beiden Standorten in Weilheim abholen. Trotzdem brauche der Einzelhandel Perspektiven – „wir müssen planen können“. Für den Textil- und Schuhhandel kommt erschwerend hinzu, dass bald schon wieder neue Herbst-Winterware bestellt werden muss. Auf das Video hätte sie jedoch sehr viel positive Resonanz bekommen, berichtete Hummel. Die Idee dazu sei Krivanek und ihr zusammen gekommen und auch die Umsetzung hätten sie – mit Maske und Abstand – gemeinsam realisiert.

Er würde „praktisch täglich“ mit Kollegen telefonieren, die mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen hätten, sagte Florian Lipp (Kaufhaus Rid), Vorsitzender des Vereins für Standortförderung Weilheim. Er sei kein Experte, aber die Geschäfte die er kenne, hätten allesamt sehr gute Hygienekonzepte. Außerdem gebe es Studien vom RKI, dass der Einzelhandel kein Infektionsherd sei. Somit hofft Lipp, dass die Geschäfte baldmöglichst wieder ihre Türen öffnen können. Die Möglichkeit von Click & Collect wird auch beim Kaufhaus Rid gerne wahrgenommen. „Wir können damit viele Kunden glücklich machen“, freute sich Lipp. Waren können entweder durch den Onlineshop oder durch die Angebote im Schaufenster ausgewählt werden. Das Kaufhaus bietet sowohl einen Abhol- als auch Lieferservice an.

Bei ihnen stehe das Telefon nicht still, berichtete Anna-Lena Ludwig (Assistenz der Geschäftsleitung hagebaumarkt). Kunden hätten außerdem die Möglichkeit, ein Bestellformular auf der Webseite des Marktes auszufüllen. Dann wird mit ihnen Kontakt aufgenommen. Die meisten wüssten was sie brauchen, aber eine Telefonberatung könne ebenfalls ohne Probleme durchgeführt werden. Auch hier gibt es sowohl die Option der Abholung als auch die der Lieferung. Des Weiteren gibt es in der Nähe des Weilheimer Marktes einen Automaten mit einigen Bedarfsartikeln – auch FFP2-Masken sind dort nun erhältlich.

Das Modehaus Echter ist für seine Kunden auch während des Lockdowns da, wie das Unternehmen mitteilt. Wünsche können telefonisch oder per E-Mail mitgeteilt werden. Dann werden die Waren geliefert oder zur Abholung vorbereitet. Aktuelle Informationen gibt es zudem auf der Internetseite des Modehauses. Wie das Unternehmen weiter angibt, sei die Situation zwar schwierig, man würde aber ganz fest auf die Stammkunden vertrauen und der Wiederöffnung optimistisch entgegenblicken.

Größere Anschaffungen werden gemieden

Wenn es nach Thomas Palmberger vom gleichnamigen Möbelgeschäft ginge, würde der Einzelhandel so schnell wie möglich wieder öffnen. Jeder Inhaber habe ausgefeilte Hygienekonzepte und die neue FFP2-Maskenpflicht würde zusätzlich für Sicherheit sorgen. Palmberger sieht daher in den Geschäften kein großes Ansteckungsrisiko. „Wir haben hier eine Verkaufsfläche von 2 000 qm. Da verteilen sich die Kunden sehr gut.“ Doch eine Öffnung der Läden liegt wohl noch in der Ferne. Bis dahin bietet Palmberger auf der Webseite des Geschäfts einzelne Ausstellungsstücke an, die von Kunden dann auch abgeholt werden können. Größere Anschaffungen meiden die Kunden laut Palmberger derzeit jedoch. „Wenn sich jemand eine Couch kaufen möchte, dann will er sich vorher draufsetzen und den Stoff anfassen.“ Der Geschäftsführer hofft, dass die Kunden nach dem Lockdown dafür wieder in die lokalen Geschäfte kommen.

Bei der Goldschmiede Perchermeier ist es ähnlich. Wie Roswitha Rauh berichtet, würden auch hier viele Kunden die Schmuckstücke vor dem Kauf lieber in die Hand nehmen und sie sich ansehen wollen. Das Angebot von „Call & Collect“ würde dennoch angenommen. Auf der Webseite gibt es zwar keinen Onlineshop. Wer aber wisse, was er wolle, könne direkt im Geschäft anrufen und bestellen, so Rauh. Die Ware kann dann abgeholt oder auch geliefert werden.

Einen großen Vorteil, den das Juweliergeschäft gegenüber anderen hat, ist das Angebot der Reparatur. Kunden können nach wie vor Gegenstände vorbei bringen, die repariert werden müssen. Ein weiterer Vorteil ist laut Rauh, dass sie keine Saisonware anbieten, wie etwa Bekleidungsgeschäfte. Rauh hält nichts von einer voreiligen Öffnung. Sie sei absolut einverstanden mit den Maßnahmen und sagt: „So hart es auch für jeden Einzelnen ist, da bleibt uns jetzt nichts anderes übrig.“

Von Sofia Wiethaler und Stephanie Novy

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