Großprojekt ist einen kleinen Schritt weiter

Turnhallenbau in Weilheim: Kreisräte stimmen mit deutlicher Mehrheit für Untersuchung beider Standorte

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So könnte eine mögliche Bebauung auf dem bestehenden Gymnasiumsgelände aussehen.

Weilheim – Ein Thema, das in der Kreisstadt schon lange für Zündstoff sorgt, ist der Neubau einer Turnhalle. Wie sie werden und wo sie gebaut werden soll, darüber scheiden sich in Weilheim die Geister. Dies wurde auch in der Kreistagssitzung am Freitag ersichtlich, in welcher das Thema erstmals öffentlich behandelt wurde.

Ein Rückblick: Bereits im Jahr 2014 stand das Thema Turnhalle auf der Liste der anstehenden Großprojekte im Kreistag. Grund hierfür waren die beiden übereinander liegenden Einfachturnhallen des Gymnasiums Weilheim. Diese befinden sich weitgehend noch im Originalzustand aus dem Jahr 1962. Neben fehlenden Prallwänden sowie einem barrierefreien Zugang zur oberen Halle und nur einer Umkleide und Dusche pro Einheit machte sich zudem der Sanierungsbedarf bemerkbar. Aus Gründen der Sicherheit musste die obere Halle im Winter 2016/2017 bei Schneefall geschlossen werden. 2017 wurde sie dann dauerhaft gesperrt. Die untere Halle ist bei Schneefall ebenfalls nicht mehr nutzbar. Somit steht dem Gymnasium lediglich eine Einfachsporthalle (neben der Jahnhalle) zur Verfügung. Dies stellt nicht nur für die Schulen erhebliche Beeinträchtigungen im Sportunterricht dar, auch die Vereine warten schon lange auf eine Lösung. Laut einem Schreiben der Regierung von Oberbayern vor einem Jahr beträgt der Bedarf von Realschule und Gymnasium zudem sechs Halleneinheiten. Der Landkreis als Träger musste aktiv werden.

Dass Weilheim eine neue Turnhalle braucht steht also fest. Über das wo und das wie – drei Einfachturnhallen, eine Dreifachturnhalle oder eine Einfach- und Zweifachturnhalle – ist man sich allerdings noch nicht einig. Wie Landrätin Andrea Jochner-Weiß in der jüngsten Kreistagssitzung erklärte, wurde bereits in Schul- sowie in Kreisausschüssen beschlossen, zwei mögliche Varianten untersuchen zu lassen. Wie eine Konzeptstudie zeigt, könnten auf dem Gymnasiumsgelände neue Einzelhallen oder eine Doppel- mit einer Einzelhalle nebeneinander oder gestapelt beziehungsweise halb oder komplett eingegraben untergebracht werden. Mangels Platz ist hier jedoch keine Dreifachturnhalle realisierbar. Anders auf dem Maibaumgrundstück gegenüber vom Amtsgericht. Hier hätte eine Dreifachturnhalle zwar Platz, allerdings steht man hier vor anderen Herausforderungen. Unter dem Grundstück, welches der Stadt Weilheim gehört, befinden sich Altlasten. Bei einer Bebauung fallen so zusätzliche Kosten für deren Entsorgung und eine Baugrundverbesserung an. Die Stadt Weilheim würde dem Landkreis das Grundstück zwar übergeben sowie die Mehrkosten übernehmen, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass die Hallen außerhalb der Schulzeiten für den Vereinssport zur Verfügung stehen.

In der Sitzung ergriff Hans Schütz (Bündnis 90/Grüne) als erster das Wort. Er plädierte dafür, nur den möglichen Bau auf dem Gelände des Gymnasiums weiter verfolgen zu lassen. Dadurch könne man sich die Hälfte der 200 000 Euro teuren Untersuchungskosten sparen. Auch schneide diese Variante in einer Nutzwertanalyse, in welcher beide Standorte miteinander verglichen wurden, eindeutig besser ab. „Außerdem haben sich Schule und Lehrer klar für einen Neubau auf dem Bestandsgebäude ausgesprochen. Auf dem Maibaumgelände gibt es Probleme mit Altlasten. Das Risiko bei einem Bauvorhaben sollten wir nicht eingehen“, so Schütz. Zudem müssten bei einer Bebauung die Kosten für eine Untertunnelung in Betracht gezogen werden, durch die die Schüler zu ihren Hallen gelangen könnten. Das war für Jochner-Weiß allerdings kein Argument: „Wir wollen schauen, wie es um die Wirtschaftlichkeit bei beiden Varianten steht. Ich glaube, dass es für Gymnasiasten zumutbar ist, zwei Straßen zu überqueren“, so die Landrätin. Der Meinung von Schütz schloss sich Hans Geisenberger (ödp) an: „Es ist unnötig, das Maibaumgelände weiter untersuchen zu lassen. Die Schüler haben eine Stunde Sport, bis die letzten da sind, können die ersten wieder einpacken.“ Einen ökologischen Aspekt brachte Agnes Edenhofer (ödp) ein. „Das Maibaumgelände ist einer der wenigen grünen Lungen in Weilheim. Ich bin froh, dass die Schulleitung mit der alten Variante beim Gymnasium zufrieden ist.“

Anderer Meinung war Bürgermeister Markus Loth, der sich im Sinne des TSV für eine Dreifachturnhalle aussprach: „Drei einfache Turnhallen machen aus sportlicher Sicht keinen Sinn. Über die Situierung kann man sich streiten, auch wenn es für uns beim Verzicht auf die Option Maibaumgelände einfacher wäre, da die Verantwortung wegfällt.“ Seiner Meinung nach sollen beide Varianten weiter untersucht werden. Dem schlossen sich einige Kreisräte an, darunter Dr. Friedrich Zeller (SPD), der auf die bei einem Neubau entstehenden Kosten aufmerksam machte: „Man darf sich die Option nicht zu früh nehmen, da es auch sehr teuer wird.“ Dr. Eckart Stüber (Grüne) interessierte vor allem die Meinung der Hauptnutzer, der Schüler. Er habe sich bei seinen Kindern, die „alle drei das Gymnasium besuchen“, erkundigt und diese haben sich einstimmig für eine Dreifachturnhalle ausgesprochen. Er schlug eine Schülerumfrage vor.

Mit großer Mehrheit (sieben Gegenstimmen) votierten die Kreisräte dafür, beide potentiellen Standorte weiter untersuchen zu lassen. Bei einer ersten groben, nicht belastbaren Kostenschätzung von 8,2 Millionen Euro sollten solche Entscheidungen auch gründlich überlegt sein.

Von Maria Lindner

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